Die Burgen und das Schloss von Windeck
update: 31.5.2025

Innenansicht der Burg Windeck im Jahre 1884, nach einem nicht mehr erhaltenem Aquarell von Jakob Scheiner (1820-1911)
Aktuelle Fotos von der Burg Windeck (Neu-Windeck)
Die Auelgau, seine Grafen und Burgen

Foto: Schloss Windeck und Burgruine Windeck um 1930

Lage der Burgen Alt-Windeck und Neu-Windeck
Burg Windeck (Alt-Windeck)
Zeichnung: Paul Girnstein
So könnte die Burg Alt-Windeck ausgesehen haben, ob zuerst eine Motte oder eine kleine Burg im Tal von Windeck vorhanden war, ist nicht bekannt. Die Burg in Windeck auf dem Bergrücken (später Alt-Windeck genannt) wurde in dem damaligen Auelgau errichtet. Sie ist aber noch in der Zeit der Robertiner als Auelgaugrafen auf dem Bergrücken errichtet worden. Wahrscheinlich in der Zeit der Konradiner ist die Burg in Stein ausgebaut worden. Als Versorgungshof für die Burg Altwindeck wird später "Rospe" genannt, Burghof in Rosbach.

Wappen der Auelgaugrafen Wildenburg
Sie gehörte dem Auelgaugrafen Gerhard von Wildenburg, er ist von seinem Verwandten Heinrich Raspe III. von Sayn unterbelehnt worden, später die Saffenberger, Werner, Hollende, Giso IV. v. Hollende verh. mit Kunigunde v. Bilstein .
Der Herr zu Wildenberg, seine Gemahlin und beider Sohn Heinrich übergeben der Gräfin Mechthilde v. Sayn für 400 Mark ihre Höfe zu Musbach und Merten als Lehengut an Stelle des von der Gräfin lehenrührigen Schlosses Windeck, welches Gerard mit Vorbehalt derer Rechte an den Grafen Adof IV. von Berg verkauft hat, welcher sich aber weigert, dasselbe von der Gräfin zu Lehen zu empfangen. Er versprach, die Rechte der Mechthild, anzuerkennen und ihr Treue zu schwören. Dieses Versprechen hat der Graf gebrochen.
Anm: Als erste Besitzerin gilt die Gräfin Kunigunde von Bilstein, die sich auf dem Michelsberg in Siegburg begraben ließ. Dafür stiftete sie ein Gut in Braubach. In einer diesbezüglichen Urkunde von 1138 traten unter anderen als Zeugen auf: Cunradus de Rukelingin (Röcklingen), Gozwinus de Rospen (Rosbach), Heinricus de Sconebach (Schönenberg), Udo de Hanafo (Hennef), Thammo de Wimere (Weimar), Arnoldus de Cuchenbach (Kuchenbach bei Uckerath), Wicherus de Benesbure (Bensberg).
Hedwig Tochter von Kunigunde heiratet Ludwig I., Landgraf von Thüringen,
Sohn Ludwig II. baute ab 1140 die Burg (Alt-Windeck) und neue Burg Windeck (Neu-Windeck).

Burg Windeck, (Neu-Windeck) die ehemals starke Feste des Oberbergischen Landes.

Grundriss der Burgruine Windeck von 1911
Auf einem steilen Felsvorsprung an der Sieg, über dem Orte Schladern, stehen auf Oberbergischem Boden die Ruinen der ehemals trutzigen Feste Windeck. Von dort überschauen sie den weiten, herrlichen Talkessel der Sieg, den man mit Recht als einen Garten Gottes bezeichnet hat.
Auch wenn der Wanderungsgeübte etwas ins Schnaufen kommt, hat es den Vorteil, dass man die Lage der alten Burg sehr gut nachvollziehen kann. An Stelle der Vorburg stehen heute einige Häuser, teils noch im Fachwerkstil errichtet, kurz vor dem heute restaurierten, mächtigen Bergfried. Die gesamte Burg war mit einem Burggraben zusätzlich geschützt. Der Graben selbst ist jedoch zugeschüttet. Oben angekommen, wird man belohnt mit einer herrlichen Aussicht in das Siegtal.
Die Wehranlage war im 12. Jahrhundert im Besitz der Kunigunde von Bielstein, deren Tochter Hedwig - verheiratet mit dem hessischen-thüringischen Landgrafen Ludwig - die Burg erbte. Ihr Sohn war der Graf Heinrich Raspe der Jüngere.
Erste urkundliche Nachrichten verweisen gleich auf zwei Burganlagen mit hohen Wehrtürmen und weiten Ringmauern, die "Altwindeck" und dazu eine neue Burg, die sich anfänglich im Besitz der Landgrafen Heinrich Raspe des Jüngeren von Thüringen.
Wir haben keine Kunde, wie dieser in den Besitz der Veste gekommen ist, wissen nur urkundlich, dass Kaiser Friedrich I., der Rothbart, am 21. Februar 1174 in seiner Pfalz zu Aachen die Bedingungen bestätigt, unter welchen Heinrich Raspe dem Grafen Engelbert I. von Berg, dem ersten Grafen von Berg das neue Schloss auf Windeck überträgt. In dieser Urkunde wird 1174 der Name der Burg in Windeck bestätigt - "Castrum novum in Windeck".
Der Graf von Berg muss den Thüringer in allen Fehden, ausser gegen den Kaiser und den Erzbischof von Köln, unterstützen, ausgenommen, wenn Letzterer den Grafen ungerecht angreift. Dann bleibt Windeck dem Lehnherrn offenes Haus, und dies so lange die Fehde (werra sagt die Urkunde) dauert. Die Burgmann stehen alsdann im Dienste des Lehnherren. Es musste der bergische Burgvogt schwören, die Veste nach dem Tode Engelberts, jenem wieder zu überweisen.
Graf Engelbert I. begleitet Kaiser Friedrich den Rothbart auf seinem Kreuzzüge und starb 1189 auf dieser Fahrt.
Nach Engelberts Tode fiel die Burg Windeck wieder an die Landgrafen von Thüringen.
Daß das Erzstift Köln übrigens ältere Rechte an die Burg hatte, deuten schon manche Reversalien gegen dasselbe in dem Lehnbriefe an, und wird in der Folge noch wahrscheinlicher. Engelbert war seinem Kaiser im folgenden Jahr nach Italien gefolgt und in einer unglücklichen Schlacht bei Mailand in Gefangenschaft geraten, und wurde von den Mailändern gegen schweres Lösegeld wieder frei gegeben. Im Jahr 1188 erwarb der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg die Burg die er an Vasallen übergab.
Die Burg Windeck war im 12. Jahrhundert erbaut worden, um den Grafen von Berg ein Stützpunkt ihrer Machtentfaltung an der Sieg zu sein. Sie hat manchem Ansturm getrotzt. Im Jahre 1264 erlebte sie die mörderische Schlacht bei Dattenfeld auf dem Breitenfeld, gegen den Grafen Conrad von Elverfeld, so dass "man bis zum Knie im Blute gewatet".
Die Burg Windeck war schon seit dem Mittelalter im Besitz der Herzöge von Berg und als solche nach aller Kriegskunst des Mittelalters stark befestigt.
Das Herzogtum Berg war ein rechtsrheinisches Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.
Es zählte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis und war landständisch verfasst. Es bestand vom 11. Jahrhundert bis 1380 als Grafschaft und weiter bis 1806 als Herzogtum Berg, danach noch wenige Jahre in stark veränderter Form als Großherzogtum Berg war lange mit dem Herzogtum Jülich und wechselweise mit verschiedenen anderen Territorien in Personalunion vereint.
Herrschaftssitz der Grafen von Berge war zunächst Burg Berge in Altenberg, ab 1133 dann Schloss Burg an der Wupper und ab dem späten 14. Jahrhundert das Düsseldorfer Schloss.
Das Land der Grafen von Berg bestand aus vielen Amtsbezirken, von denen Windeck, Blankenberg und Löwenburg das Gebiet der Sieg umfasste.

