©Karl Ludwig Raab

Die geographische Lage des Klosters Herchen brachte es naturgemäß mit sich, daß der Großteil seines Nachwuchses seiner näheren Umgebung, d. h. der Rhein- und Sieggegend sowie dem bergischen Lande entstammte. Die wenigen Namen, die uns noch erhalten sind, bestätigen unsere Annahme zur Genüge. Ebenso darf man es als sehr wahrscheinlich ansehen, daß unter den Klosterinsassen der niedere Adel prozentual sehr stark vertreten war. Allerdings läßt sich ein stiftungsgemäßer, adeliger Charakter des Klosters urkundlich nicht nachweisen. Es kann dies sehr gut der Fall gewesen sein; denn einerseits hätte es damaligen Zeitverhältnissen entsprochen, wie auch andererseits eine gewisse Tradition hierfür Zeugnis abzulegen scheint. Wie aus den Akten hervorgeht, hegte man wenigstens in den letzten Zeiten des Klosters die Ansicht, daß Herchen eine Stiftung vornehmlich für den Adel des Landes sei.

Ueber die Zahl der jeweiligen Bewohnerinnen des Klosters lassen sich namentlich während der ersten zwei Jahrhunderte nicht einmal annähernd genaue Angaben machen; das urkundliche Material schweigt sich hierüber völlig aus und gestattet darum in dieser Hinsicht keinen sicheren Schluß. Nur ein einziges Mal erfahren wir, daß in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert die Zahl der Konventualinnen derartig zugenommen habe, daß die Einkünfte des Klosters zu ihrem Unterhalt nicht mehr ausreichten und infolgedessen die Güter hierdurch gelitten hätten und in ihrer Ertragsfähigkeit zurückgegangen wären. Abt Wilhelm von Citeaux sah sich deshalb veranlaßt, den Abt von Heisterbach, als den Vaterabt von Herchen, im Jahre 1331 zu ersuchen, durch geeignete Maßnahmen und durch Regelung der Aufnahme neuer Novizinnen dem Uebelstande ein Ende zu bereiten). Oftmals rissen periodisch auftretende Epidemien wie der schwarze Tod in den Reihen der Nonnen große Lücken und forderten nicht geringe Opfer. Und als mit dem Abnehmen des Glaubenslebens in späterer Zeit auch der Zudrang von Kandidatinnen sichtlich nachgelassen hatte, mag wohl die Zahl der Klosterfrauen — die Laienschwestern rechnen wir hier nicht mit nicht viel mehr als zehn Personen umfaßt haben; eine Höhe, die wohl nicht jederzeit aber doch in der Regel durchschnittlich erreicht wurde. Leider fehlt ein Nekrologium oder Totenbuch, und die wenigen Urkunden, die sich aus dem allgemeinen Untergange in die Gegenwart herübergerettet haben, enthalten auch nur einen geringen Prozentsatz der jeweiligen Mitglieder des Konvents. Das erklärt sich zum Teil auch daraus, daß das zurückgezogene Leben, zu welchem die Klosterfrauen verpflichte waren, ihnen fast gar keine Gelegenheit bot, an die große Oeffentlichkeit zu treten und ihren Namen dokumentarisch niederzulegen. So kennen wir von den Laienschwestern keinen einzigen Namen und von den Nonnen können ebenfalls nur neunzehn angeführt werden. Bedauerlicherweise ist es uns unmöglich gemacht, die Liste der Aebtissinnen lückenlos wiederzugeben und ihre Reihenfolge urkundlich nachzuweisen.

