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Die Über- oder Spitznamen in unserer Heimat

!! Die Über- oder Spitznamen sollen auch aus anderen Ortsteilen zusammen getragen werden.


Einleitung:
Alle die hier aufgeführten Personen haben etwa ab der Jahrhundertwende gelebt, wovon nur noch wenige das heutige Rosbacher Ortsbild bereichern. Durch ihre absonderliche und aus dem Rahmen fallende Lebensgestaltung, ihren unverwüstlichen Mutterwitz, gepaart mit der vorhandenen Bauernschläue wurden sie zu den unverwechselbaren Dorffiguren, denen man gerne Rede- und Narrenfreiheit zugestand.
Diese einmaligen Typen setzten durch ighr Erscheinungsbild im ländlichen Treiben die heute so selten gewordenen lustigen, ja oft skurrilen Akzente, wodurch sich im Volksmund der passende und treffsichere Spitzname ganz von selbst einstellte. Sie verstanden es meisterhaft, den grauen Alltag stets durch einige "bunte Farbtupfer" zu erhellen, die das dörfliche Miteinander immer wieder so lebens- und liebenswert macht. 
Verschwinden in den ländlichen Bezirken die letzten Sonderlinge, Käuze und Originale, die unnachahmlichen Eigenbrötler, Musikanten und Schnapsdrosseln, die Quacksalber, Heckenadokaten und Handwerkergestalten, so verarmen die Dörfer analog der Natur, die täglich das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zu beklagen hat, da sich für sie die einzigen Lebensbedingungen - das Umfeld im negativen Sinne gewandelt hat. 
Viele dieser originellen Lebenskünstler werden nicht nur in ihrer Sippe durch die übertragenen Spitznamen unvergessen bleiben, sondern auch in weiten Bevölkerungskreisen durch ihre Überlieferung ihrer oft beneidenswerten Lebensart, ihrer "Taten und Werk", woran sich auch in späteren Zeiten noch viele heimatverbundene Bürger gerne erinnern werden. 
 

Der Übername ist ziemlich gleichbedeutend mit dem, was wir unter einem Spitznamen verstehen. Doch ein Unterschied besteht insofern, als daß man letzteren im allgemeinen nur zum Scherz oder aus Sympathie, jedoch weniger aus Bosheit oder Gehässigkeit verlieh, während der Übername ernst gemeint war. Obschon er scherzhaft gemeint sein konnte, hat er oft genug den ersten (eigentlichen Namen völlig verdrängt.
Bei der Verleihung eines Spitznamens haben meist ein Amt, der Beruf mit seinen Werkzeugen und Erzeugnissen, aber auch Körpermerkmale, Angewohnheiten, Wesensart, die Vorfahren und der Herkunftsort eine dominierende Rolle gespielt und Pate gestanden.  
Auch heute ist, einen üblen Spitznamen zu bekommen, als ihn wieder loszuwerden.

Noch heute ist n einigen Familien der Spitzname sogar "erblich", wie z.B. in der Familie Krämer zu Sieg. Hierbei begegnen wir dem Spitznamen "Jüssel" (von Julius) bereits in der 4. Generation, worauf die alteingesessene Sippe mit Recht stolz sein kann.

 

Windeck, Ortsteil Rosbach


Sechs weitere Spitznamen, die ebenfalls von den Vorfahren übernommen wurden, mögen nun folgen:

Name genannt  Entstehung
     
 Heinz Krämer  Poche-Heinz  nach seinem Herkunftsort Poche. 
     
 Horst Öttershagen  Ärßenbär   Entstehung des Namens unklar
     
 Gustav Steinhauer  Schmöttchens-Chustav  von Schmod = Schmied, Beruf des Großvaters
     
 Otto Klein  D´r Kloke   der Kluge, mit seinen Brüdern vom Vater übernommen
     
 Rheinhard Quarz   Wüschteresch   = Wustmacher, Metzger
     
 Hugo Schmidt                         Chummi   = Gummiknüppel, womit schon sein Vater nach Mitternacht 
     die  Gastwirtschaft (falls nötig) leerte.



Spitznamen, die durch ein Amt, einen Beruf und dessen Werkzeuge und Erzeugnisse entstanden sind.

Name  genannt Entstehung
     
 Karl Lenz  Schnuttekrätzer     =Rasierer, Frisör, das bekannteste Rosbacher Original
     
 August Isenhardt  Liem  =Leim, als Schreinermeister
     
 Otto Gerhards  Ratsch                     abgeleitet  vom Hoblem als Schreinermeister
     
 Reinhold Schmidt S tüttchen  nach einem Gebäck, das er als Könner herstellte
     
 Email Gansäuer Blech-Emil   Klempner
     
 Wilhelm Steinhauer  Knachen-Wellem  handelte mit Lumpen, Papier, Schrott und Knochen 
     



Spitznamen, die durch das Erscheinungsbild oder Körpermerkmale ihren Trägern verliehen wurden

Name genannt Entstehung
     
 Wilhelm Krämer  Decke-Wellem stattliche Körperfülle in seinem Tante-Emma-Laden 
     
 Peter Krämer Kleene-Cohn   wegen kleiner Statur und als Friseurmeister
     
 Gustav Lenz  Stüppes  nicht zu den körperlich größten Spielern seiner Mannschaft
     
 Hermann Howeg  Huptech  Schaukelgang wegen seiner Körperbehinderung
     
 Adolf Wirths  Männe  Kosename unter seinen Sportsfreunden
     
 Albert Simon  Schwazze-Simon  wegen seines tiefschwarzen Kopf- und Barthaares
     

 

Spitzamen, die aufgrund von Eigenheiten, Angewohnheiten und der Freizeitbeschäftigung sich bildeten

 Name  genannt  Entstehung
     
 Heinrich Schmidt                      Nüüß                                             =nichts, als Metzgermeister gebrauchte er häufig dieses Wort
     
 Rudolf Weber  Schlenkermann  als Spaziergänger wegen seiner ausholenden Armbewegungen
     
 Peter Böckling  Gala-Peter  nicht alltäglicher Gastwirt, wegen seiner korrekten
    Kleidung und sein vornehmes Benehmen
     
 Albert Steinhauer  Säj-säj  =sähjen, sagen,begann beim Sprechen meist mit diesen Worten
     
 Adolf Ludwig  Tornax  leidenschaftlicher Motorradfahrer und seine Maschine
     
Walter Weißenbrücher Bärw =Barbe, Fischereiaufseher



Spitznamen, die den Herkunftsort oder den Arbeitsplatz des Trägers widerspiegeln

 Name       genannt Entstehung 
     
 Heinrich Fuchs                                                  Röddeler-Schoster  Er stammte aus dem Dorf Rüddel und wohnte in Sieg
     
 Wilhelm Hermes  Anstalts-Wellem,  Äsels-Wellem  Mit seinem Esel besorgte er den Transport von Gütern zur Heilstätte
     
 Albert Gerhards  Lüh-Albert  kommt aus dem Weiler Löh bei Helpenstell, unvergessenes Original
     
 Karl Krämer  Poche-Karl, Poche-Müller, Chlöhnesch   sein Domizil die Pochemühle,
Chlöhnisch von Glut, da in in der Dunkelheit die Mäuse unter seinem 
 Bett stets mit glühenden Augen angestarrt hätten
     
Albert Öttershagen Burchchraf wegen seinem alten Burghaus wurde er im Volksmund
    in den Adelsstand gehoben
     
