Die Tenkterer
Die germanischen Stämme an der Sieg
Das spätere Gebiet von Usipetern und Tenkterern auf der rechten Rheinseite erstreckte sich zwischen den Gebieten der Brukterer und Chatten. Die Tenkterer siedelten südlich bis zur Sieg, die Usipeter darüber hinaus bis zur unteren Lahn. ( etwa ab 450 v. Chr. La-Tene Zeit ).
Die kriminellen Taktiken eines Cäsar gegen Helvetien. Chronologie
Die Blockade des helvetischen Auszugs bei Genf - Cäsars Raubzüge gegen die Helvetier, in Germanien und England.
- 15. Cäsars Völkermord an den Germanenstämmen Usipetern und Tencterern
Germanische Vertriebene: Usipeter und Tencterer kommen über den Rhein nach Gallien
Korisios: "Im Frühjahr des Jahres ich Order, mich wieder Cäsars Legionen anzuschliessen. Sie waren unterwegs nach Norden.
Zwei germanische Völker, die Usipeter und die Tencterer, hatten den Rhenus überquert und waren [von anderen ermanischen Stämmen vertrieben worden und in Cäsars Gallien eingedrungen."Korisios: "Auf dem Marsch Richtung Norden ins Land der Eburonen marschierte er [Cäsar] mit seinen Soldaten nd teilte ihre karge Nahrung [...] beschwerliche Märsche [...]
Zu seinen Legionären entwickelte er auf dem Marsch ein beinahe kameradschaftliches Verhältnis. Sie vergötterten ihn. Er war einer von ihnen.
Und doch war er der grosse Julier, der von den Göttern abstammte [...] Er hatte Gallien unterworfen, ber Gallien hatte ihn verändert."
Germanische Gesandte erklären den Tarif
Korisios: "[...] kamen Gesandte von ihnen [...]: Die Germanen wollten keineswegs den Krieg gegen das römische Volk beginnen; würden sie aber angegriffen, so seien sie zum Kampf bereit."
Korisios: "Cäsar sagte, sie könnten nicht einfach fremdes Gebiet beanspruchen, weil sie ihr eigenes Gebiet nicht hatten verteidigen können.
Im übrigen gebe es im übervölkerten Gallien längst kein Land mehr, das man irgend jemandem zuweisen könne, ohne die Rechte eines andern zu verletzen."
Idee eines Kriegs gegen die Sueben [heute Südhessen] - Cäsar will nicht über den Rhenus.
Crassus: "Wieso führen wir nicht Krieg gegen die Sueben? Es sind immer wieder die Sueben, die diese ölkerwanderungen auslösen."
Cäsar: "Der Rhenus soll die natürliche Grenze sein, die im Osten da römische Reich von der arbarischen Wildnis trennt.
Wenn ich den Rhenus überschreite [...] dann muss ich, wie ein keltischer Druide mir einst prophezeite, bis ans Ende der Welt. Bis Rom an Rom grenzt." Wanda über die Sueben: ". Sie sind weder mutig noch tapfer, sie sind bloss zahlreich [...].
Jedes Jahr schicken sie Abertausende in den Krieg, einfach so, zum Plündern. Sie haben zu viele Leute.
Und wenn sie nach einem Jahr zurückkehren, stapeln sie die Beute, bis Händler sie ihnen abkaufen.
Das ist das einzige, was die Sueben verkaufen: Beutegut.
Und im nächsten Jahr gehen all jene in den Krieg, die zuvor die Felder bewirtschaftet haben", .a. werden so auch Frauen geraubt und verkauft .
Die Vertreter der germanischen Usipeter und Tencterer bei Cäsar.
Cäsar behauptet: "Ihr habt den Waffenstillstand gebrochen." - "Wie können wir einen Waffenstillstand gebrochen haben, den du uns nicht zugestanden hast?
Wir haben beim ersten Treffen darum gebeten, aber du hast ihn abgelehnt. Somit besteht zwischen uns kein Waffenstillstand.