Wappen der Grafen von Nesselrode
Graf Adolpf von Berg, seit 1408 Herzog von Berg und seit 1423 auch Herzog von Jülich, war wegen seiner vielen Fehden in dauernder Geldnot, die ihn vielfach zu Verpfändungen seines Besitzes zwand, wobei er 1435 auch Schloß und Herrlichkeit Windeck dem Wilhelm von Nesselrode als Amtmann verpfändete. Nesselrode sollte das Schloß während seiner Pfandschaft in gutem Stand halten. Dies scheint aber schon 1443 eingetreten zu sein, da am 27. Febr. Herzog Gerhard von Jülich-Berg dem Wilhelm von Nesselrode angefahl, mit der Ausbesserung solle begonnen werden, auch vor Erstattung des Baugeldes die Pfandschaft nicht abgelöst werden. Von 1443-1445 wurden 5530 oberländische Gulden für den Bau verwandt. In den Jahren 1458-1494 waren von Bertram von Nesselrode 1429 Gulden über seine Einnahme aus dem Amt Windeck hinaus an dem Schloß Windeck verbaut worden, die er dem Herzog Wilhelm schenkte, während der Herzog sich verpflichtete, 2071 Gulden, welche Bertram von Nesselrode von 1494-1497 gebraucht hatte, auf des Herzogs Befehl bei der Einlöse zu bezahlen. Für "Noitbuwe" gaben die Brüder Wilhelm und Bertram von Nesselrode von 1511-1514 noch 163 Gulden aus. 1515 wurde ihnen von Johanns ältestem Sohne von Kleve, Herzog von Jülich-Berg, die Pfandschaft gekündigt, aber an Mauritius von Nesselrode von neuem vergeben, bis wegen Johanns von Nesselrode unmündiger Kinder 1561 Johann von Lutzenrath zum Amtmann bestellt wurde. Als dessen Nachfolger, Wienand von Lyradt, 1586 gestorben war, hielt Bertram von Nesselrode auf Grund seiner Verschreibung um das Amt an und erhielt es. Um diese Zeit waren wieder größere Instandsetzungen erforderlich, die nach Gutachten des bekannten Baumeisters Johann von Pasqualini ausgeführt wurden (1602-1609).
So war das Amt Windeck seit 1433 erblich in der Familie des Grafen von Nesselrode. Deren Mitglieder bewohnten die Burg Windeck jedoch selber nicht, sondern setzten einen Amtsverwalter über den Bezirk.
Der jeweilige Amtsverwalter wurde in der Dattenfelder Kirche vom Schultheissen proklamiert.
Vier solcher Proklamationen sind im ersten Kirchenbuch zu Dattenfeld eingetragen.
1. Auf Bewegung des Satrapen (Amtsmann) von Windeck von Nesselrodt folgte als Amtsverwalter Heinrich Quadt von Isengarten, der am 8. Aug. 1610 in unserer Kirche durch unsereren Vorsteher Gerhaud Saur proklamiert wurde.
2. Nach dessen Tode wurde 1619 an seine Stelle gewählt Friedrich Wilhelm von Huen zum Broich, der in unserer Kirche am 21. Jan. 1618 proklamiert wurde.
3. Im April 1622 wurde Walramus Scheiffart von Merode zu Haus Allner als Amtsverwalter von Windeck in der Kirche zu Dattenfeld proklamiert. Er starb am 26. März 1625.
4. 1625 wurde von Adolph von Nesselrodt zu Ereshofen der Wohledle Wilhelm von Hillesheim von Merscheidt als Amtsverwalter eingesetzt.