Karl Radermacher Rampe-Karl Als Bürgermeister nach seiner rampenartigen Auffahrt
    zur Dienststelle

 

Es folgen nun noch 80 männliche und 11 weibliche Spitznamenträger in loser Reihenfolge:

 Name  genannt  Entstehung
       
1  Otto Fuchs  Föcken-Otto
       
2  Karl Hermes  Buch  =Bauch
       
3  Fritz Schmitz  Säus-Fritz  Viehhändler
       
4  Willi Jakobs  U-esterhaas  Kaufmann
       
5  Hans Bender  Schnuftie  RWE Angestellter
       
6  Karl-Heinz Engelberth  Pastur  Kirchen-Angesteller
       
7  Josef Jung  Moltersch-Jupp  Müller
       
8 Fritz Bender Maikäfer Eisenbahner
       
9 Karl Nosbach Stollwercks-Karel Vertreter
       
10 Heinrich Hundhausen Lönken-Henner Gemeindebote
       
11 Werner Hermes Banan Rohrschlosser
       
12 Christian Hermes Erdmännchen Schlosser
       
13 Daniel Schmidt Schroots-Dannjel Lehrer
       
14 Fritz Jakobs Döpsel Bruder Nr. 4
       
15 Rudolf Hermes Lapp-ehr Schlosser
       
16 Josef Fuhrmann Ech =ich (Vater von Nr. 60)
       
17 Karl Heuser Ackie Fuhrmeister
       
18 Wilhelm Rödder Noah Klempner, vermutlich wegen seiner Behausung
       
19 Karl Gerhards Hannes-Karel Schmied
       
20 Gustav Gerhards Touren Schmied (Sohn von Nr. 19)
       
21 Werner Dünzer Vöjelchen Zahnarzt
       
22 Gustav Isenhardt Männlein Klempner
       
23 Erich Gerhards Eslie Schlosser
       
24 Rudolf Mergenthaler Habsburger oder Schotzmann Bäcker
       
25 Heinz Hergenthaler Schesser Bäcker, (Bruder von Nr. 24)
       
26 Gustav Lenz Lenz-Schoster Schumacher (es folgen die 6 Söhne)
       
27 August Lenz Ökes Schlosser
       
28 Richard Lenz Hatschel Schlosser
       
29 Gustav  Lenz Stüppes Schumacher (wurde bereits erwähnt)
       
30 Walter Lenz Onkel Frisör
       
31 Eugen Lenz Rubbeldidupp Fabrikarbeiter
       
32 Karl Lenz Schnuttekrätzer (wurde bereits erwähnt)
       
33 Günter Lenz Kenne Frisör (Sohn von Nr. 32)
       
34 Otto Krämer Flöten-Otto Uhrmacher
       
35  Otto Krämer  U-ehrenpetzer  =Ohrenpitzer für Ohrringe, Uhrmacher
       
36  Heinrich Schmitz  Junior  Gastwirt
       
37  Walter Scholl  Durenneen  =Durcheinander, Mechaniker
       
38  Heinrich Schmidt  Druzehner  = 13er, Schlosser (Bruder von Nr. 39)
       
39  Friedrich Schmidt  Zwölefonhalw  = 12 1/2, Händler
       
40  Christian Stöver  Elektrescher-Chrestean  Elektriker
       
41  Karl Krämer  Lostech  Schreiner
       
42  Franz Schmidt  Fränzjen  Bäcker
       
43  Reinhold Schmidt  Stüttchen  Bäcker (Sohn von Nr. 42, bereits genannt)
       
44  Karl Öttershagen  Eerpelskäfer  Gelegenheitsarbeiter
       
45  Hermann Espeler  Penn  =Stopfen, Stift, Buchdrucker
       
46  Otto Mudersbach  Mummel  Gastwirt und Bierkutscher
       
47  Arthur Schmitz  Schmetz-Decker  Gastwirt (Sohn von Nr. 36)
       
48  Werner Jakobs  Jekum  Gastwirt (Sohn von Nr. 14)
       
49  Ferninand Lenz  Lenz-Fenn Landwirt
       
50 Gustav Krämer Kabänes Landwirt
       
51 Wilhelm Steinhauer Schmörchen Kaufmann
       
52 Hermann Moses Mottches-Hermann Viehhändler
       
53 Robert Gerhards Theiß-Nippes Schlosser 
       
54 Lois (Ludwig) Uebel  Vater  Anstreicher 
       
55 Erich Uebel Bürgervater   Anstreicher (Sohn v. Nr. 54)
       
56 Martin Piehl  Öllech  = Zwiebel, Bäcker und Gastwirt 
       
57 Hermann Schneider  Heustutz Hilfsarbeiter 
       
58 Melchior Lenz  Melches Landwirt 
       
59 Paul Jünger  Pittersch-Paul  Klempner 
       
60 Ernst Fuhrmann  Bichtvatter  Gemeinde-Angestellter 
       
61 Fritz Felsing  Tengelmann  Kaufmann 
       
62 Gustav Gerhards  Patsche-Chustav  Krauthersteller 
       
63 Eduard Kindgen  Schliche   =Regenwurm, Fuhrunternehmer
       
64 Lorenz Kölschbach  Schikolo  Anstreicher 
       
65 Karl Weber  Schuener-Karl  Briefträger
       
66 Emil Weber  Klitscher  Klempner 
       
67 Gustav Schösser  Klecker  Bäcker und Gastwirt (Vater von Nr. 68) 
       
68  Adolf Schlösser Asching  Ingenieur (=Vor und Zuname und Beruf)
       
69 Adolf Ring Rengs-Dreckes Hilfsarbeiter
       
70 Karl Hundhausen Fuddel Geschäftsführer
       
71 Willi Sander Drammi Dauerarbeitsloser
       
72 Paul Geilhausen Möcken-Paul Gastwirt
       
73 Willi Gense Schnaken-Willi Gastwirt (Holländer)
       
74 Adam Krämer Ädem Schweinehändler
       
75 Karl Kindgen Schötz-Karel Jagdhüter
       
76 Gustav Weber Jöckstitzjen Maurer
       
77 Heinrich Klein Flitsch Kaufmann
       
78 Eduard Hermes Üehmchen =Ohm oder Onkel, Angestellter
       
79 Karl Jasser Waßerhaas Schlosser
       
80        Günter Krämer                                Ackermann                                                Bauunternehmer

 

Wie bereits erwähnt, sind die Frauen in dieser Aufstellung weniger vertreten. Zwecks besserer Übersicht wurden sie hier gesondert, aber unter der fortlaufenden Nummer aufgeführt:

  Name                                                         genannt                                                              Entstehung
       
 81           Berta Klein           Sochen Näherin (Schwester v. Nr. 77)
       
 82  Hedwig Enders  Ei Hausfrau 
       
 83  Ida Gottschalk Kompels-Ida  Hausfrau
       
 84  Emilie Lenz  Chermania   Hausfrau
       
 85  Christine Krämer  Schmotz-Janchen   Hausfrau
       
 86  Alma Isenhardt Metz   ledig, (Schwester v. Nr. 22)
       
 87  Luise Becker Schniewittchen  Hausfrau
       
 88  Klara Schlösser Klör   (Frau v. Nr. 67)
       
89 Alma Voigt Krüll wegen ihrer krausen Haare, Kauffrau
       
90 Luise Becker Fiffi Hausfrau von Wieshof
       
91      Maria Krämer Bocks-Marie Betreuerin einer Ziegendeckstation
      ihre Kinder wurden nur die Bocks-Köngder genannt