Also können wir auch keinen gebrochen haben", lächelte der Usipeter und fuhr gleich fort: Wären wir denn heute hier, in deinem Zelt,wenn wir uns irgendeines Unrechts bewusst wären?"
"Nehmt diese Männer fest!" schrie Cäsar."
Cäsar lässt sie festnehmen - Blitzangriff und Vernichtung der Usipeter und Tenkterer – Völkermord.
Korisios: "Cäsar wollte die Gunst der Stunde nutzen. In einem kurzen Eilmarsch erreichte er das führerlose Lager der Usipeter und Tenkterer.
Sie waren auf einen Angriff in keiner Weise vorbereitet.
Schliesslich weilten alle ihre Anführer zur Beratung in Cäsars Lager. Entsprechend gross war die berraschung und Verwirrung,als die römischen Legionäre plötzlich ihr Lager stürmten und alles niedermachten, was sich bewegte. Die Frauen, Kinder und Alten ergriffen sofort die Flucht.
Die Centurionen brüllten, dass keine Gefangenen gemacht werden sollten. die Germanen sollten nicht besiegt und vertreiben werden, nein, die Germanen sollten ausgerottet werden."
Korisios: "Im Lager überlebte kein einziger Germane diesen Alptraum. Einigen war die Flucht gelungen, vor allem Frauen und Kindern, aber auch sie sollten nicht verschont bleiben.
Die Centurionen gaben Befehl, den Fliehenden nachzusetzen und sie niederzumachen.
Es war eine grausame Abschlachterei. Das war Völkermord! Mit gezielter Brutalität wurden 300.000 Germanen ermordet."
Kriegstagebuch.
Korisios: "Niemand erhob Einspruch, als Cäsar die Zahl der ermordeten Germanen mit 430.000 angab und die Zahl der eigenen Gefallenen mit Null."
Korisios: "Aber wie erklärte man die willkürliche Festsetzung von Gesandten, die Missachtung des von Rom selbst so hoch geachteten Völkerrechts? Cäsar kümmerte sich nicht darum.
Er war von seinem Gallien besessen."
Die keltischen Zweifel an Cäsars Brutalo-Methoden.
Korisios: "Aber manchmal, und ich sage das ungern, empfand ich fast ein bisschen Bewunderung für diesen Julier, der es gewagt hatte,die germanischen Götter herauszufordern.
Wie wollte ein einzelner Mensch dem gesamten Universum trotzen?"
Korisios: "Mit seinem Völkermord hatte Cäsar nicht nur zahlreiche Senatoren in Rom erzürnt, sondern auch viele Freunde verscheucht [...].
Und Cäsars schändlicher Völkermord widersprach allen Werte, die für uns Kelten so wichtig sind: Ehre, Ruhm und Tapferkeit.
Für Liest und Trug hatten wir nur tiefste Verachtung übrig. Solche Siege zählen nicht.
Sie mögen für Menschen zählen. Aber nicht für die Götter!"
Quellenverzeichnis :
Chronologie von Michael Palomino (2003 / 2007 / 2010)
aus: Claude Cueni: Cäsars Druide. Roman. Heyne-Verlag, München 1998
Wikipedia : Die Usipeter
Fotoquellen
-- Karte mit Usipetern und Tenkterern vor der Vertreibung: http://www.kruecke.net/geschichte_um_luetjenburg.htm
Mehr als nur ein Maisfeld
Von Nomaden, Fischern und Jägern im Siegtal
Wir schreiben den 26. April 2001. Es ist Abend. Wie so oft in den letzen 30 Jahren ist Werner Schmidt aus Dreisel unterwegs, diesmal in Übersetzig. Die Häuser liegen jetzt hinter ihm. Er interessiert sich für ein Maisfeld an der Sieg mit Blick auf Wilberhofen. Er weiß, dass er sich beeilen muss; nicht nur weil die Dämmerung bald hereinbricht, auch wegen der Jahreszeit, denn wenn der Mais zu hoch gewachsen ist, kann er seine Suche für die nächsten
Monate einstellen – er ist auf der Suche nach Mosaiksteinen aus der Vergangenheit. Noch am gleichen Abend wird er die ersten Funde von der Altsteinzeit bis zur modernen Zeit nach Hause tragen: Er brauchte sie nur aufzuheben.