Heinrich Joesten, der letzte Richter von Windeck

Siegelring von Richter Joesten, heute im Heimatmuseum Windeck

Johanna Katharina Henriette Joesten, Ehefrau von Heinrich Joesten
Heinrich Joseph Joesten, der letzte Richter des Amtes Windeck und der erste Landrat des Kreises Waldbröl., wurde am 12. Nov. 1763 auf Burg Overbach geboren.
Als Sohn des Gerichtsschultheissen Johann Gebhard Wilhelm Joesten (9. Mai 1717–21. Dezember 1791) und der Anna Margaretha (geb. Grieffrath, † 10. April 1785) war Joesten ein Nachkomme einer eingesessenen Familie in Much. (Französische Revolution und Preußens Gloria um das Amt Windeck)
Die Familie Joesten ist ein altes, seit dem 13. Jahrh. nachweisbares Geschlecht, dessen Namensträger zu hohen staatlichen und kirchlichen Ämtern gelangt sind, sei es in Chur-Trier, Chur-Mainz, Chur-Köln, Chur-Pfalz oder im engerern. Der Großvater Heinrich Joseph Joesten, war u.a. Hatzfeldischer Amtmann zu Wildenburg. Bereich - im bergischen Amt Windeck.
Heinrich Joesten übernahm die Stelle seines Bruders als Richter des Amtes Windeck und oberster Richter des Hochgerichts daselbst. Ferner war er Sr. Churfürstlichen Durchlaucht zu Pfalz-Bayern Gerichtsschultheiß zu Much, vor dem Hatzfeldischer Amtmann zu Wildenburg, wo er auf der Burg wohnte.
Er heiratete am 17. Nov. 1795 Johanna Katharina Henriette de Berghes. Aus dieser Ehe gingen 15 Kinder hervor. Landrat Heinrich Joseph Joesten starb am 23. Mai 1829 und ruht mit seiner Ehefrau in der Familiengruft der kath. Pfarrkirche St. Martin zu Much.
Anm: In einer Urkunde des Richters aus dem Lagebuch der kath. Kirche zu Dattenfeld ist erwähnt:
Wilhelmus Joest zu Hoppengarten gibt Von zwey orthen so Von Reuter heerkommen, untig (unterhalb) roßel (heute Rossel) in der ohligs wies (Ölwiese) gelegen.
Bekanntlich haben in den Tagen des Wilhelm von Hillesheim (war ein deutscher Zisterzienser und erster infulierter Abt des Klosters Himmerod) viele Leute mit den Daemonen der näheren Umgang gepflogen
und sich in ihre Gewalt begeben. Im Jahre 1629 schreibt Canzler, es sei mißfällig zu vernehmen, daß allerhand aus dem Stift Cöln und anderen benachbarten Graf- und Herrschaften vertriebene mit Zauberei diffamierte sich in ziemlicher Anzahl in das Amt Windeck eingeschlichen, und fordert er den Amtsverwalter auf, solches Gesindel unverzüglich zu apprehendiren und einzuziehen.
Um diesen Eintrag zu verstehen, muss man wissen, dass in den Zeiten des 30- jährigen Krieges, besonders in Siegburg für zwei Jahre (1636-1638) grausame Hexenverfolgungen stattfanden.
In einem Schreiben des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm 1645 an den Kämmerer und Amtmann zu Windeck, Bertram von Nesselrode zu Ereshoven, sagt der Herzog, dass der Feind sein Auge vorzüglich auf Windeck gerichtet habe, und fordert den Amtmann auf, die Veste mit mehreren Verteidigungs-und Lebensmitteln versehen zu lassen, den bisherigen Schützen noch 20 oder 30 aus den dortigen Unterthanen zuzugeben, diese zu 14 Tagen durch andere ablösen zu lassen, den Commandanten aber unter energischer Strafandrohungen zur besseren Aufmerksamkeit ernstlich anzuweisen.
Drei Tage nachher berichtete Nesselrode dem Fürsten, er habe durch den Marschall von Weschpfennig für Tonnen Pulver und die nöthigen Leute auf der Veste gesorgt, auch dem Schultheiß von Rossbach anbefohlen, die nötigen Lebensmittel nach Windeck abzuliefern, der Commandant sei gehörig instruiert und somit Alles zur Verteidigung wohl gesorgt.
Die Burg Windeck war beständig von einigen hundert Menschen bewohnt, die zur Bewachung nötig waren.
Um so viele Menschen unterzubringen, waren in der Nähe der Burg noch eine Anzahl Häuser erbaut, worin die Wächter herbergten, um stets bei der Hand zu sein. Diese Dienstleute wurden Burgmänner oder Bürger genannt.
Es waren waffengeübte Ritter, die selbst Burghäuser in der Umgegend besaßen, aber als Vasallen von Burg Windeck zum »Wachdienst verpflichtet waren.
Zu ihnen zählten die Ritter von Huen, die zu Broich und Wilbringhoven ihre Rittersitze hatten. Aber auch in weiterer Entfernung von Windeck wohnten solche Burgmannen, die sich in den Schutz dieser Burg begeben hotten. Solche wohnten auf ihren Burgen zu Freckhausen, Feld und Sotterbach in der Wiehlgegend. Sie erschienen nur auf der Burg Windeck, wenn sie dazu befohlen wurden. Aber sie fühlten sich doch als Mitbesitzer dieser Burg, wie wir dies von dem Ritter Conrad von Elverfeld wissen, der seine Rechte mit den Waffen verteidigte.
Bekanntlich ist das Bollwerk der Burganlage im 30-jährigen Kriege zweimal zerstört worden, erst durch die Schweden mit General Baudissin 1632 und dann durch die Kaiserlichen. Diese Belagerungen scheint denn unseren stolzen Zinnen zugleich den Todestoß versetzt zu haben.
In von dem Fürsten eingeforderten Besichtigungsberichte des hiesigen Rentmeisters vom Jahre 1655 heißt es nämlich, dass durch die hessische Belagerung von dem Schloße außer der Kapelle und einigen Oekonomie- Gebäuden nur noch Schutt und Ruinen übrig geblieben. Erst gegen Ende 1647 ergab sich die hessische Besatzung dem kaiserlichen General von Lamboy.
Um alles wiederherzustellen, fordert der Bericht, da die hiesigen Unterthanen Hand- und Spanndienst zu leisten verpflichtet, nur 100 Rtlr.
Aus anderen Urkunden geht hervor, dass schon im Jahre 1650 zur Herstellung des Schlosses von den Unterthanen in Windeck bereits 800 Thlr. erhoben worden.
Es müsse auch für eine Wohnung des Amtsverwalters und reine Wacht- und Arreststube gesorgt werden, da Ersterer sich der Wölfe und Füchse und auch der Diebe wegen nicht mehr sicher glaube. Das Schloss sei durch drei gesprengte Minen ruiniert worden, der Keller noch vorhanden, aber, wie der Brunnen, über die Hälfte mit Schutt angefüllt.
Was zur dürftigen Wiederherstellung der Burg Windeck geschehen, wissen wir nicht.
Eine kegelförmige, vorspringende, 210 Fuss hohe Felsen-Kuppe trägt die Ruine der Veste Windeck, von drei durch unzugänglich steile Abhänge geschützt, und ursprunglich auf der nördlichen Seite durch zwei schluchtenförmige Schutzgräben von der Gebirgskette getrennt.
Von dieser Seite führten zwei Zugbrücken durch drei Thorzwinger auf die Höhe der Burg, zu dem eigentlichen Burgstall, welchen Hof der Palas mit dem Mushaus (Speisesaal), die Kemenaten, d.H. die Wohnungen des Burgherrn und der Burgfrau nebst der Familie, der Bergfried, die Hauptwarte, und die Ställe umgaben. Im nördlichsten Theile hausten die Knechte, die Souterrains unter ihren Wohnungen wurden als Stallungen benutzt. Die Kemenaten, nach der Flussseite umgeben, von einer halbrunden vorspringenden Terrasse, nahmen die westliche Seite des Burgstadels ein, während der Palas sich an der Südseite hinhaute, und der noch vorhandene gewaltige Bergfried im Osten den Schluss des Burghauses bildete. Die Mauern des runden Bergfriedes haben 10 Fuss Mächtigkeit. Sein Erdgeschoss bildete das Burgverlies, aus
dem ein unterirdischer Gang, dessen Anfänge noch vorhanden sind, in´s Siegtal führte. An diesen mächtigen Thurm, die Hauptwarte, der letzte Zufluchtsort in Fällen der Not, namentlich bei Belagerungen, baute sich ein runder Treppenturm in dem eine Wendeltreppe zu den oberen Geschossen des Bergfrieds führte.
Auf zwei unter dem Herrenbau liegenden Felsabsätzen befand sich der Burggarten und unter demselben die Wirtschaftsgebäulichkeiten.
Das Ganze war mit einer starken, an einzelnen Stellen bis 60 Fuss hohen Ringmauer, dem so genannten Zingel umgeben, der an den schwächeren Stellen mit Wehrtürmen verstärkt war.
Auch dieser Riesenbau unterlag der vernichtenden Macht der Geschütze. Noch zeigt man auf der nördlichen, den Schlossberg etwas überragenden Kuppe die Stellen, wo die Hessen und Schweden ihre Kartaunen und Mörser aufgefahren hatten, um die Veste zu beschiessen.
Die Stelle heisst noch die Schwedenschanze und in ihren Rayen sieht man noch die Löcher in den Fels getrieben, in denen sie ihre Schanzkörbe aufgepflanzt hatten.
1795 fielen die Länder und Ortschaften zu der Sieg unter französische Herrschaft. Wieder kamen unruhige Zeiten und Truppen mit ihren Einquartierungen, das Ziehen von Soldaten Eroberungsfeldzüge in die Weiten Russlands hinein, brachten Not und Kummer in die Bevölkerung.
Die Burg wurde immer wieder belagert, so konnten sich manche Legenden entfalten. Eine ist in Weinsberg im Neckarland von der Einnahme der Burg zu lesen.
Die Frauen wollte man frei ziehen lassen, dabei durften sie soviel mitnehmen wie sie und ihr Hund tragen könne. Da luden diese ihre Männer auf ihren Rücken und nahmen sie mit in die Freiheit und der Hund einen Sack mit Geld.
Endlich, 1815, nachdem die Rheinlande bei der Neugliederung des ehemaligen Alten Reiches dem Königreich Preußen zugesprochen worden waren, kehrte wieder Ruhe ein. Burg Windeck, und das was von ihr übrig war, fiel an den preußischen Staat.
1852 verkaufte der preußische Staat die Ruine Windeck einschließlich des gesamten Burgbergs an den Landrat Danzier in Mülheim.
Schloss Windeck