 

Andere Ortsteile und Namen

  Name genannt Ortsteil Entstehung
         
92                 Eckenhannes Johannes oder Hannes                                    Dahlhausen  Lage des Wohnhauses an der Ecke  im Ort  
         
93    Die Burichs  Schabernack, Emm Burich-Chaaden  soll in Schabernack eine Burg gestanden haben
         
94    Petterichs oder Pittersch  von Peter
         
95    Schmett   von Beruf Schmied
         
96    Schomächer  von Beruf Schumacher
         
97    Mütschender   von Ortsteil Eutscheid
         
98    Dähleser  von Ortsteil Dahlhausen
         
99    Knorrn  also krummer Ast
         
100 Willi Kappenstein                                                  Beutel oder Knesterich   Beruf Metzger
         
101   de Kuhlens   Beruf Müller
         
102   et chörz Helma   von Schürze
         
103   Kaputtschäger Rosbach von Uhrmacher
         
104   Buchemann Rosbach Briefträger
         
105   der schöne Jung   von Schwiegersohn
         
106 K. H. Engelbert et Strüßchen Hurst Friseur
         
107   Stummels Wilem Ütterschen  
         
108 Artur Engelbert Stüttchen Hurst Stollenbäcker
         
109 Albert Hopp Eispüppchen Lindenpütz Eisverkäufer
         
110 Karl Lenz Schnutekrätzer Rosbach Friseur
         
111 H. Schmidt Drüzehner Rosbach Heizungsbauer
         
112 Kurt Isenhardt Liem Rosbach Schreiner
         
113 Heinrich Öttershagen Ersenbär Rosbach Tankstelle Rosbach
         
114 Otto Gerhards Ratsch Rosbach Schreiner
         
115 Hr. Kremer Kleene Kohn Rosbach Friseur
         
116 Richard Lenz Hatschel Rosbach guter Fussballspieler
         
117   Drees Lisbeth Kuchhausen  
         
118 Walter Rödder Mürbe Schladern Bäcker, Mürbeteig
         
         
         



 Namen, Nennungen und Bezeichnungen in unserer Heimat

 

 

Quellenverzeichnis:
Gestern und Heute, Herausgeber: Email Hundhausen, Verlag: Fritz Franz, Stromberg 

Burgsitz, Freigut Allmende zu Röcklingen

 update: 16.05.2025


Foto: 1. Röcklingerbrücke um 1909

Der Burgsitz zu Röcklingen
ist in alten Dokumenten erwähnt, muß bereits seit fast 400 Jahren verschwunden sein, denn auf der Mercatorkarte von 1575 ist er nicht mehr erwähnt.

Anm: Als erste Besitzerin der Burg Windeck-Alt  gilt die Gräfin Kunigunde von Bilstein, die sich auf dem Michelsberg in Siegburg begraben ließ. Dafür stiftete sie ein Gut in Braubach. In einer diesbezüglichen Urkunde von 1138 traten unter anderen als Zeugen auf: Cunradus de Rukelingin (Röcklingen), Gozwinus de Rospen (Rosbach), Heinricus de Sconebach (Schönenberg), Udo de Hanafo (Hennef), Thammo de Wimere (Weimar), Arnoldus de Cuchenbach (Kuchenbach bei Uckerath), Wicherus de Benesbure (Bensberg).

Namen, Nennungen, Namensbezeichnungen 


Das Freigut zu Röcklingen, Allmende, ist bis zum Jahre 1760 im Besitz von Adam Velbrück.  

Graf Adam v. Velbrück war Kurpfälzischer Rat. Amtmann von Mettmann und seit 1730 Amtmann zu Windeck.


Foto: Fürstbischof Karl Franz  von Velbrück

Er erhielt 1731 eine Präbende (Pfründe, Stiftsstelle) am Dom zu Lütich, wo sein Bruder Karl Franz Fürstbischof war. Mit ihm erlosch 1776 das Geschlecht im Mannesstamm.

In dem Buche „Zur Geschichte der rheinischen Adelsfamilien“ (O. Gerhard, Düsseldorf 1925) ist die Ortschaft Röcklingen nicht verzeichnet, so daß man annehmen darf, daß über den dortigen Besitz
der Familie v. Velbrück nähere Einzelheiten bis heute kaum bekannt geworden sind; zumal hierüber bei J. Strange Angaben fehlen.



Foto: Röcklinger Bürger um 1912


Nicht weit hinter Herchen, am Dorfe Röcklingen“ überrascht uns eine interessante Naturerscheinung: eine luftige Kolonie zahlloser Krähen in einer kleinen Eichwaldung am jenseitigen Ufer. Das Gekrächz dieser schwarzen Unholde um die hohen Eichenwipfel drüben, die steilen Uferfelsen links, an welchen sich unsere Straße über den schäumenden Strom hinwindet, bilden ein passendes Vorspiel zu den pittoresken Natur- und Sagenbildern, mit welchen sich uns der arme, aber romantische Kreis Waldbröl hier öffnet. Mit wenigen Sätzen skizziert im Jahre 1854 der Siegtalwanderer August Horn das kleine Dorf Röcklingen, ohne jedoch das ehemalige Freigut v. Velbrück zu erwähnen. Dies blieb im Jahre 1866 Ernst Weyden – dem „zweiten Wanderer durch Siegtal“ – vorbehalten: er schreibt in seinem Buch Seite 199: „In dem Dorfe Röcklingen oberhalb Herren besaßen die Grafen von Vellbrück, genannt Altenbrück, ein Besitzthum. Unterhalb des Dorfes, dessen Umgehungen häufig von Rabenkolonien heimgesucht werden, soll ebenfalls ein alter Burgsitz gestanden haben.“

In dem Buche „Zur Geschichte der rheinischen Adelsfamilien“ (O. Gerhard, Düsseldorf 1925) ist die Ortschaft Röcklingen nicht verzeichnet, so daß man annehmen darf, daß über den dortigen Besitz der Familie v. Velbrück nähere Einzelheiten bis heute kaum bekannt geworden sind; zumal hierüber bei J. Strange Angaben fehlen.

Im engeren Heimatbereich liegt das dichteste „Ingen-Gebiet“ nördlich der mittleren Sieg. Aber auch im mittleren Siegtal haben wir die „Ingen-Orte“ wie: Geistingen, Bödingen, Köttingen etc. Der Ort Röcklingen taucht (n. H. Dittmaier) im Jahre 1138 zum ersten Male unter dem Namen Conradus de Rukelingin aus dem Dunkel der Geschichte auf. Röcklilngen wird 1457 Roeckelingen und im Jahre 1575 Reckelingen geschrieben.

Der Ortsname dürfte (legt man Rech, Reg, Reeg, Recht, Reich, Räsch, Resch und Reck zugrunde) soviel wie Grasstreifen an Wegen, kleinerer oder größerer Abhang, bes. die Terrassen der an einem Hang liegenden Äcker bedeuten.

