update: 28.05.2025

Chronik des Carl Kammerich

 

Familie des Carl Kammerich auf Ponape

 

Rebellion gegen die Unterdrücker von 1910

 

 

Rebellion in der Südsee nach einem Bericht eines deutschen Seeoffiziers von E. Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim

 

Warum ich mein Tagebuch herausgebe.

Über ein Jahr ist hingegangen, sind all das einst Erlebte erscheint mir nur mehr wie ein Traum. Wie eines der sagenumwobenen Wunderländer aus einem  Märchenbuch, so zieht das einsame, palmenrauschende  Südsee-Eiland durch meine Phantasie . Ein eigenes,  wunderbares Märchen ist in mir entstanden, Bild schließt  sich darin an Bild, und wenn ich die Gedanken zügeln und ihren Flug zur Wirklichkeit lenken will, dann blättere ich in den Seiten meines alten , regenverwaschenen Tagebuches , das mich auf allen Wegen treu begleitet hat ,  und aus den hingeworfenen Zeilen weht mich ein Hauch  an von dem Erleben jener tatenfrohen Zeit . Dann sehe  ich alles so deutlich vor mir, greifbar nahe, als wäre  ich noch dort ; sehe die trotzigen Felswände, die reißenden Flüsse, den düsteren Busch, sehe manch liebes, bekanntes Gesicht und manche wutverzerrte Fratze, höre brausendes Hurra und gellend wildes Kampfgeschrei   Uber all dem glühend heiße Sonne, oder zuckende  Blitze aus regenschwangeren Wolken. Und in dem  Toben der Elemente, auf schlüpfrig steilen Felsenpfaden,  im Knattern und Gelärm des Gefechtes sehe ich euch,  ihr tapferen blauen Jungens , in eurem nassgeschwitzten,  zerrissenen, braunen Zeug, die Köpfe dunkelrot vor Anstrengung, das Herz unterm schweren Patronengurt in  Kampfbegeisterung schlagend, doch stets am rechten Fleck, standhaft und unverzagt. Ihr habt gezeigt, was  deutsche Matrosen leisten können, und habt des Vaterlandes Dank verdient . Und darum schrieb ich dieses Buch, daß eure Mühen und eure Taten nicht ganz im Meere der Vergessenheit versinken. Dann tauchen Gräber vor mir auf, Gräber von treuen Beamten und tapferen deutschen Soldaten . Die liegen so weit und sind so wenig gekannt . Auch ihnen soll mein Buch dazu verhelfen, im Herzen des deutschen Volkes den Platz einzunehmen , der ihnen gebührt . Und noch eins ! Ihr meine „ schwarzen Jungens " aus Neuguinea sollt nicht vergessen werden . Auch ihr gehört an diese Stelle, denn auch ihr seid deutsche Untertanen und habt mit eurem Blut bewiesen, daß ihr dessen würdig seid . Darum widmet euch euer Chiap aus Ponape , dem ihr so oft das Leben beschützt habt , manche Seite seines Buches . Und wenn ihr selbst es auch nicht lesen könnt und nie etwas davon erfahrt , so wird es doch den weißen Misters und Misses, denen mein Buch in die Hände fällt, zeigen, daß auch unter eurer schwarzen Haut treue Herzen schlagen und ihr gar nicht die Kannibalen seid, für die man euch hier hält . Längst seid ihr wieder zerstreut in die unendliche Einsamkeit eurer düsteren Wälder, seid zurückgekehrt in die palmengedeckten Hütten eurer Väter, wo die immer grünen Brotfruchtbäume kühlen Schatten spenden und treugepflegte Bananenstauden ihre reifen Früchte tief herabneigen : «Komm und pflücke mich !" Und ihr hütet und bewacht ängstlich den kleinen Besitz, den Schweinekral mit den schwarzen und rosigen Ferkeln, das hohe Zuckerrohr am nahen Bach, und liebevoll rankt eure Hand die zarten Schößlinge der Nams um den stützenden Baumstamm, damit er ja recht dick und schwer werde und nicht vor der Zeit verkümmere. Die Kokosnüsse auf euren schlanken Palmen sind euch heilig, und nur, wenn es niemand sieht, und der Durst allzu groß ist , holt ihr heimlich eine herunter, trinkt und eßt sie sorgfältig aus und stopft den Rest des süßen Kerns in die immer hungrigen Mäuler