Bekanntlich begegnen wir während der ersten Jahrhunderte des Bestehens des Zisterzienserordens bei den Frauenkonventen Priestermönchen und Konversen, die in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zur Aebtissin standen und auf die betreffenden Klöster die Gelübde ablegten. Deren Anzahl war naturgemäß eine nur beschränkte. Die Priestermönche, Prioren oder Kapellanen betitelt, übten die Seelsorge bei den Klosterfrauen aus und hielten den Gotttesdienst ab. Die Laienbrüder versahen das Amt der Schaffner und Verwalter der Klostergüter und vertraten vielmals die weltlichen Interessen. Von ersteren läßt sich keiner mehr mit Namen ausfindig machen, während von den Konversen im ganzen drei fest- gestellt werden können. Wie überall im Orden, so verschwand auch in Herchen im Verlaufe der Zeit dieses Institut, und der Abt von Heisterbach bzw. der von Marienstatt bestimmte hierfür eigene Priestermönche, die dem Heisterbacher, bzw. Marien- statter Konvente entnommen und jederzeit zurückberufen wer­den konnten. Als im 16. Jahrhundert Marienstatt unter großem Personalmangel litt, beorderte der Abt nur zu gewissen Zeiten wie an höheren Festtagen einen Mönch zur Feier des Gottesdienstes nach Herchen, der nach kurzem Aufenthalte in sein Profeßkloster zurückkehrte. Auch von diesen sind Namen nirgendwo zu ermitteln.


Unter den Meisterinnen (Äbtissinnen) finden wir Namen der 
benachbarten bergischen und Westerwälder Landesadels:

I.  Aebtissinnen

Sophia.
1269 Oktober 11. — Als die erste uns dem Namen nach bekannte Aebtissin erscheint Sophia, die unter dem angeführten Datum einen Güteraustausch mit dem Deutschordenshause St. Katharina zu Köln bestätigt.

H . . . .
1301 August 14. — An diesem Tage üebrnimmt die Aebtissin H(adewigis?) eine Schenkung, deren Erträgnisse drei bestimmten Konventualinnen nach dem Tode der Geberinnen auf Lebenszeit verabreicht werden sollen. Mitsiegler ist der Vaterabt Konrad von Heisterbach.

Jutta.
1327 März 16 und Mai 23. — Im ersten Falle beurkundet Jutta eine Vergabung des Bonner Kanonikus Johannes von Prys an Herchen und im zweiten einen Vertrag, Klostergut in Rheindorf betreffend. Beide Male siegelt Abt Diether von Heisterbach

Sophia.
1332 Dezember 22 und 1335 Mai 12. — Das erstemal handelte es sich um die Dotierung eines Altars der Kölner Deutschordenskommende durch die Herchener Nonne Christina, die auch Abt Anselm von Heisterbach genehmigte, und unter dem weiteren 12. Mai 1335 beurkundete Sophia eine Verleimung von Klosterbesitz zu Hedesdorf.

Sophia von Köln.
1359 April 17. — Ob mit der vorigen identisch? lange Regierungszeit! — Sophia von Köln, Sieglerin einer Urkunde Pazas von Halle, Nonne in Herchen, zugunsten des Konversen Tilmann.

Jutta von Windeck.
1364 September 28. — Ebenfalls Sieglerin einer Urkunde der Paza von Halle zugunsten des genannten Laienbruders Tilmann.

Sapientia (?) von Opladen.
1373 Juni 16. — Penzil von Uplayden verlehnt einen Acker zu Eitorf an Gertrud von Eitorf um einen Busch zu Richardshohn, den diese dem Kloster geschenkt hatte.

Margareta von Heyden.
1381 November 11. —Aebtissin Grete van der Heyden kauft einen jährlichen Zins von 6 Pfund Oel von Tilmann „Woeste Lutz sun van Herchingen“ und dessen Hausfrau Mathilde, die zum Pfände ihren Hof zu Uebersehn und einen halben Morgen Ackerlandes, „in dem Winkel“ gelegen, setzten.

Mechtild von Immenhausen.
1426 März 20 und 1427 Mai 20. — Aebtissin Mechthild und Konvent vergeben den Hof Ungarten in Erbpacht, und mit dem zweiten Datum bekunden die Vilicher Schöffen Johann Wolff von Rheindorf, Franck von Geislar und Heinrich Thewald in Gemeinschaft mit anderen Schöffen, daß „der Eirwirdiger vrauwe Meckelen van Ymmehuysen Abdißa ind den Jonfferen gemeynlichen Cloisters ind Convents zo Herchgingen“ von gewissen Ländereien zu Schwarz-Rheindorf 3 Malter Roggen erblichen Grundzinses zustehe.