Von seinen Söhnen erhielt Adam, Graf von Velbrück, die Besitzungen des Vaters und auch das Gut Mauel an der Sieg.
Da das Freigut Röcklingen (etwa 8-10 km siegabwärts) in diesem Zusammenhang in Heimatschriften nicht erwähnt wird, so wird es vermutlich schon der Vater von Graf Adam von Velbrück erworben haben. Der folgende Kaufakt:


Kaufakt Röcklingen

leitete eine Entwicklung ein, die niemand vorausahnen konnte; sie fand nach fast 100 Jahren mit einem langjährigen 
Prozess ein friedliches Ende. Nachdem Johann Gerhard Anton Becker laut „Anbetragsvermerk“ vom 30. Mai 1761 im Namen des Theisen Schmidt zu Röcklingen das Freigut von Velbrück gekauft hatte, verkaufte Letzterer am 19. Mai 1762 den 4. Teil des Gutes an die 6 Röcklinger Bürger. J. Land, G. Patt, J. P. Kuchheuser, J. Schneider, J. H. Kuchheuser und M. Kuchheuser. In den folgenden Jahren wurde das Freigut durch Kauf und Erbschaft immer weiter zerstückelt.

Karl Schröder lässt in seinem Buch "Zwischen Französicher Revolution und Preußens Gloria" (1989) den evangelischen Pfarrer Moes von Leuscheid über seine Erlebnisse in der Französichen Revolution berichten:
"Den 15. Sept. 1795 habe man in Röcklingen gesagt, von Altenherfen kämen 3000 Franzosen" und weiter "über ein Kleines kam der Schultheiß (Bürgermeister) von Dattenfeld hergesprengt. Ich ging in sein Haus und fragte ihn etwas Neues. Darauf sagte er mir, in Dattenfeld sei die Nachricht  angekommen, die Franzosen seien im Anmarsch, sie hausten barbarisch. 

 


Röcklingen -1831-

 

 
Röcklingen -1896- Angelerlaubnis an Karl Kuchheuser

 

 

 
Röckingen -1906- Angelerlaubnis an Karl Kuchheuser zum Lachsfang

 

 

Allmende zu Röcklingen  

Foto: Allmende Röcklingen um 1929




Foto: Röcklinger Veteranen von 1870/71 um das Jahr 1905

 



Foto: Röcklinger Raucherkollegium


Früher war das Land Allgemeingut- oder Allmende, auch Allermannsgut, Allmeinde, und Allgemeine, von ahd, alagimeinida - Allgemeinheit oder Gemeinheit. Zuerst wurde das Ackerland zur privaten Sondernutzung aufgeteilt. In gemeinsamer Nutzung blieben vor allem die 6 W, Wald, Weide, Wild, Wasser, Weg und Wüstung. Die Allmende wurde später aus dem Besitz der Bauernschaften in das Eigentum der Zivilgemeinde überführt. Das Foto zeigt die Röcklinger Allmende, die gemeinsame Nutzung der Siegwiesen um das Jahr 1929. Sie wurde 1961 aufgelöst. 

Über Herkunft, Sinn und Geschichte des Röcklinger Allmende berichtet uns ein Urteilsspruch des Oberlandesgerichtes Köln, der am 9. Dezember 1903 wie folgt verkündet wurde:
"Es handelt sich hier um ein eigenartiges Gebilde des deutschen Rechtslebens, um einen Rest der alten Marktgemeinde, deren ursprünglich vereinte, teils kommunale, teils wirtschaftsgenossenschaftliche Natur sich im Laufe der Zeit allenthalben nach diesen beiden Seiten mehr oder weniger abgeschieden hat.
Das Allmendgut, das ursprünglich zugleich den einheitlichen Gemeindebedürfnissen und den gleichmäßigen Bedürfnissen der Stellgenossen diente, verwandelte sich je nach den örtlichen Verhältnissen teils in reines Gemeindevermögen, an dem allen Mitgliedern die öffentliche Nutzung zusteht, teils in Gemeindevermögen, an dem eine bestimmte Klasse der Gemeindemitglieder die Nutzungsbefugnisse als privates Sonderrecht bewahrt hat, während vereinzelt da, wo das Nutzungsrecht, abgesehen von der Gemeindemitgliederschaft, an besondere persönliche Tatbestände, z.B. den Besitz bestimmter Güter geknüft war, die wirtschaftsgenossenschaftliche Seite die Oberhand gewann und sich das der Nutzung unterliegende Grundvermögen als ein engeres, von dem politischen Gemeindevermögen getrenntes Vermögen des Sonderverbands, der sogenannten 'Realgemeinde' oder Privatgemeinde abschied (Juristendeutsch). 
Mit einer solchen Privatgemeinde haben wir es hier zu tun. Die Nutzung des Nachbarschaftsvermögens ist kein Recht aller Einwohner der  Ortsgemeinde Röcklingen, kein Ausfluss der Ortsgemeinde Mitgliederschaft als solcher, sondern nur ein Recht derjenigen, die in der Ortsgemeinde Röcklingen Haus und Feuerstätte besitzen.
Nur sie sind 'Vollgenossen', während die Zugehörigen des Hausstandes die Nutzung nur mittelbar und vergünstigter Weise als 'Schutzgenossen' genießen. 
Im gleichen Schriftstück steht, daß schon um 1750 eine Nachbarschaft Röcklingen bestanden hat, die durch selbstgewählte Deputierte aus ihrer Mitte verwaltet wurde. Das erste Gebilde, die "Markgemeinde" oder "Die Hohe Mark", von dem diese Entwicklung ausging, ist sicherlich schon vor dem Anfang des Mittelalters zu suchen.

Der Inhalt des vorstehenden Urteilsspruch  durch die Meldungen des Beigeordneten Kuchhäuser an den Bürgermeister Lenz in Herchen z.T. bestätigt. Er schreibt:
"Ich habe die diesjährigen Eicheln auf dem Werth kauft, aber es wollen sich etliche der Einwohner nicht an daß verkaufen stöhren und halten sich am lesen, so möchten Sie mir doch gefällichs mit diesem Boten mit schicken was ich zu thun habe oder welches Recht der Ankäufer hat. Röcklingen den 30. Sept. 1844 Kuchhäuser".

In einem weiteren Schreiben heißt es:
1800 vier und vierzig den 19ten Dezember des Morgens um 7 Uhr gingen die beiten M.F. und G.H. zu Röcklingen langs den siegufer herunter über die Gemeinde in den Wald, weil mir bekannt war das die beiten dem frevel geneigt waren so ging ich auf die Stelle wo ich glaubte da sie gewesen wären da fand ich eine gute halbe Karre gemischtes Eichen, Buchen, Birken Holz auf dem Hauf Nr. 28 friesch gehauen, darauf liegen, auf der Stelle wo das Holz lag ist den 10. d. M. unter die Beerbten der Gemarke 54 Heüfe Birken verloß worden. Als ich sah daß das Holz gefrevelt war ging ich gleich nach dem Gerichtsschütz Herrn J. und machte ihm die Anzeige.


In einem  Brief "An Herrn Bürgermeister Lenz Wohlgeboren zu Herchen" heißt es:
"Euer Wohlgeboren erwidere ich auf den Antrag in dem Berichte vom 23. v. Mts. Nr. 1469 daß ich nichts dagegen zu erinnern finde, wenn durch die letzte Überschwemmung entwurzelten und ausgetriebenen Eichen im Röcklinger Gemeinde Walde, im Werth von 7 Thl. zur Anfertigung von 4 neuen Thoren um die Einfriedung von Röcklingen verwendet werden. Allner, den 31. May 1845. Der Landrath, Der Kreisdirektor, In fidem gez. Müller

Aus dieser Zeit scheint das bekannte Zitat vom "Gesamtgut ist verdammt Gut!" zu stammen.