Die Fundstücke umfassen mittlerweile sechs große Kisten, deren Inhalt erst zum Teil von Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege gesichtet und datiert wurde. Wir setzen den Inhalt der Kisten zu einem Puzzle mit
Lücken zusammen und versuchen der Vergangenheit ein Gesicht zu verleihen.
Was heute wie ein gewöhnliches, ebenes Maisfeld ausschaut, war durch die Jahrtausende ein Siedlungsplatz für unsere Vorfahren; ein Hinweis dafür ist die Scherbendichte aus allen Epochen, die auf der Oberfläche gefunden wurde.
Der aufmerksame Betrachter wird sich fragen: „Wie kann das sein, wo gleich nebenan die Sieg mit ihren regelmäßigen Hochwassern vorbei fließt?“ Der prähistorische Siedlungsplatz von sechs bis acht Morgen Land
weist einige Besonderheiten auf. Im Talkessel zwischen Übersetzig und Rossel kann die Sieg sich noch heute ausdehnen, mit einer Ausnahme: Dem Siedlungsplatz. Das Feld ist nur scheinbar eben, bei näherem Hinsehen
erkennt man die Mulden, die das Wasser hinterlassen hat, deutlich sichtbar erhebt sich der Siedlungsplatz über das Tal. Wenigstens bei Hochwasser war der Platz vom Fluss umschlossen, gleichzeitig aber durch
die erhöhte Lage zu allen Zeiten auch vor heftigsten Hochwassern geschützt. Nur so war es möglich, dass die Fundstücke nicht fortgespült und vom Wasser zermalmt wurden.
Einige Stücke des Siedlungsplatzes können der jüngeren Altsteinzeit 20.000 bis 9.000 v. Chr. zugeschrieben werden - Warum? In der Altsteinzeit war präzises Werkzeug für die Jäger und ihre Familien unerlässlich.
Die Landschaft war eine Tundra, kalt und karg. Wer überleben wollte, musste beim ersten Mal mit den messerscharfen Wurf- und Pfeilspitzen treffen. Die Menschen zogen als Nomaden umher, die sich hauptsächlich von Fleisch ernährten, das sie kiloweise zu sich nahmen, um ihren Körper unter den harten Lebensbedingungen widerstandsfähig zu halten. Viele Tierarten zogen in Herden umher, z. B. das Rentier. Sie verschwanden jedoch in andere Reviere, sobald sie merkten, dass Jäger hinter ihnen herliefen. Deshalb brachen die Nomaden ihre Zelte aus Fell ab und zogen weiter, wenn ihre Vorräte zur Neige gingen.
In der Mittelsteinzeit von 8.000 bis 4.000 v. Chr. änderten sich mit dem Klima auch die Pfeilspitzen, die nicht mehr mit der gleichen Exaktheit gefertigt wurden; Schmidt hat einige Spitzen aus Feuerstein, Kieselschiefer und Quarzit
in seiner Schatzkiste. Die Gesteinsabschläge dienten nicht nur als Pfeilspitzen - mit der Durchschlagkraft einer modernen Gewehrkugel – sondern auch als Widerhaken auf Harpunen, die unsere Ahnen mit Birkenpech auf
Holzstecken befestigten. Noch im letzten Jahrhundert galt die Sieg als der fischreichste Fluss Preußens. Da die Landschaft nun grün war, gab es genügend Wild und Land, das im milderen Klima bewirtschaftet werden konnte.
Die Nomaden wurden langsam sesshaft, machten das Land urbar und bauten Hütten aus runden Eichenstämmen und Lehm, der von einem Flechtwerk gehalten wurde. Der sonnige, warme, durch den Anstieg sichere Siedlungsort
in Übersetzig war ideal zum Siedeln. Der Fluss versorgte die Menschen mit Fischen, Wild gab es reichlich, das fruchtbare Schwemmland taugte zu bestem Ackerland. Zwei Furten dienten als Verbindungsweg zur anderen Siegseite, und an Holz für den Floßbau mangelte es nicht.