Älteste Abbildung des Schlosses nach einem Scherenschnitt

Zeichnung: Burg Windeck und Schloss Windeck, Zeichnung: Schröder
Dieser errichtete ganz im romantischen Stil der Zeit ein Landhaus, das sogar 1845 noch erweitert wurde.
Es entstand das sogenannte "Schloss Windeck".
Die Familie, später der Schwiegersohn Danziers, Andrea Caminneci aus Bonn, verbrachten hier die Sommermonate.

Frau Landrat Mathilde Danzier, Foto: B. Althoff

Postkarte Schloss Windeck und Burgruine Windeck 1930
Aber auch diesem Schloss widerfuhr das Schicksal der Zerstörung. Am Ostersonnatg dem 1. April 1945, wird Schloss Windeck aus Richtung der Leuscheider Höhen durch amerikanische Artillerie mit Phoshorgranaten in Brand geschossen.
Das gesamte Gebäude brennt aus. Ungeschützt, den Unbillen der Natur ausgesetzt, verfällt das Gebäude zusehens.
1962 erwirbt der damalige Siegkreis die Reste des Schlosses und Burgruine von den Erben Caminneci. Nach einigen Überlegungen zur weiteren Nutzung der Schlossruine, wird diese dann doch vollständig abgerissen und man beginnt mit der Restaurierung der alten Burg. Die damit verbundenen Arbeiten begannen in den späten 70er Jahren, seit 1987 wurden durch den nunmehrigen Rhein-Sieg-Kreis auch umfangreiche archäologische Untersuchungen in Gang gesetzt, deren Ergebnisse teilweise im Heimatmuseum ausgestellt sind, wie z.B. Kacheln des ehemaligen Kapellenfußbodens.
Mancherlei merkwürdige Überbleibsel der Vorzeit fand man bei dieser Gelegenheit, die jetzt im Burghause aufgestellt sind.
Unter anderem wurden drei eiserne geschmiedete Kanonen verschiedenen Kalibers gefunden, und eine eiserne Kugel, unter denen 3 Fuss Durchmeser haltende Bomben.
Äußerst interessant ist aber ein vollständiges Küchengeräte, welches man beim Aufgraben der ebenfalls verschütteten Schlossküche entdeckte, und das, wer weiss, wieviele Jahrhunderte vor der Zerstörung der Veste hinaufreicht.