Röcklingen nahm bei den Nachbarschaftsvermögen in unserem Heimatraum eine Sonderstellung ein. Es waren 49 Grundstücke - Wiesen, Äcker, Holzungen und Weiden - in der Größe von 18 Hektar, 81 Ar und 78 qm in Allgemeinbesitz der Ortseingesessenen. Zum größten Teil diente die Allmende als gemeinsame Viehweide, auf der sich die schwarzbunte Rinderherde tummelte, die dem Ort bis zum Jahre 1961 - ihrer Aufhebung - immer einen so eigenartigen Reiz verlieh. 

 

Die Haubergswirtschaft, die Mark der Beerbten der Dattenfelder Gemarken



Autor: Karl L. Raab

Quellenverzeichnis

 

 

Schladern, das Mekka der Zigeuner und der Bärentreiber

Einleitung:

In diesen persönlichen Erinnerungen soll auf keinen Fall ein rassistischer, religiöser oder ethnisches Werturteil über eine Volksgruppe abgegeben werden, sondern es war lediglich daran gedacht, die volkskundlich wertvollen Aufzeichnungen eines der letzten Zeitzeugen vor dem völligen Vergessenswerden zu bewahren, zumal die hier geschilderte Art einstigen Zigeunerlebens nicht zurückkehren wird. Während in den 20er Jahren höchstens  "2PS" ihren primitiven Wohnwagen zogen, sollen es heute 150 und mehr Pferdestärken, die sich in großen Autos mit modernen gummibereiften Wohnwagen als Anhänger verbergen. 
Das frühere Zigeunerleben mit seiner Romantik ist zwar für immer dahin, doch ihr Nomadendasein wird nach wie vor von Feindschaft und Verfolgung der jeweiligen Obrigkeit geprägt. Die Frage, ob es jemals gelingt, dieses ruhelose Volk in irgendeinem Land Europas anzusiedeln und seßhaft zu machen, wird wohl noch lange unbeantwortet bleiben.



Zigeunerlager an der Siegbrücke um 1930 in Rosbach. Die gebündelten Weideruten (links) deuten auf Korbflechter.



 Wanderwege der fahrenden Völker 


Die Zigeuner lagern wieder im Krummauel. Wer waren sie? Woher kamen sie? Ihr geschichtlicher Wanderweg ist lang, dornenreich und voller Antipathie, Unduldsamkeit und Vorurteile seitens der seßhaften Bevölkerung. Die Spuren sind nur gering und sporadisch, die sie bei ihrem Vagabundendasein hinterließen. So verschieden die Länder, die sie durchzogen und in denen sie kurzfristig lebten, so unterschiedlich sind auch ihre Namen: Ägypter, Lalleri, Nur, Karaki, Zangi, Kauli, Bohemien, Roma, Sinti und Zigeuner bei uns in Deutschland.

Weil nun das, was andere über sie aufgezeichnet und festgehalten haben nur sehr spärlich ist, soll in diesem Aufsatz von einem der letzten Zeitzeugen der Versuch gemacht werden, in letzter Sekunde noch einen kleinen Baustein aus der Blütezeit des Schladerner Zigeunerlebens in das bunte, jedoch lückenhafte Mosaikbild dieses Romantik und Geheimnissen umwitterten Nomadenvolkes einzufügen.

Mit dieser lokalen Rückschau aus den 20er Jahren verbinden sich sogleich Begriffe wie: Romantik, Zigeunermusik, rassige Frauen, hübsche schwarz-braune Kinder, Wohnwagenidylle, flackernde Lagerfeuer, drahtige Männer und Wahrsagerinnen. Aber auch der Glaube an ihre negativen Eigenschaften war bis heute nicht auszurotten. Als Bettler, Hausierer, Pferde oder Teppichhändler. Schon vor mehr als 150 Jahren schrieb das "Waldbröhler Kreisblatt im Jahre 1886 u.a. "Eine Zigeunerhorde, so zahlreich, wie man sie nur selten antrifft - eine Karawane, die 260 Köpfe, 41 Pferde und 31 Wagen zählt - macht sich gegenwärtig von Frankfurt a. M. nach Limburg alle auf dem Wege liegenden nassauischen Ortschaften unsicher. Bis zum Jahre 1933 brachten (nicht nur) hiesige Zeitungen immer wieder solche oder ähnliche Berichte, die oft übertrieben und dem Zweck entsprechend (Sensationslust) eingefärbt waren.

In jenen Tagen und Nächten herrschte im ganzen Dorf eine prickelnde, explosive Stimmung, eine ganz andersartige Atmosphäre, die sich besonders in der Kindlichen Fantasie widerspiegelte, sie bis in die nächtlichen Träume verfolgte. Nach Ablauf der polizeilichen Aufenthaltsgenehmigungen zogen sie weiter, um einer erneut nähernden Karawane Platz zu machen. 


Eine Zigeunersippe rastet um 1928/29 an der Straße zwischen Leuscheid und Weyerbusch


Der Schladerner Lagerplatz war bei allen nomadisierenden Fremdlingen bekannt und beliebt. Ob ihn nun Kesselflicker, Korbmacher, Landstreicher, Scherenschleifer, Bärentreiber, Zigeuner oder sogar Pulverfahrer aufsuchten, die mit ihrer gefährlichen Fracht nach Russland unterwegs waren. Sie machten hier nur eine nächtliche Rast, wobei ein zuverlässiger Ortsbewohner (Nichtraucher) für ein paar Groschen Entlohnung die Nachtwache hielt. Der Rastplatz hatte eine günstige Verkehrslage und war idyllisch am Schloßberg im Krummauel gelegen. Dort, wo der ehemalige Eselsweg zur Burgruine hinaufführte. Dieses unter mächtigen dunklen Fichten im Schatten der alten Windecker Burgfeste gelegene Lagerplatz machte stets einen unheimlichen Eindruck, besonders wenn im einstigen heute versumpften Siegbett bei Einbruch der Dunkelheit die erste Irrlichter tanzten und der schaurige Ruf einer Eule aus der Ferne zu hören war. Der Boden die  kleinen Waldfläche war mit einem dicken Polster abfallender Fichtennadeln bedeckt, die einen lautlosen Gang sowie eine weiche Lagerstatt ermöglichten.
Nahte wieder einmal von Dattenfeld kommend eine neue Gruppe von Landfahrern, so konnte man das schon in der Ferne Peitschenknall, Hufgetrappel,  Hundegebell sowie das Geräusch ratternder Räder vernehmen.  Motorfahrzeuge kannte man kaum ud die Landstraße war noch holprig - da nicht geteert. Die Wegeränder waren mit dicken Apfelbäumen gesumt, wobei die Schafsnasen (Tulpenäpfel) und Schlotteräpfel überwogen. Kurz darauf schwenkten auch schon die mageren Pferde mit den primitiven Planwagen zum Lagerplatz ein. Die armseligen Fahrzeuge deuteten darauf hin, daß diese Neuankömmlinge zum ersten Mal unseren Ort aufsuchten, um später mit einem neugebauten Wohnwagen aus der Werkstatt Wihelm Klüser den Ort wieder zu verlassen. Während der Bauzeit von etwa 3-4 Wochen durften sie mit einer Sondergenehmigung hier liegen bleiben. Nach ihrer nkunft wurden die Pferde sogleich mit langen Stricken zum Grasen an die Straßenbäume gebunden, die wild kläffende Hundemeute losgelassen und die Kinder zum Betteln ins Dorf geschickt,  während die Frauen umgehend nach ihrer Ankunft zum Hausieren und zum Wahrsagen ausschwärmten.

