©Karl Ludwig Raab
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts ist in unserem Kloster Herchen eine Aebtissin mit Namen Jutte von Widerstein gewesen. Die hat sich im Anfang gut bewährt und es zu Ansehen gebracht. Mit den Jahren aber ist ihr doch Amt und Adel zu Kopf gestiegen. Sie hat selbst Schmuck und Zierat , Schleifchen und Fältchen an ihren Gewändern getragen und auch die Nonnen sich dieserart kleiden lassen. Bald wurde jedes Fest gefeiert, einmal waren die Nonnen beim Dorftanz, ein andermal die Dorfleute fröhlich in den Klosterräumen. Immer aber war die Aebtissin die tonangebende. Bald sank das Kloster in große Schulden, und als die leichtfertige Sachwalterin keinen Ausweg mehr wußte und die Nonnen hungerten und darbten, war sie eines Nachts verschwunden. Man wartetete mehrere Monate auf die Flüchtige und wählte dann eine andere Aebtissin. Die Jutte von Widerstein soll in den späteren Jahren noch manchmal in den Nachtstunden weinend und reumütig um die Klostermauern geschlichen sein. Einmal soll sie den Mut gehabt haben zu klopfen. Da hat ihr ein Klosterbruder geöffnet. Es war inzwischen ein Männerkloster geworden. Die ehemalige Aebtissin ist erschrocken und ohne ein Wort für immer verschwunden.