Sandsteinwappen zierte den Ostgiebel von Schloss Windeck 1729
An der Ostseite des Burghauses ist ein altes Wappenschild der Grafen von Windeck in Stein gehauen angebracht.
Einen schöneren Punkt, als diese Höhe, gibt es an der mittleren und unteren Sieg nicht, denn kein anderer bietet diese Manchfältigkeit an reizenden und malerisch fesselnden Aussichten, Rundsichten und Fernsichten, als die Veste Windeck.

Dieses Hufeisen (12x9 cm) stammt vermutlich von dem Esel der das Wasser zur Burg getragen hat, es wurde vor vielen Jahren an der Burg gefunden, es befindet sich heute im Privatbesitz
Auf verschieden Grundstücken des Amtes Windeck lastete bis 1825 unter dem Namen Stephans oder Eselshafer eine Abgabe, welche der Überlieferung gemäss, ihren Grund darin hatte, dass früher auf die Veste ein Esel gehalten wurde, um das Trinkwasser hinauf zu schaffen, der Treiber des Esels Stephan geheissen, und jene Steuer zum Unterhalt des Esel und seines Treibers gedient habe. Dieser Wassertransport gehörte wahrscheinlich zu den manch fachen Frohndiensten, mit denen die Hörigen der Burg überbürdet waren, und später in eine Steuer verwandelt, und diese Esels- oder Stephanshafer genannt, wie man überhaupt an der Sieg alle Steuern, ausser dem Dienstgeld, dem Besthauptgeld und den Zehnten, mit dem Worte "Hafer" bezeichnete. Die Eselshaferpflichtigen Bauern beschwerten sich, weigerten sich die Steuer zu zahlen, welche, wie bemerkt, erst 1825 von der Regierung aufgehoben ward.
Autor: Karl Ludwig Raab
Die Burg Dattenfeld
update: 13.06.2025
Das Amt Windeck, die Rittersitze, Burgen, Höfe, Klöster und Schloss in Windeck
aktuelles Foto der Burg Dattenfeld
Zeichnung vom Grundriss der Burg Dattenfeld
Die Hauptstrasse in Dattenfeld mit der alten Mauer im Hintergrund die Burg Dattenfeld
Direkt am Ortseingang fällt eine kleine wohlgepflegte Burganlage ins Auge. Das Burghaus Dattenfeld liegt heute fast im Dorf, aber im Umfeld sind auch noch Reste der alten Parkanlagen zu erkennen.
Parkanlage in der Burg Dattenfeld
Da die Burg Dattenfeld vielfach als Rittersitz angesehen wird, soll hier kurz die Geschichte des Hauses wiedergegeben werden. Es ist ein einfacher, zweigeschossiger Bruchsteinbau von vier Fensterachsen an der Langseite und zwei Fensterachsen an der Schmalseite.
An der Nordostseite ist ein niedriger quadratischer Turm, an der Südseite noch zwei ursprüngliche Türeinfassungen, über einer Überreste eines Wappens, in Eisenankern die Jahreszahl 1619.
Der Nordostturm der Burg Dattenfeld ist laut Willi Schröder schon vor der Erbauung durch die Robens-Brüder dagewesen (erkennbar an der älteren Bautechnik) und soll ein Rest der alten Burg Niedeck, gewesen sein, die vorübergehend auch mal im Besitz der Fam. von der Lippe war.
Sandsteinsäule an der Burg Dattenfeld
Das Cassiusstift im Kirchspiel von Dattenfeld , ist schon im Jahre 1151 (Urkunde von Papst Innozenz II. aus dem Jahr1131), im Besitz eines Hofes in Dattenfeld.
Im Jahr 1377 bekundet Graf zu Sayn, (siehe Urkunde von 1377) den schlechten Zustand des Hofes zu Dattenfeld.
Im Jahre 1509 verpachtet das Stift den Fronhof zu Dattenfeld auf 18 Jahre und legt dem Pächter u.a. die Verpflichtung auf, den Hof ringsum in Zäunen zu erhalten und auf dem Weiher ein Burghaus mit Schlossgarten, Zugbrücke usw. zu erbauen.
Wahrscheinlich haben wir auch hier ursprünglich einen zum Schutz der Hofbewohner aufgeführten Burgturm anzunehmen.
Beachtung verdient der hier erwähnte Weiher, in den meisten Fällen der sicherste Schutz auch für solche Burgtürme.
Der jetzige Bau stammt nach den Jahreszahlen und Wappen an dem Jahr 1619 und 1629.
Die Brüder Robens aus Merken bei Düren, der Pfarrer Johannes Robens (1607-1649).
Es scheint, dass er in der Gunst des Herzogs von Jülich, Cleve Berg und des Amtmanns von Nesselrode stand, wie auch sein Bruder Jakob Robens, Gerichtsschreiber des Amtes Windeck und Erbauer der Burg Dattenfeld.
Pastor Robens führte die Kirchenbücher ein, in denen er u. a. Truppenbewegungen, Wüten der Pest und Naturkatastrophen festhielt.
Pfarrer Robens, siehe: Das Pastorat Wiedenhof, dessen Grabstein bei der Kirche in Dattenfeld noch erhalten ist.
An der Nordseite erblickt man noch die Reste eines Abortkerkers und auf dem Walmdach die Wetterfahne mit dem Robenschen Wappen und der Jahreszahl 1629.
Heiratsurkunde von 1629 zwischen Mauritius von Übersetzig und Elisabeth Robens
Auszug aus dem Kirchenbuch: Anno 1623 Taufe des Johannes Robens als Sohn von Jacob und Agnes.
Auszug aus "Die Beamtenfamilie Übersetzig", aus Dattenfeld 895:
Stammvater aller "Übersetzigs" ist wahrscheinlich Mauritius von Übersetzig, der als Notar und Gerichtsschreiber in der 1. Hälfte des 17. Jahrh. hier wohnte. Hier heiratete am 1. Juli 1629 die Tochter Elisabeth des Pfarrers Robens.
Anno 1678 ist Mauritius von Übersetzig zu Lindlahr gestorben und den 21. Dez. zu Dattenfeld begraben worden.