Der große Familienclan lebte streng nach eigenen Ritten und Gesetzen, wobei damals auch noch ein Geheimcode eine gewisse Rolle spielte, der aber durch verschiedene Veröffentlichungen bekannt war. Diese geheimnisvollen Zeichen oder Zinken waren damals auch in unseren Oren an manchen Türrahmen und Scheunentoren zu finden. Die folgende Zusammenstellung von M. Krausnick gibt über ihre Bedeutung nähere Auskunft:


Zeichensprache der Zigeuner


Die Wahrsagerinnen und Kartenlegerinnen war aufgrund der von ihen Vorgängerinnen hinterlassenen Geheim- und Zinkenzeichen sogleich über die Hausbewohner und ihr Umfeld informiert. So liefen  die Zigeunerweiber mit ihren Kindern stets barfuß von Haus zu Haus, von Ort zu Ort, um mit der Dummheit und Treuherzigkeit der Bewohner ihr Geschäft zu machen. Die Barfüßigkeit fiel bei den knöchellangen dunklen Röcken - deren sie oft mehrere überaneinander trugen - gar nicht auf. Diese waren mit weitem und tiefen Sacktaschen versehen, in denen sich ihr "einnehmendes Wesen" gut verbergen ließ. Sie waren der Grund, weshalb sie ihre Magierkünste stets vor der Haustüre - im Hof vorführen mußten. Während die Frauen ihre lohnenden Künste feilboten, besuchten die Männer umgehend ihren Schreinermeister und Wagenbauer Wilhelm Klüser,


Die Werkstatt von Schreinermeister Wilhelm Klüser in Schladern, hier mit Vollbart

 


Schreinermeister Wilhelm Klüser aus Schladern,

der durch seinen patriarschischen Vollbart und seine langjährige Erfahrungen im Zigeunerwagenbau auch für sie eine gewisse Respektperson darstellte. Die Anzahl der fahrbaren Behausungen, die der Meister Klüser in seinem langen Leben für seine braunen Geschäftsfreunde gebaut hat, ist nicht mehr zu ermitteln. Sie trugen seinen Namen in alle Länder Europas, so daß er bei ihnen einen Bekanntheitsgrad erreichte, der seinesgleichen suchte. Schon bald wurde das Dorf Schladern zu einem internationalen "Zigeuner-Wallfahrtsort", zu einem Bau und Umschlagplatz für ihre Wohnwagen. Wenn auch die Männer dem üblichen Pferdehandel nachgingen oder im Wirtshaus saßen, kontrollierten sie aber auch fast täglich den Fortschritt ihres Auftrages, damit auch ihre Sonderwünsche berücksichtigt wurden. Viele fleißige Handwerkerhände bauten an diesen kunstvollen Wohnwagen, wovon ein jeder zu einem Schmuckstück der Landstraße wurde. Auf hohen Rädern ruhend waren die Wagen sehr stabil aus naturfarbigem dick gefirnißtem Eichenholz gearbeitet. Die einzelnen schmalen Bretter wurden nur mit Messingschrauben befestigt, um der Rostgefahr vorzubeugen. Das gewölbte Dach erhielt einen wetterfesten Anstrich, die kleinen Seitenfenster  sogar zierliche Blumenkästen. Hinter den Pferden befand sich meist eine breite Doppeltür, die in Ruhezeiten zur einer Veranda umgestaltet werden konnte.  Wegen der geringen Werkstatthöhe wurde die Wagen draussen im Freien auf ihr Fahrgestell montiert. Man hat nie gehört, dass der alte Meister Klüser nicht zu seinem Lohn gekommen wäre, im Gegenteil: immer wieder vermittelten die zufriedenen  Kunden neue Interessen., so daß viele Jahre lang sich ein florierender Zigeunerwagenbau in Schladern abwickelte.


Ein Zigeunerlager 1950 im stillgelegten Steinbruch zwischen Schladern und Dattenfeld. Ihr alter Lagerplatz im Krummauel war inzwischen ein Opfer der landwirtschaftlichen Entwicklung geworden.


Bei ihrer Abreise führte der Weg vieler Landfahrer über Beuel, zu ihrem bekannten Zigeunerfriedhof, wo mancher große "Primas" ihrer Sippen begraben liegt.Sie konnten also ganz in der Nähe auch ihre Ahnenkult pflegen. Ausdruck ihrer Lebenskraft, Religiösität, Geisteshaltung und Mentalität waren und sind auch ihre Sprichwörter und Redensarten, die an Realitätssinn, Treffsicherheit, Musikalität, Lebensweisheit, Deftigkeit, Wahrhaftigkeit, Humor und Andersartigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Einige mögen hier folgen, die von Wlislocki und Wittlich gesammelt wurden:

Gott sieht alles - doch er sagt es niemand.
Zwei Augen zum Sehen, zwei Ohren zum Hören und einen Mund zum Schweigen.
Ein Hund, der bellt, beißt nicht.
Wer ausgespuckt hat, soll es nicht wieder auflecken.
Der Haß ist eine Schwindsucht der Seele.
Die Liebe ist der Zahnarzt der Seele.
Bettelei und Liebe sind das Beste im Leben.
Beten macht nicht satt.
Der alten Frau einen Rosenkranz, der jungen einen Mann.
Ein totes Roß sattelt, wer eine alte Frau küßt.
Der Mund eines schönen Mädchens ist die Glocke des Teufels.
Wer Gift kocht, muß als erster kosten.
Ein Ehepaar ohne Kinder ist wie eine Schmiede ohne Hammer.
Eine Rose als Mädchen, die Dornen als Frau.
Eine Wirtschaft ohne Frau ist eine Geige ohne Saiten.
Das Gebrüll eines Esels versteht nur ein Esel.
Nur im Spiegel sieht jedermann seinen Freund.



Dieses Portrait eines Zigeuner-Ehepaares aus dem Jahr 1950 dürfte eine Rarität sein, denn um ihr Vertrauen zu gewinnen, waren tagelange Gespräche, viel Takt und Fingerspitzengefühl erforderlich.