Unzählige Keramikscherben ab der Hallstatt-/Frühlatènezeit (etwa 750 bis 450 v. Chr.) in rot-schwarz, grau-schwarz, hell, mit Verzierungen, verschiedenen Glasuren bis zur Siegburger und Westerwälder Keramik belegen die Kontinuität
der Besiedlung und machen es möglich, einheimische und importierte Ware zu unterscheiden.
Viele Scherben stammen aus der römischen Zeit etwa 200 n.Chr., die römische Grenze verlief an der Linie Köln/Bonn.
Nur zwei Tagesmärsche von Übersetzig entfernt, bot sich der Handel mit dem freien Germanien an, und sie erstanden für ihre Keramikwaren Felle und Fleisch aus der Gegend. Weitere Fundstücke sind später zu datieren
– Metallscheiben, alte Bogenmesser, Eisenringe, ein Dolchrohling, Kohlenstücke, Schlacken und ein großer Blitzglasbrocken - ein Quarzstück, das durch einen Blitzeinschlag zu Glas geschmolzen war.
Viele Keramikscherben stammen aus der Karolingerzeit ab 800 n. Chr., wohingegen man im Gebiet um die unweit gelegene Laurentiuskirche, die 895 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, nur wenige Stücke gefunden hat.
In der näheren Umgebung hat es wahrscheinlich einen Königshof und sieben Ritterburgen oder Burghäuser der Uradeligen gegeben. Die Abfälle dieser Höfe wurden mit dem Mist aufs Feld am Rand der Peripherie nach
Übersetzig transportiert und sind deshalb dort vermehrt zu finden.
Auch aus der fränkischen Zeit gibt es Mosaikstücke. Es war die Zeit von König Chlodwig, dem Sugambrer.
Er war der erste germanische König, der sich römisch-katholisch, wohl 496 n. Chr. taufen ließ. Eine Taufe mit "welthistorischer Bedeutung", die der Bischof von Reims vornahm. Laut Überlieferung hatte Chlodwig gelobt,
sich taufen zu lassen, wenn er in der Schlacht bei Zülpich gegen die Alemannen siege. Er errang den Sieg und schwor den heidnischen Göttern Wodan und Odin ab. Noch am gleichen Tag bekannten sich 3.000 fränkische Krieger zum Christentum, und der neue Glaube wurde Staatsreligion im gesamten Abendland. Der Bischof taufte ihn mit den Worten: „Beuge dein Haupt, stolzer Sugambrer.“
Autor: Karl Ludwig Raab
Autorin des Textes: Sy. Schmidt
Der Windecker Elch, Sensationsfund an der Sieg
Mit Fug und Recht ließen sich genügend Gründe finden, um das Windecker Ländchen als geschichtliches „Hinterdux“ zu bezeichnen, oder anders gesagt: die Ansicht, dass Windeck für die überegionale Vor- und Frühgeschichte eine Bedeutung haben könnte, dürfte noch vor kurzem als vermessen belächelt worden sein. Wer hätte schon geglaubt, dass ausgerechnet der „König der nordischen Wälder“, der Elch, womöglich in Windeck seinen Ausgangspunkt für ein noch nicht geschriebenes Geschichtskapitel nimmt?
Werner Schmidt aus Dreisel ist der Finder des Windecker Elches. Bei einer Feldbegehung sammelte er einen mit Lösslehm bedeckten Stein aus. Erst nach der Säuberung erkannte Schmidt auf beiden Seiten des Steins eine Tiergravur auf Tonschiefer.
Experten datieren den Fund vorsichtig auf die jüngere Altsteinzeit (Jungpaläölithikum), auf etwa 11.000 v. Chr.
Ein „Künstler“ aus der Steinzeit hatte den Stein auf einem Windecker Feld wohl vergessen oder verloren.