Wappen der Grafen Kurtzrock-Wellingbüttel

Sterbeurkunde Carl Conrad Alexander Graf Kurtzrock-Wellingbüttel
Die Zahl 1850 auf der Wetterfahne weist auf die Heirat der Baronin von Kurtzrock-Wellingsbüttel mit Freiherr Ferdinand de Leonhard hin. Der nächste Besitzer war sein Enkel, Freiherr Hugo von Leonhart.
Heirat von Baron Leonhard mit Ehefrau von Turn und Taxis, 1910

Wetterfahne auf der Burg mit Jahreszahl 1870

Altes Wappen der Familie Caminneci
Als dieser kinderlos verstarb, erwarb im Jahre 1921 die Familie Caminneci das Anwesen, die auch schon Schloss Windeck besaß.
Wappen von Freiherr von Canstein
Der nächste Hausherr auf Burg Dattenfeld war Freiherr v. Canstein. Er und seine Frau liegen auf dem Friedhof in Dattenfeld begraben.
Danach wechselten die Besitzer der Burg.
Videoclip von der Burg Dattenfeld
Autor: Karl Ludwig Raab
Die Spitzenburg und Burg Broich in Dattenfeld und Altwindeck
update: 04.06.2025
Spitzenburg in Dattenfeld vorm Berg
Nichts mehr erinnert an den landtagsfähigen Rittersitz "Spitzenburg". Nicht nur, daß er fast gänzlich aus der Erinnerung der Landbevölkerung verschwunden ist, auch kein Orts- oder Flurname läßt auf die Lage schließen, heute erinnert nur noch ein Straßenschild "Zur Spitzenburg" daran. Die Spitzenburg wird im Erkundigungsbuche vom Jahre 1555 genannt. Aus einem Bericht vom Jahre 1595 geht hervor, daß sie zu Dattenfeld lag. Die Spitzenburg war unterhalb Dattenfeld vorm Berge an der Unterführung der Eisenbahn, südlich vom Bahnkörper, ebener Wiesengrund, durchflossen vom Trimbach.
Als Besitzer wird Hoen angegeben. Er hatte dort jedoch nicht seinen Wohnsitz. Das Gut wurde durch eine Halfmann (Pächter) bewirtschaftet. Mant Hoen gehört zur Linie von der Lippe, genannt Hoen zu Hartenfels, als deren Gründer J. zu Hartenfels, vermählt mit ... von Mühlheim aus dem Elsaß (Salterberger Hof), angegeben wird. Ein Sohn oder Verwandter desselben, M. von hune, 1500 zu Hartenfels, Vasall des Grafen Joh. von Nassau-Beilstein, war vermählt in erster Ehe mit Philippa Mohr von Leinen, in zweiter Ehe mit Philippa von Roidheim, Tochter des Gerlach und der Marg. von Walberdorf. Aus dieser Ehe stammt der obengenannte Mant, der 1514 noch minderjährig war. 1552 und 1556 ist er Amtmann zu Hartenfels und des Nassau-Beilsteiner Vasall. Er heiratet Marg. Haust von Ulmen, Tochter des Philipp und der Ottilie von Wunnenberg.
Der adelige Sitz sowie die dazu gehörigen Güter zu Dattenfeld, die Spitzenburg genannt, vererbten sich auf dessen Sohn Philipp Ruprecht. Er heiratete Margarete von Reiffenberg, Tochter des Kuno und der Maria von Mudersbach. Philipp starb am 6. Mai 1587 und liegt vor dem Altar in der Kirche zu Hartenfels begraben. Der Grabstein zeigt die Wappen der vier Großeltern. Sein Sohn Mant Friedrich, dem 1595 zuständig war, und der in diesem Jahre als noch minderjährig angegeben wird, war Herr zu Hartenfels, 1602 Trierischer Kellner zu Clotten (Kreis Kochem). Er war vermählt mit Magd. Dorothea von Eltz (verst. 29. Dez. 1622 und begraben zu Hartenfels), Tochter des Emmerich und der Marg. Kämmerer von Worms. Beide erbauten auf ihrem Eigentum zu Hartenfels ein Burghaus 1615. Ihre Tochter Barbara, Erbin zu Hartenfels, heiratete den kaiserlichen Oberstleutnat Hans Hartmann von Dehren. Die Familie von Dehren und deren Erben hatten bis zum vorigen Jahrhundert die Huenschen Besitzungen zu Hartenfels, und die Spitzenburg wird durch Kauf von denselben in andere Hände gekommen sein.
Im Jahre 1730 wurden amtliche Ermittlungen über die adeligen Sitze im Amte Windeck angestellt. Die Erkundigung, die den Scheffen zur Pflicht gemacht war, mußte innerhalb zweier Tage bei Straf von Goldgulden geschehen. Aus dem Berichte des W.C.B. Hasenclever, Richter und Rentmeister des Amtes Windeck, von 20. Mai erfahren wir über die Spitzenburg folgendes:
Joh. Peter Übersetzig, Schultheiß des Kirchspiels Dattenfeld, Moritz Übersetzig, Geschworener, und Johannes Joeß, Geschworener, bezeugen unterm 19. Marty 1730, daß sie in betreff des Guts Spitzenberg Hans Wilh. Joesten zu Dattenfeld, welcher ungefähr 80 Jahre alt ist, vor sich citirt und von ihm erfahren haben, daß auf der sogenannanten Spitzenburg ein "Klein Häußlein" gestanden,, "so auch noch scheinbarlich auf dem plätzlein zu sehen ißt". Der Geschworene Mauritz Übersetzig hat von Reinhard Piller gehört, daß dieser sieben Morgen von dem freien Spitzenburg Gut gekauft hat. Rheinhard Pillers Sohn, Johannes Gerhard Piller, sagt, "daß Henrich Becker, Schultheiß zu Herchen, die Halbscheid davon hätte, so jetztunter Herr Syndicus Ley in Besitz hätte". Johann Peter Piller, Rheinhard Pillers Sohn, sagt, "daß Herr Syndicus Ley alle nachricht und feyheits Zettulen von obangezogenem auch guth hätte, so davey zu finden wären und ist dieses guth weitläufig verteilt und veräußert, auch hat Wilhelm Öttershagen, wie Nachbarn kundig ist, des Wilhelm Pillers Theil von diesem guth wegen schuldt schätzen laßen.
Weiter haben wir keine wissenschaft von der Beschaffenheit.
Wie aus vorstehendem Protokoll hervorgeht, ist das Gut Spitzenburg vielfach zerstückelt worden, war 1730 jedoch größtenteils in der Hand des Syndicus Ley. Lenzen gibt in seinen statistischen Beiträgen vom Jahr 1802 den Rittersitz Spitzenburg nicht mehr an.
In einem Wohnhaus hinter der Bahnunterführung links sind aber erhalten ein schön profilierter Außenbalken und im Innern eine herliche Wendeltreppe.
Anm: Ein Wohnhaus an der Rochusstraße in Wilberhofen, erbaut aus verschnitzten Balken, zeugt auch von edler Herkunft. Im First und im Spruch über der Haustür ist als Baujahr 1617 genannt. Damit ist es Otto Reuter zuzuordnen, der in Wilberhofen wohnte, Schultheiß in Leuscheid war und 1638 in Wilberhofen verstarb. Seine Frau Elisabeth entstammte der bekannten Familie von Hatzfeld. War es Zufall, dass Reuter in der Nähe der Burg seine Wohnstatt hatte? Die schöne Holztafel im Giebel zeigt neben der Jahreszahl die Initialen Jesus, Heiland, Seligmacher, dann MR - Jos - dann die stilisierte Sonne - dann die Initialen der Hl. Drei Könige CMB und schließlich eine Ornament, wie wir es in den Balkenwinkeln noch schöner wiederfinden. Zu vergleichen ist die Giebelwand von "Zur Linde" in Windeck mit dem Haus in Wilberhofen.
Burg Broich