Hier ißt aus der Pfanne ein Teil der Familie Spiegeleier mit Speck



Für die Kinder, deren Schulweg täglich an dieser Werkstatt vorbeiführte, war es nicht so  einfach, sich von dem sie fesselnden Treiben wieder abrupt trennen zu müssen. Bedingt durch einen längeren Zwangsaufenthalt bei der Schreinerei Klüser bahnte sich schon bald zwischen den verschiedenfarbigen Kindern eine gewisse Freundschaft an. Die Kontaktfreudigkeit der Dorfkinder erlaubten ihnen ab und zu die abendlichen Lagerfeuern. Die Erwachsenen blieben von dieser  Gunst  ausgeschlossen. Tagsüber streunte ein Teil der Sippe durch die Dörfer, um ihrem typischen Tageswerk nachzugehen. Man bestritt seinen Broterwerb hauptsächlich durch Hausieren, Wahrsagen, Kartenlegen, Pferdehandel, Betteln, Musizieren und falls sich eine Gelegenheit ergab, auch schon mal durch Mundraub. Wenn die Dämmerung aus den hohen Fichten fiel, kehrten sie stets erfolgreich aus allen Himmelsrichtungen in ihr Lager zurück, wo sie von einer zerlumpten und halbnackten Kinderschar in freudiger Erwartung begrüßt wurden. Die zotteligen, halbwilden Bastardhunde umkreisten schon knurrend den Sammelplatz und bildeten eine abweisende Bannmeile. Der zahnlose Sippenälteste saß meist rauchend als Brandwache am glimmenden Lagerfeuer, da es nicht ausufern oder auch nicht ausgehen durfte. Über der  Aschenglut hing  an einer Kette der schwarze Kochkessel an einem aus kräftigen Haselnußstecken gefertigten Dreibeinbock. Die barfüßigen Kinder schleppten nun emsig neues Brennmaterial herbei, um das Feuer mit weiterer Nahrung zu versorgen. Schon bald loderten aus dem prasselnden Feuer erneut die Flammen, um den Kessel züngelnd zu erwärmen. Die Alte kochte nun das Lieblingsgericht der Zigeuner, da die Igel für sie eine Delikatesse darstellten. Oft hingen sie abgezogen und an den Hinterbeinen wie Ratten auf einer Schnur, die zwischen Bäumen befestigt war. Im Herbst, wenn sie genügend Fett angesetzt hatten, sollen sie am besten geschmeckt haben. Die Kunst, diese nützlichen Insektenvertilger im Gelände aufzustöbern, verrieten die jungen Burschen keinem Außenstehenden. Im Laufe des Abends breitete sich der beißende Qualm harzigen Fichtenzweige, angereichert durch die würzigen Düfte von gebratenem Zwiebel, rotem Paprika, grünen Tomaten, sauren Gurken, Knoblauch und Thymian wie ein Nebelschleier übr dem ganzen Lager aus.
Doch eines Morgens herrschten schon früh rege Betriebsamkeit, große Unruhe und Nervosität im Lager, weil schon am Nachmittag der Austausch der alten primitiven Planwagen gegen die neuen Wohnwagen der Schreinerei Wilhelm  Klüser bevorstand. Seine Enkelkinder durften dann nocheinmal schnell hineinklettern, um sich auch noch an den eingebauten Miniaturmöbeln, die einen Puppeneindruck hinterließen, zu erfreuen. Das halbe Dorf nahm stets an diesem Tag für beide Teile so erfreulichen Ereignis Anteil. Zum Abschied am nächsten Morgen, beim hastigen Aufbruch vor Sonnenaufgang, der meist unter Polizeiaufsicht stattfand, formierte sich das aufgescheuchte Nachtlager unter Weibergekreich, Kindergejammer und Räderquietschen, bei Hundegekläff, Pferdegewieher und Kettengerassel sowie Peitschenknall und unter lauten Kommandorufe der Männer zu einer Karawane, die ohne Ziel, jedoch in Richtung Präsidentenbrücke eilig abzog. Dieses lärmende Schauspiel wiederholte sich viele Jahre lang, jedoch immer wieder mit anderen Zigeunerfamilien und Sippen. In den Ohren der aufatmenden Schladerner Dorfbewohner klang diese "Begleitmusik"alljährlich noch lange nach. Was blieb, war der runde schwarze Brandfleck des erloschenen Lagerfeuers, ähnlich dem eines verlassenen Kohlemeilers - Relikte aus romantischen, doch längst versunkenen Tagen.

 

Die Bärentreiber in Schladern


Der Treiber mit Knappsack und rasselndem Tamborin, der Braunbär mit Maulkorb und klirrender Kette gehörten alljährlich zur Sommerzeit zum dörflichen Straßenbild.

Der sonst übliche Lebensweg eines Bärenkindes, als ein in unbegrenzter Freiheit geborener Herrscher über endlos rauschende Wälder und eine zerklüftete Bergwelt, als mächtiger König im urigen Reich der finstersten Karpatenwildnis wurde in jener Nacht jäh unterbrochen, sollte für ihn zu einem qualvollen Kreuzweg werden. So wurde er nach kaum genossener Freiheit auf verhängnisvolle Weise zum Untertan seiner größten Feinde, zum geknechneten Diener gnadenloser Menschen degradiert. Ihre Profitgier führte dazu, daß er nach Wochen auf einem siebenbürgischen Jahrmarkt in die Hände eines Pferdehändlers fiel, der ihn wiederum an seinen endgültigen Herrn und Gebieter in der Gestalt eines Bärentreibers verschacherte. Nunmehr begann für den inzwischen zum "Meister Petz" erwachsenen Jungbären ein Teufelskreis, ein Leidensweg, der ihn viele sommerlang bei Wind und Wetter durch fast ganz Europa führen sollte.  So kam er mit seinem Treiber, der nicht selten auch ein Schinder war, alljährlich in der Sommerzeit als fremdländisch-orientalisch wirkendes Bettlerpaar auch in unsere Heimat, ins heutige "Windecker Ländchen". Eines Tages, an einem schwülen Augusttag in den 20er Jahren machte wieder einmal auch in Schladern das Gerücht die Runde, daß ein Bärentreiber im Anmarsch sei. Bei jung und alt mischten sich dann gewöhnlich frohe Erwartung, Neugier, Mißtrauen, Ärger, Freude, Staunen, Angst und Mitleid zu der Mixtur der Gefühle, die bei manchen Schaulustigen sich in einer Gänsehaut äußerte. Der zerlumpte Treiber trug einen kräftigen Wanderstab, einen breitrandigen verdreckten Schlapphut sowie über Schulter und Rücken den an einem Hanfseil befestigten Füttersack, der die wengigen Habseligkeiten seines Trägers; die milden Gaben für ihn und seinen Weggefährten enthielt. Den oft hundemüden Bären führte er an einer Kette, deren leises Klirren sich mit dem monotomen Gerassel des üblichen Tamborins zu einer blechernen Melodie paarte, die alles andere als das Prädikat Tanzmusik verdiente. Die jeweils kurzen und plumpen Tanzszenen des mit einem Maulkorb versehenen Raubtieres machten besonders auf die Kinder einen exotischen und furchterregenden Eindruck, den sie nie mehr vergessen werden.
Das allabendliche Ergebnis dieser Folterqualen waren die blutigen Verletzungen der weichen Sohlen des Tanzbären. Bei schlechtem Wetter versuchte gegen Abend der Treiber für sich und seinen Gesellen bei einem der örtlichen Bauern ein Nachtquartier zu finden. In Schladern war das immer - je nachdem von welcher Seite man sich dem Ort näherte - der erste oder letzte Hof am Ein- oder Ausgang des Dorfes - die Scheune von K.B. im Krummauel. Bei ihm war es üblich, daß der Bärenführer sein Feuer und seine Scheune und seine Schuhe beim Betreten in der Scheune aus Sicherheitsgründen abliefern mußten.Der mißtrauische Bauer nahm die zerfetzten und wertlosen Schuhe nur vorsichtshalber in Verwahrung, damit der ausländische Gast nicht in aller Frühe unkontrolliert durch die Lappen ging.



Diese Bärentreiberin war in den 20er Jahren allgemein als "Türken-Anna" bekannt. Auch sie tauchte regelmäßig viele Jahre lang, ähnlich wie die Saisonarbeiter (Ziegelbäcker, Pflasterer) in hiesiger Gegend zur Belustigung der Kinder immer wieder auf.

 

Im Jahre 1933 sollte jedoch noch einmal ein "brauner Bär" aus dem Osten (Braunau a. Inn) bei uns auftauchen, um ganzen Völkerschaften eine Kette und einen Maulkorb anzulegen, wodurch sie alle nach seinem Sirenenklängen tanzen mußten. Es wurde ein Tanz auf dem Vulkan, der für unzählige Menschen zum Totentanz wurde.