Bislang fand man europaweit nur vereinzelt figürliche Darstellungen, das Elchmotiv sucht gar seinesgleichen, es ist bis heute das einzige Exemplar aus dieser Zeitstellung.
Die erste Ausstellungsstation der „Sensation von der Sieg“ ist das Rheinische Landes Museum in Bonn, das den verzierten Stein als „Fund des Monats“ präsentierte.
Für Schmidt ist der Elch wahrscheinlich der „Fund des Lebens“. Der ehemalige Postbeamte hat in den vergangenen Jahrzehnten in seiner Freizeit Zehntausende Oberflächenfunde durch Feldbegehungen in Windeck und im angrenzenden Rheinland-Pfalz für die Wissenschaft zu Tage befördert. Scherben, Faustkeile, Pfeilspitzen, Perlen und andere Hinterlassenschaften aus allen Epochen bis weit in die Altsteinzeit hat der damals 66-jährige in den Händen gehalten und diese regelmäßig zur Datierung bei der Außenstelle des Amtes für Bodendenkmalpflege in Overath eingereicht.
Ausgestattet mit einem umfassenden Wissen über die Frühgeschichte, kombiniert mit einem Verständnis über die Zusammenhänge der Natur durch die Jagd und durch seine Funktion als Landschaftswart hat Schmidt im Laufe seines Lebens einen Siebten Sinn für die bevorzugten Rast- und Siedlungsplätze entwickelt.
An einem Sonntag Anfang Juni 2005 besuchte Schmidt zum vierten Mals ein Feld in der Gemeinde Windeck, sein untrüglicher Instinkt ließ ihm keine Ruhe, berichtete Schmidt. „Die Saat stand bereits mehrere Zentimeter hoch, eigentlich schon zu spät für die Suche“, berichtete Schmidt. Manchmal lugt ein vom Regen abgewaschener Stein aus der Erde, oft aber ist es, wie an diesem Sonntag auch, ein „Lehmklumpen“ wanderte in Schmidts Tüte, weil er auffällige Form hatte.
Nach seinen Ausflügen weicht Schmidt alle Fundstücke über Nacht in der Regentonne ein, am Morgen lässt sich dann schonend der Schmutz entfernen. „Ich sah sofort, dass ich ein ungewöhnliches Stück in den Händen hielt, auf beiden Seiten des Steins waren Tiergravuren zu erkennen“, so Schmidt.
Das Amt für Bodendenkmalpflege war über alle Aktivitäten Schmidt’ s unterrichtet. Außerdem schickte er eine Fotografie an Dr. Street vom Römischen-Germanischen Zentralmuseum Mainz, das auf Schloss Monrepos bei Neuwied einen eigenen Forschungsbereich Altsteinzeit führt. Mikroskopische Analysen und stilistische Vergleiche mit Funden aus dem Neuwieder Becken, aus Frankreich und der Schweiz bestätigen, was Dr. Street mit dem bloßen Auge beim Betrachten des Fotos vermutete: Kein Zweifel, hier haben wir es mit etwas Altem zu tun.“
Deutliche Schrammen und Narbenfelder weisen auf einen so genannten Retuscheur, ein steinzeitliches Werkzeug, mit dem unsere Urahnen Steingeräte bearbeiteten. „Sensationell an diesem Stück ist, dass auf beiden Seiten Tiersilhouetten eingraviert sind. Der lange Kopf, der ausgeprägte Widerrist und die Proportionen deuten auf die Darstellung eines Elches hin“, erläuterte Dr. Street bei der Vorstellung des Fundes im Bonner Landes Museum.
Experten beschäftigen sich schon seit einiger Zeit mit der Auswertung von Schmidt‘ s beträchtlicher Sammlung an ‚Fundstücken, die ihre eigene Geschichte über die Wege unserer Urahnen erzählen. Im Frühjahr wird ein Fachteam an der Fundstelle des Elches eine Grabung vornehmen, um die Datierung zu präzisieren und vielleicht neue Erkenntnisse über diese weit zurückliegende Zeit zu gewinnen.
Innerhalb kurzer Zeit veränderte sich das mitteleuropäische Klima am Ende der letzten Eiszeit vor 16700 Jahren.