Die Burg Broich war eine Wasserburg stand oberhalb der heutigen Bahnlinie von Dattenfeld nach Altwindeck, inmitten der alten Feuchtgebiete der Sieg Burg Broich.
Die Beschreibung der als Bodendenkmal deklarierten Überreste ist folgende (Quelle: Amt für Agrarordnung u.a):
Das nördliche Podest, 0,75m hoch, ist 25 x 30 m groß, das südliche misst 40 x 45 m und ist 1,35 m hoch. An der NW-Ecke des südlichen Podestes sind noch Mauerreste vorhanden. Zwischen Haupt- und Vorburg ist eine 6 m breite Erdbrücke. Der umgebende Wassergraben ist zwischen 15 und 25 m breit, im Süden noch feststellbar und 0,40 m tief und wurde von Quellen gespeist.
Der Burgsitz war seit dem 14. Jahr im Besitz der Familie von der Lippe, genannt Hoen. Rittergeschlecht von Broich
Sie stand unterhalb der Wiesen von Dattenfeld, jedoch findet man heute noch nicht einmal einen Flurnamen.
Sie erhörte 1555 einer Linie der von der Lippe, gen. Hoen, der sie bis ins 17. Jh. verblieben zu sein scheint. Broich wird schon im Jahre 1273 genannt. Nach einer Urkunde mußte Graf Adopf von Berg an das Kloster Nonnenwerth von seinem Hofe Broich einen jählichen Zins bezahlen, welchener auf das Kloster Altenberg gegen mehrere Schenkungen übertrug. Ein Johann von Broich besiegelt 1363 die Urkunde, mit welcher Graf Wilhelm II. von Berg den Fronhof der Abtei Altenberg abtritt. In einer Urkunde vom 13. Aug. 1479, durch welche er sich bei Herzog Wilhelm von Jülich und Berg gegen den Grafen Gerhard von Sayn beschwert wegen Vorenthaltung seines väterlichen und mütterlichen Erbes im Lande Freusburg, bittet er den Herzog, ihm "seinen Burgsitz zu Windeck zu vergönnen". Daraus geht hervor, daß er schon früher im Besitz desselben war. Unter dem Burgsitz kann nicht die Burg Windeck selbst, sondern nur der in unmittelbarer Nähe am Fuße des Berges gelegene Rittersitz Broich oder Bruch gemeint sein.
Philipp, der zweite Sohn, war vermählt mit N. von Landsberg und hatte Broich. Der dritte J. (Johann) zu Hartenfels heiratete N. (Katharine) von Mühlheim aus dem Elsaß. Die Tochter war an eine von Selbach-Crottorf verheiratet.
Philipp kaufte Wilbringhoven, welches Reinhard auf seinen Sohn Reiner, der 1518 starb und Schultheiß von Siegburg, vererbte, von diesem seinem Neffen Broich hat er von seinem Vater erhalten.
Im bergischen Ritterzettel von 1555 heißt es: "Bertram Hoen, Drost zu Mörs, hat vor kurzem das hus uf dem Broich Wilhelm Quade zu Isengarden verkauft, und besitzt izt der halfmann dasselbig. Dweil aber die negste partien denselben abzutreiben gemeint, so haben sie sich verglichen, wie man sagt, das die zugehörigen guter in 3 teile geteilt, dern etliche in Homburg und etliche im Land von Stein gelegen.
Im Ritterzettel vom Jahre 1557 ist auch von diesem Verkauf die Rede, doch wird hier nicht das Haus, sondern das "gut uff dem Broich" genannt, das Wilhelm Quad von Isengarten erhielt.
Demnach scheinen alle drei Linien noch Ansprüche auf die Güter gemacht zu haben. Der Verkauf durch Bertram von Hoen hat dann zu Streitigkeiten Anlaß gegeben, denen durch die Teilung ein Ende gemacht wurde. Auch die Spitzenburg bei Dattenfeld gehörte zu den Hoenschen Gütern.
In einem amtlichen Berichte des Rentmeisters Reinhard Stappenhover vom 5. Nov. 1577, der eine Aufzeichnung der adeligen Personen im Amte Windeck enthält, werden Mauritius von der Lippe zu Wilbershoven und Wilhelm von der Lippe, genannt Hoin, zu Haus Bruch angegeben. Vielleicht hat der Vater Mauritius schon vor seinem Tode Broich an seinen Sohn Wilhelm abgetreten, während nach dem Tode beide Rittergüter wieder in einer Hand vereinigt wurden.
Wilhelm ist wahrscheinlich 1624 gestorben. Sein Sohn Friedrich Wilhelm, der obengenannte Friedrich, wird 1625 als Besitzer von Wilbringhoven und Broich zum Landtag beschrieben.
Das Haus Broich blieb bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Besitze der Familie Hoen. Die Erbtochter Luise Katharina Freyfräulein zu Broich und Isengarten, brachte das Gut an ihren Gemahl, den Hauptmann Joh. Peter von Wassenberg, welcher dasselbe am 12. Februar 1779 an den Geheimrat Franz Everhard von Dalwig verkaufte. Ihr Namenszug stand in einem Fenster der Hoppengartner Kapelle (wohl Geldgeber!): "Louisa Catharina von der Lippe gen. Huen Freyfräulein von Broich und Isengarten D.D. 1751". In dem Kaufakt ist von den Gerechtnamen die Rede, die in einem Testamente des Wilh. von Hoen zum Bruch vom 18. Okt. 1591 genannt werden. Das Ehepaar wohnte in Düsseldorf, wo auch beide verstarben.
In dem Kaufvertrag von 1779 an Everhard von Dalwig ist ein interessanter Passus aus dem Testament des Wilhelm von der Lippe gen. Huen aus 1591 erwähnt, der für Broich und Mauel zusammen eine weit ausgedehnte Jagdgerechtssame über die Kirchspiele Dattenfeld, Waldbröl, Rosbach und Leuscheid festschreibt. Kurz nach von Dalwig tritt schon ein neuer Besitzerwechsel ein: "1791 am 19. Aug. verkauft er Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht zu Pfalz Bayern, Richter des Amtes tit. Herr Andreas Paschalis Joesten von dem käuflich an sich gebrachten Rittersitz Broich. Nach der Zeit wurde das Gut parzelliert und das Burghaus abgebrochen und die Ländereien gingen in bürgerliche Hand. So beginnt Heinz Spohr - Lehrer in Windeck 1925/33 - die Abschrift eines Kaufvertrages vom Rittersitz Broich durch Joesten stammend aus der Sammlung Lorenz Fuhrmann und veröffentlicht im Bergischen Kalender 1932 (Quelle Gem. Windeck).
Die gut erhaltenen Bruchsteine sollten zur Restsanrierung und laufenden Unterhaltung der Windecker Kapelle und dem Burghaus Mauel verwendet werden. Die Ländereien soll die Dattenfelder Gemeinde erhalten, sich aber mit dem Pachtzins erkenntlich zeigen.
Am Schluß des Dokuments stehen die Unterschriften der Käufer:
Joes. Wilh. Kölschbach, Joes. Gerhard Piller, Joes. Gererd Külschbach, Johannes Weegen, Joes. Gerhard Hundhausen und Anna Maria Hundhausen.
Das wohl prächtigste Andecken an stolze Rittersitze dürfte die Giebelwand der Gastwirtschaft "Zur Linde" sein. Wie die Karte aus 1830 ausweist, gehörte fast der gesamte Ortskern Windeck einem Gerhard Hundhausen, ohne Zweifel identisch mit dem 1791 genannten Joes. Gerhard Hundhausen und seiner Mutter. Hundhausen ersteigerte 1824 den alten Wiedenhof in Rossel zum Abriss und erbaute daselbst eine neue Schule ( Quelle: Pfarrarchiv Dattenfeld).
Motte in Dattenfeld