Agnes.
1475 Juni 28. — Eine Aebtissin dieses Namens wird in dem Visitationsabschluß des Abtes Friedrich von Marienstatt als derzeit regierend erwähnt.

Christina von Kobbenrodt.
1520. — Im Inventar vom Jahre 1581 wird ein Lehnzettel, betreffend den Neuenhof (datiert anno 1520), beginnend „Wir suster Christina van Coberait“, angeführt.

Jutta von Wederstein.
1551. — Jutta von Widerstein war eine ungetreue Sachverwalterin ihres Hauses, das sie nach anfänglich guter Amtsführung in späteren Jahren in große Schulden stürzte und dem sie im Mai des Jahres 1551, ihrer Verpflichtungen uneingedenk, als Fugitiva den Rücken kehrte. Im Juni dieses Jahres finden wir sie noch zu Attenbach. .

Lutgardis von Landsberg.
1551 bis 1557. — Am Montag nach St Jakobitag, 27. Juli 1551, wurde Lutgardis von Landßbergh oder Lantzburch an Stelle der von Wederstein zur Aebtissin erwählt. Ein Schreiben vom 17. März 1557 an Abt Petrus von Wenden von Marienstatt erzählt von ihren Sorgen und Mühen als Oberin von Herchen.

Johanna von Huene.
1566 Januar. — Am 22. Juli 1551 wird Johannette Hoen oder Huhn als Nonne angeführt. Sie war die Nachfolgerin Ludgardis von Landsberg. In einem Schreiben vom 14. Juli 1552 an den Abt Petrus Wenden von Marienstatt und die Aebtissin Lutgardis von Landsberg bittet die Aebtissin von Drolshagen. Maria von Vünfzahl, um Milde und Nachsicht für ihre Nichte Johannette Hoen, die sich, wie sie gehört habe, vergangen haben sollte. Ihr Fehltritt wird in dem Briefe nicht näher bezeichnet. Sie starb im Januar 1566.

Margareta von Driesch
1566 bis 1581. — Margareta von Dreysch oder Dreß ist die letzte in der Reihe der Aebtissinnen von Herchen. Johann von Katterbach, Landdinger des Amtes Blankenberg, ihr Neffe, und Ludwig von Driesch, ihr Bruder, begegnen uns verschiedentlich in den Akten. Als Nonne wird Margareta in der Urkunde vom 22. Juli 1551 erwähnt. Als Aebtissin urkundet sie, so weit bekannt, zum ersten Male am 5. Februar 1571 . Sie starb im September des Jahres 1581 an der Pest, die damals im Kloster Herchen herrschte.


II. Klosterfrauen.

Gertrud von Geistingen.
— 1276 und 1301 August 14. Eine Schwester von ihr, Paulina, war zur Zeit Priorin in dem nahegelegenen Zisterzienserinnenkloster Zissendorf. Sie war eine Tochter des Ritters Ludwig von Geistingen.

Hildegundis von Geistingen.
— 1276 und 1301 August 14. Eine Schwester der zuerst genannten Gertrud.

Greta von Andernach.
— 1301 August 14. Die Nichte der beiden vorigen Nonnen.

Sophia Unbescheiden.
— 1325 März 9. Tochter des Herchener Konversen Tilmann aus Grau-Rheindorf bei Bonn.

Aleydis. — 1327 März 16. Sie war eine nahe Verwandte des Bonner Kanonikus Johannes von Prys.

Beatrix von Halle.
— 1331 bis 1364. Tochter des Kölner Bürger Christian und Elisabeth von Halle. Vor ihrem Eintritt in Herchen war sie Deutschordensfrau. Ihrer Wohltätigkeit verdankte Herchen ansehnlichen Besitz und reiche Einkünfte.