Quellenverzeichnis:

Autor:  Emil Hundhausen, Schladern - einst "Mekka" der Zigeuner, Gestern und Heute

Autor des Textes: Karl L. Raab

Schladern, letzte Feldpost an die Mutter bis heute erhalten, von Quintino Caminneci

update: 12.06.2025


Letzte Feldpost an die Mutter bis heute erhalten

 

Vor einhundert Jahren fiel Quintino Caminneci von Schloss Windeck im Ersten Weltkrieg

 

Ein mehr als einhundert Jahre altes Foto zeigt den blutjungen Quintino Caminneci mit Pickelhaube in der Uniform des Kürassier-Regiments „Graf Gessler“ (Rheinisches) Nr. 8. Der junge Mann war der jüngste der fünf Söhne der damaligen Eigentümer von Schloss Windeck in Altwindeck.

Im Jahr 1910 hatte er eigens die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, um diesem Regiment beitreten zu können. Seine deutsche Mutter Arnoldine hatte bei der Heirat mit dem italienischen Bankierssohn Andrea Caminneci aus Palermo die italienische Staatsbürgerschaft angenommen. Sie war Tochter und Erbin des ehemaligen Landrats des Kreises Waldbröl, Oscar Danzier, der 1859 das Schloss als Sommersitz erbaut hatte. Fünf Jahre nach Quintinos Eintritt bei den Deutzer Kürassieren erhielt die Familie Caminneci die Nachricht, dass der 24-jährige als Leutnant und Kompagnieführer am 23. Mai 1915 in der Lorettoschlacht an der Westfront in Frankreich für sein Vaterland auf dem „Feld der Ehre“ gefallen war. Ein Schicksal, das damals unzählige Familien teilten.

So wie Quintino Caminneci zogen die meisten deutschen jungen Männer 1914 in den Ersten Weltkrieg. Am 23. Mai 1915 fiel der Leutnant im Kürassier-Regiments „Graf Gessler“ Nr. 8 und Compagnieführer in einem Infanterie Regiment als Träger des Eisernen Kreuzes. Foto: Familienarchiv Caminneci

Im Familienbesitz seiner Nichte Vera Lwowski, geborene Caminneci, gibt es einige Erinnerungsstücke an den früh Gefallenen. Besonders anrührend ist der letzte Feldpostbrief, den der junge Mann zwei Tage vor seinem Tod „An meine liebe Mama“ geschrieben hatte. Der Brief erreichte die Mutter nach seinem Tod. Aus den wenigen Worten, die Arnoldine Caminneci auf das Kuvert schrieb, an dem bis heute das schwarz-weiße Band seines „Eisernen Kreuzes“ heftet, lässt sich ihr Schmerz ablesen. „Letzter Brief von meinem Tino“. Außerdem verfügte sie 1934, was mit dem Brief geschehen soll: „Bitte diesen Brief in meinen Sarg zu legen“. Diesen Wunsch änderte sie, als Schloss Windeck Ostern 1945 von amerikanischen Phosphorbomben in Brand gesetzt worden war. Mit schwarzer Tinte hielt sie fest „Verwahrt diesen Brief als Heiligtum“. Bis heute hat die Nichte dem Wunsch entsprochen.

Einen Tag vor Deutschlands Kriegserklärung an Serbien im Jahr 1914 hatte Quintino noch an die Eltern geschrieben „Ich gehe freudig in den Krieg und hoffe nun meine Pflicht getan zu haben.“ Zu dieser Begeisterung mag der persönliche Kontakt zu Kronprinz Wilhelm von Preußen beigetragen haben, der am Bonner Wohnsitz der Caminnecis in der Wörthstraße direkter Nachbar und gern gesehener Gast auf Schloss Windeck war. Erhalten ist ein Geschenk des Kronprinzen an Quintino, ein Aschenbecher mit der Widmung „Tino Weihnachten 1913“.

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges erinnerte das Bronze-Relief an einer Burgmauer der Windecker Ruine an den jüngsten Sohn der Familie Caminneci. Foto: Familienarchiv Caminneci

Aktuell ist ein Bronzerelief des Quintino Caminneci in der Deutzer Kürassier-Uniform unter dem Titel „Vom Abbild und Feindbild“ in der neuen Ausstellung „Achtung Preußen! Beziehungsstatus: Kompliziert – Köln 1815-2015“, bis Oktober im Kölnischen Stadtmuseum als Leihgabe zu sehen. Die Familie hatte nach seinem Tod den in Berlin tätigen bekannten Bildhauer Hermann Fuchs mit dem Entwurf des Porträtreliefs beauftragt. Die Ausführung der Bronze wurde an die bis heute berühmte Berliner Bronzegießerei Noack vergeben, die schon das monumentale Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor dem Berliner Schloss angefertigt hatte. An einer Mauer des Windecker Anwesens hing das Bronze-Konterfei dann dreißig Jahre lang auf einer Steinplatte als privates Erinnerungsstück, bis die vorrückende amerikanische Truppe es 1945 als ein Zeugnis für das Feindbild des preußischen Militarismus mit Bajonetthieben traktierte.

Heute ist nur noch die Inschrift in Stein gemeißelt zu erkennen. Foto: Familienarchiv Caminneci

Um es vor weiteren Einwirkungen zu schützen, ließ die Familie es damals abnehmen. Eine in Stein gemeißelte Unterschrift unter der Steinplatte ist bis heute erhalten. Zum einhundertsten Todestag besuchten Großneffe Harald Lwowski und dessen Sohn Konstantin den Ort und brachten dem Onkel einen Rosenstrauß vorbei.

 

Burg Dattenfeld

Burg und Schloss Windeck

Pulvermühle Elisenthal 

Haus Schladern

 

 

Quellenangabe:

Autor:in des Textes: Sylvia Schmidt
veröffentlicht in Infothek Windeck im Wandel, https://www.windeck-im-wandel.de
Verlag: Rhein-Sieg-Rundschau, Rhein-Sieg-Anzeiger
Fotos: Familienarchiv Vera Lwowski, geborene Caminneci 

Haus Schladern und Kloster Ehrenstein -1461-



 

Das Haus Schladern war ein Versorgungshof  für Kloster Ehrenstein für den Orden vom Heiligen Kreuz Huy, und wurde mit seinem Umland Krummauel von Mönchen bewirtschaftet. Eine entsprechende Urkunde  wird im Fürstlich-Wiedischen Archiv in Neuwied erwähnt, datiert auf den"Hof zu Slader"erstmalig datiert auf den 31. Okt. 1461. Die Urkunde weist den Verkauf des Hofs zu Slader von Johan von Lülstrop und Frau Alverat an Bertram von Nesselrode auf. Wie alt der Hof wirklich ist, ist nicht bekannt.  

Anm:  In mehrfachen Schenkungsurkunden des Hofes Schladern an das Kloster Ehrenstein von 1447 und 1448 taucht neben dem Hof zu Schladern mit Wohnhaus, Scheunen und Umland ein Bergfried auf.

 



Dieser Kapitell wurde 1964 in "Haus Schladern" 60 cm unter dem Kuhstall ausgegraben, nach einer Überlieferung scheint sich dort eine Klosterkapelle befunden zu haben.

 

 



Wappen von Kurtzrock zu Wellingbüttel

Durch die Säkularisation  kam er schließlich in den Besitz von Baron v. Kurtzrock zu Wellingsbüttel und ging 1921 an das Haus Caminneci.



Altes Wappen der Fam. Kamieniecki

 

Autor: Karl Ludwig Raab

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