eurer kleinen , schmutzigen Brüder und Schwestern . Das Ivar anders damals , wie ? Wißt ihr noch ? Wißt ihr noch , wie wir gehaust haben in den strotzenden Fruchtgärten Ponapes, wie der Reichtum eines ganzen Volkes in wenigen Tagen von euch verschleudert und vernichtet wurde? Denn ihr wäret mit mir im Krieg gegen Rebellen . Wißt ihr 's noch , wie wir sengend und brennend durch das blühende Land Zogen, wehende Rauchsäulen verbrennender Dörfer als Wegweiser des Tags, als leuchtende Fackel des Nachts ? Wie die dunklen Gewitterwolken über euch rotglühende Ränder bekamen lind ihren Abglanz warfen auf eure regengepeitschte, flimmernde, schwarze Haut ? Wie wir in endloser , schleichender Schlangenlinie in stockfinsterer Nacht durch den Urwald zogen , über Felsgeröll und reißende Wasser, und dann im keimenden Lichte des Tages, wenn der erste Hahn vertraulich krähte , das schlummernde Dorf, das wir umzingelt, überfielen ? Mit Hallo und wildem Geschrei, und vielem, vielem unnötigen Schießen : denn „Soldaten " wart ihr eigentlich nicht, wenigstens nicht im Sinne des preußischen Reglements. Aber brave Burschen wart ihr darum doch , treue , tapfere , große Kinder eurer Berge, mit denen es eine Lust war , „Räuber und Gendarm " zu spielen. Und sicher spielt ihr es noch oft, singt zum Klange dumpfer Holztrommeln die wilden Kriegsgesänge eurer Phantasie lind springt an . Vollmondfest, beim großen „Sing-Sing " jauchzend und lachend ums heimatliche Feuer: „Hie Jo matau , hie Policeman ." Dann ist oft euer Chiap von Ponape in Gedanken bei euch unter dem sternbesäten Himmel und sitzt in eurer Mitte auf der erbeutete Königsmatte von Dschokadsch, die ihr für ihn auf den weißen Sand gebreitet habt, und lacht und freut sich mit euch des frohen Festes , gerade so , wie er damals ' so manches Mal nach heißem Kampf still und trauernd mit euch am harten Sterbelager eines Gefallenen saß und beim verlöschenden Feuerschein die Totenwache hielt . Als dann der vorletzte Februartag , der Tag des Abschieds , kam und eure vierhundert schwarzen Fäuste sich mir entgegenstreckten: „good by Chiap , good by master !" , da habe ich mir versprochen, euch ein kleines Denkmal zu setzen, damit ihr nicht fehlt in der Geschichte derer , die je für unser Vaterland gestritten und geblutet haben. Mein Tagebuch , so . wie es ist , zu veröffentlichen , wäre nicht gut angängig gewesen , denn selbst ich habe oft Schwierigkeiten gehabt, aus den kurzen, verworrenen Notizen den richtigen Sinn herauszulesen. Deshalb habe ich es ausgearbeitet und dort, wo es nötig war, mit ein wenig Phantasie die Bilder und Stimmungen hervorzubringen versucht , wie sie in der Wirklichkeit waren. So übergebe ich es denn der Öffentlichkeit und hoffe, daß es den Leser interessieren wird und ihm ein Bild entwirft von jener spannend schönen Zeit auf Ponape.

Kiel . November 1912 .

Der Verfasser

 


Der Verfasser Oberleutnant zur See Edgar Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim

 


Übersichtskarte der Insel Ponape mit den Schiffsplätzen der: Planet, Emden, Emden II, Nürnberg, Nürnberg II, Cormoran

 

 
Situationsplan der Operation gegen die Dschokadschinsel Palakir, Tomara und Nankiop

 


Situationsplan der Operation gegen die Nankiop-Stellung



Fotos aus den Kriegsbildern des Verfassers

 


Polizeimeister Carl Kammerich mit Eingeborenen auf Ponape

Der Polizeimeister Carl Cammerich wird in vielen Seiten des Buches erwähnt und sind nachzulesen unter:

Download des gesamten Berichtes unter Kriegsbilder aus Ponape:
Uni Frankfurt: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/dsdk/content/titleinfo/9020507 

 

 

Author: Karl L. Raab
Quellenverzeichnis