1700 Jahre dauerte die so genannte Allerödzeit, in der große Teile in Europa wärmer und feuchter wurden. Pferd, Ren und Wisent, die in großen Tierherden durch die Steppenlandschaft gezogen waren, verschwanden. Mammut und Wollnashorn starben aus. Rotwild und der größte Hirsch der Erde, der Elch, fanden in der sich ändernden Vegetation für einige Zeit ideale Bedingungen. Sie bevorzugen Täler mit Weichholzbewuchs (Weide, Pappel und Birke) und mit Nähe zum Wasser.
Autor: Karl Ludwig Raab
Autor des Textes: Sylvia Schmidt
Ein Rastplatz bis in prähistorische Zeiten
Die Steinzeit an der Sieg
Heute erstrecken sich auf der Landhöhe bei Herchen Wiesen und Felder. Im Vorbeifahren wird mancher bei gutem Wetter die wunderbare Fernsicht in alle vier Himmelrichtungen genießen. Ob unsere Vorfahren vor vielen Tausend Jahren die Fernsicht genossen, wissen wir nicht; aber sie wussten die weite Sicht sehr wohl zu nutzen. Steinfunde, gerötetes Geröll und verbrannter Lehm verraten: Wo sich heute auf dem höchsten Punkt die Straßen nach Gerressen und Eitorf kreuzen, auf dem Feld vor dem „Heiligen Häuschen“ mit der alten Linde, war in der Steinzeit ein Jadgbeobachtungsplätze der umher ziehenden Jäger und Sammler. Wo die Jäger die Ankunft der Rentier- und Wildpferde-Herden aus dem Urstromtal des Rheins in das
Siegtals beobachteten und durch Feuerzeichen nach weiter oben meldeten, sodass dort die Absperrungrn in den engeren Siegnebenflusstälern, wie der Westert für die Kesseljagd vorbereitet werden konnten. Während des Wartens bearbeiteten die Beobachter Quarzite oder Feuersteine (aus dem Aachener Abbaugebiet), um daraus Speerspitzen, Messer, Retuscheure und dergleichen herzustellen. Die Abschläge findet man an diesen Plätzen heute noch, und sie beweisen die Anwesenheit von Jägern, weil Feuerstein (Silex) in unserer Region natürlich nicht vorkommt.
Die Steinspitzen wurden mit Birkenpesch an den Speeren oder Holzgriffen befestigt.
Das Zeitalter der Steinzeit erhielt seinen Namen von jenem Rohstoff, der in dieser Zeit zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen bevorzugt benutzt wurde; Beginn und Dauer von Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit weichen regional voneinander ab.
Bei Oberflächenfeldbegehungen der Herchener Höhe in den letzten beiden Jahren, brachte Werner Schmidt aus Dreisel die Relikte der Vergangenheit ans Tageslicht. Sie versteckten sich in Lehmklumpen, unsichtbar für ein ungeübtes Auge.
Mittlerweile hat das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege einen Teil begutachtet. Die meisten Stücke stammen aus der Mittelsteinzeit (Mesolithikum), etwa 8000 v. Chr. – 4000 v. Chr. – Steinbrocken aus Grauwacke, die als Amboss und Schablone bei der Werkzeugerstellung dienten, Schlag- und Stosswerkzeuge aus dem gleichen Stein und Mikrolithen (mikro = klein, lithos = der Stein), auffallend kleine Steingeräte wie retuschierte Klingen, Dreiecke verschiedener Proportionen und Pfeilspitzen aus Quarzit, Kieselschiefer oder Feuerstein, sind charakteristisch für die Mittelsteinzeit.