Christina von Herchen.
—- 1332 Dezember 22. Von Nievenheim. Tochter des Heinrich und der Sibylla von Herchen; wohl eine Verwandte Pazas von Halle. Sie schenkte den Deutschordensherren zu Köln einen halben Mansus Ackerland bei Ueckerath zur Dotation eines Altares.

Margareta von Siegburg.
— 1334 Januar 13.

Hadewigis.
—- 1348 bis 1356; von Gerressen (?); eine Nichte der Paza von Halle.)

Hadewigis von Meynhoven.
— 1352 November 16. Tochter des Johannes von Meynhoven; vielleicht identisch mit der zuletzt Genannten.

Meyna
— 1366 Januar 7: von Grau-Rheindorf (?).

Clitztinc.
— 15. Jahrhundert, nicht näher bestimmt; ob eine aus dem Geschlechte von Klitzing?

Grete vom Imhausen.
—- 1453 Juli 1; als Küsterin erwähnt.

Mechtild von Striefen.
—- 1472 Oktober 16. Stryfen von Geislar.)

Katharina von Hungerhausen.
— 1551 Juni 21 und Juli 22. Katryn van Hoynnekessen oder Hungergkhawsen, Priorin.

Maria von Driesch.
— 1551 bis 1571. Zweifelsohne eine Schwester der Aebtissin Margareta von Driesch; 1571 Oktober 17 kommt sie als Kellnerin vor.

Margareta von Hachenburg.
— 1551 Juli 22.

Mechthilde von Bicken.
— 1551 Juli 22. Sie scheint ihrem Berufe im Jahre 1557 untreu geworden zu sein; denn die Aebtissin Lutgardis bemerkt in ihrem Briefe vom 17. März: „dat Eirmtrut Meyttelges suster he ys gewyst ind haid Meytteljen Bycken weder van den bayffen geholt ind na sych genomen“.

Dorothea Gref.
— 1571 Oktober 17. Küsterin

 

III. Konversen. (Bedienstete)

Heinrich Unbescheiden.
— 1325 März 9. Von Grau-Rheindorf; Vater der Nonne Sophia. 1327 (März 16) haben seine Söhne Johannes Unbescheiden und Hermann Voys Herchener Klostergut in Grau-Rheindorf in Pacht. Br. Heinrich wird zu dieser Zeit schon als verstorben vermerkt.

Tilmann genannt Van deinne Gemele.
— 1351 Oktober 23. Ebenfalls von Grau-Rheindorf, wo er dem Kloster Herchen Haus und Hof vermacht.

Tilmann.
— 1359 bis 1366. Ehedem Knecht der Paza von Halle, die ihm 1359 April 17 und 1364 September 28 verschiedene Weinrenten verschrieb. 1366 Januar 7: „bruder Telman eyn beweerer ind eyn vermunder des gotzhus von Hergynghen“.

 

Im Anschluß an die mitgeteilten Verzeichnisse der Konventmitglieder dürfte hier eine kurze Bemerkung über die Siegel des Klosters Herchen mit Recht einen Platz finden. Soweit es sich nach den noch vorhandenen Siegelabdrücken feststellen läßt, benutzten die Aebtissinnen der älteren Zeit ein solches, das ihr Bild (Ganzfigur in Kukulle, mit Stab und Buch) darstellte. Im 15. Jahrhundert ist zu Füßen des Bildes ein Wappenschild angebracht, das späterhin (16. Jahrhundert) die Figur ganz verdrängt. — Das Konventsiegel zeigt mit der im Zisterzienserorden üblichen Form (vor 1359 oval) die allerseeligste Jungfrau Maria, sitzend auf einem Throne und in der Linken einen Blütenzweig haltend, während ihre Rechte das Jesukind umfängt;


Umschrift: † S. CONVENTVS ’ DE ' HERCHINGIN.

 

Quellenverzeichnis