In der Mittelsteinzeit erwärmte sich das Klima, eine reichhaltige Landschaft und Tierwelt entwickelte sich nach einer langen Eiszeit mit gelegentlichen Wärmeperioden. Bei den Streifzügen der nomadisierenden Jäger und Sammler auf den Pfaden der Mammut-, Rothirsch-, Reh-, Auerochsen-, Wildschwein-, Rentier- oder der Wildpferdherden, bot die Herchener Höhe einen hervorragenden Rastplatz. Der Blick aufs Siebengebirge, auf Nut- und Leuscheid und ins Siegtal verrieten nicht nur frühzeitig die Ankunft von Mensch oder Tier, ebenso dienten die nur wenige Schritte entfernten Schluchten als Rückzugsgebiet vor dem Feind. Die Sieg fließt im großen Bogen um den Höhenzug und war somit eine natürliche Barriere für Angreifer und ein Fischlieferant. Pfiff auf dem sonnenwarmen Platz der Wind, konnten die Fellzelte blitzschnell in die nahen Schluchten verlegt werden, wo auch das notwendige Quellwasser vorhanden war. Von der Höhe hatten die Nomaden kurze Wege in alle Richtungen, weil sie den lang gezogenen Siegbogen umgehen konnten.
Art und Streuung der „Steinausbeute“, ebenso wie ihre Datierung verraten, dass es sich nicht um eine Siedlung, sondern um einen Rastplatz handelte. Spärliche Ofenreste und verbrannter Lehm sind ein weiterer Hinweis. Auf behauenen Grauwackesteinen schlug man schnell und präzise Spitzen und Klingen aus Quarzit und Feuerstein, große Dreiecksteine dienten als Schablone und gaben die Form. Quarzit kommt in der Umgebung vor, wohingegen der kostbare Feuerstein, der wegen seiner Härte und guten Spaltbarkeit besonders beliebt war, mitgebracht oder getauscht werden musste; die nächsten Vorkommen liegen nördlich von Dortmund und im Aachener Raum. Die Mikrolithen wurden als Spitzen und Widerhaken in Knochenspitzen oder hölzerne Pfeilschäfte eingesetzt und mit Pech oder Harz festgeklebt. Die Schneiden, Kratzer und Schaber benutzte man als Messer, um Späne vom Holz zu schneiden und das Fleisch vom Fell zu lösen.
Die Herchener Höhe ist wie ein überdimensionaler Hochsitz. Die erfahrenen Jäger beobachteten aus der Ferne, wohin die Herden zogen. Wanderten sie abends ins Tal, wurden sie am Morgen von Treibern aufgescheut und in den Hinterhalt getrieben. Das verschreckte Wild zog sich zurück, um sich schon bald in Sicherheit zu wähnen. Dort lauerten dann die Schützen, deren wichtigste Jagdwaffen Speere, Pfeil und Bogen und Harpunen waren, schließlich wurden auch
Fallen gestellt bzw. Fallgruben ausgehoben.
Als weitere Ernährungsgrundlage dienten Beeren, Früchte, Kräuter und Wurzeln, die frisch oder getrocknet verwendet wurden.
Die Schlag- und Stoßwerkzeuge die auf dem Feld gefunden wurden, benutzten die Frauen wahrscheinlich zur Verarbeitung, z. B. um Nüsse zu zerkleinern.
Die Mittelsteinzeit wurde von der sogenannten „neolithischen Revolution“ abgelöst, der Lebenswandel der Menschen änderte sich mit der Domestizierung von Tieren und Pflanzen im Laufe vieler Jahrhunderte einschneidend. Der Höhenzug bei Herchen wurde besiedelt. Siedlungskeramik aus dieser Zeit und aus der „Hügelgräberzeit“, etwa 1200 bis 700 v. Chr. im weitläufigen Gebiet um den Sommerhof, lässt anhand der zu- oder abnehmenden Scherbendichte erkennen,
wo einzelne Höfe gestanden haben. Der Wald wurde gerodet, der fette Lößboden war ideal für den Ackerbau. Emmer, Gerste, Hirse und Erbsen wurden rund um den Hof angebaut. Schafe, Ziegen, Schweine und Rinder sorgten jetzt für Fleischvorräte; Jungwölfe hielt man als Haustiere, die den Hof bewachten. Das notwendige Wasser war reichlich vorhanden.
Aus den Jägern und Sammlern waren Ackerbauern geworden, die Jagd verlor an Bedeutung. Durch die Sesshaftigkeit waren neue Fertigkeiten gefragt, man benötigte nun Vorratsgefäße, Ton- bzw. Keramik wird als neuer Werkstoff entdeckt, für die Feldbearbeitung entstehen die ersten Karren mit Scheibenrädern. Die Jungsteinzeit nennt man auch die „Zeit des geschliffenen Steins“. Die Werkzeuge wurden nun scharf geschliffen, Stein und Holz durchbohrt, so dass man handlichere und bessere Werkzeuge besaß, mit Steinäxten wurde gerodet und das Holz für den Hausbau bearbeitet.
Ein weiterer, wesentlich jüngerer Schatz aus der Vergangenheit ist die alte Linde, die über dem „Heiligen Häuschen“ Wache hält. Sie gewährte Schutz vor Gewitter und bösen Geistern. Bei den Germanen galt die Linde als heiliger Baum, dessen Holz zur rituellen Verbrennung der Toten verwandt wurde. Der Baum der Liebe war wegen der herzförmigen Blätter der Liebesgöttin Freya gewidmet. Sie diente auch als Gerichtsbaum, unter dem die alten Germanen ihre Thingversammlungen abhielten. Mit der Christianisierung wurden aus den Freya-Linden die Marien-Linden.
Anm. von Dr. Frieder Döring.
Im Herbst 2019 wurde durch eine Stichprobengrabung des LVR, Außenstelle Overrath, an den Ringwällen von Stromberg/Alsen endlich der sichere Nachweis geführt, dass die Anlage eine keltische Burg aus der Hallstadt-Zeit
ist (also ca. 3000 Jahre alt).
Autor: Karl Ludwig Raab
Mein Dank an die Autorin und den Autor der Texte: Sylvia Schmidt und Dr. Frieder Döring
Das Christentum kommt nach Windeck
Nachdem die Franken, infolge der Aufgabe der römischen Rheingrenze im 401 n. Chr., in Scharen an den Rhein vorgedrungen waren, wurde dieses Gebiet von germanischer Lebensweise bestimmt. So entstanden überall ländliche Siedlungen, da den Germanen die Stadtkultur unbekannt war.
Das Land an der Sieg lag nun im Bereich des ripuarischen Stammesverbandes. Die intensive Besiedlung des rechten Rheinufers setzte im 5. und 6. Jh. ein und zwar von Bonn aus über den Rhein ins Mündungsgebiet der Sieg. Im Zuge der Eroberungs- und Ausdehnungsversuche durch den Volksstamm der Sachsen, wurde diese Region im 8. Jh. unter Karl Martell aufgerüstet und bis in das Windecker Gebiet besiedelt.
Während die linke Rheinseite schon zur Römerzeit christianisiert worden war, setzte auf der rechten Rheinseite die Missionierung erst mit der fränkischen Landnahme ein. Anfänglich getragen durch angelsächsische Missionare, traten schon bald Mönche des Bonner Cassius-Stifts in die Aufgabe ein und verbreiteten die Neue Lehre im Land an der Sieg.
Die Wurzeln des Cassius-Stift reichen bis in das 4. Jh. zurück. Damals wurde die erste Kirche auf einem römisch-früh-christlichen Gräberfeld errichtet und dem Gedächtnis der Märtyrer Cassius und Florentius geweiht. Dieser Kirche wurde im Jahr 691 ein Stift angeschlossen, dessen Mönche das Christentum im Umland verbreiteten.
Das Cassius-Stift unterhielt nachweisbar Höfe zu Rheidt, Wahlscheid und zu Dattenfeld. Außerdem besaß es die Kirche und den Zehnten zu u.a. von Leuscheid und Herchen.
Das Ganze belegt eine Urkunde des Papstes Innozenz II. vom 31. März 1131. siehe: Rossel und Wilberhofen im Kirchspiel zu Dattenfeld
Autor des Textes: Karl L. Raab
Auszüge aus: Reben, Holz und Eisen v. Reinhard Rado