so könnte die Motte laut einer Zeichnung früher ausgesehen haben.
Autor: Karl Ludwig Raab
Der Rittersitz Wilberhofen -1693-
Wappen der Fam. von der Lippe genannt Hoen
Die Huensche Burg zu Wilberhofen
Wilhelm Bertram von der von der Lippe gen. Huen verkaufte 1693 Wilberhofen an den Freiherrn Guido Joseph Heinrich D'Orio.
Hier sei eine interessante Anmerkung angebracht:
1699 stellte D'orio den Priester Johann Peter Übersetzig als seinen Hauskaplan ein, wahrscheinlich stammend aus der hier ansässigen Beamtenfamilie Übersetzig.
Am 27. Oktober 1721 ist erneut ein Besitzerwechsel. Der Syndikus der Stadt Köln Max Adam von Ley erwirbt Wilberhofen für 2500 Reichstaler.
Von Ley hatte auch Besitzanteil an der Spitzenburg (Dattenfeld v. Berg) und war wahrscheinlich als Geldgeber beim Bau des Pastorats in Dattenfeld (1741) beteiligt. Er starb in Wetzlar.
Seine Tochter brachte das Rittergut durch Vermählung an Ernst Hamm von Dustenau, ebenfalls Syndikus der Stadt Köln.
Dann scheint der Weg geradeaus zu Max Kaspar Josef Venn, Notar und Bürgermeister zu Waldbröl, zu gehen. Hier beginnt die eigentliche Untersuchung.
Herr Franz Muhr-Kammerich hat aus der umfangreichen Sammlung des ehemaligen Heimatforschers Lorenz Fuhrmann, Windeck,einen Auszug aus dem Versteigerungsprotokoll von 1804 Seite-1, Seite-2 des Rittersitzes Wilberhouen abgeschrieben, was hier verkürzt wiedergegeben wird.
„Ein altes Burghaus mit Stallungen, 57 Morgen Ländereien, ungefähr 33 Gewalten Markerb (Anm.: wohl aus der Mark Wilberhofen), 40 Morgen Büsch, dann eine Mahlmühle von Schöffen und Werksachverständigen 10847 Reichstaler gewürdigt.
(Anm: Es handelt sich um die bis in unsere Zeit bestandene „Ackerermühle", älteren Einwohnern noch bekannt), und mit dazu gehöriger Jagdgerechtsame von 13100 Morgen."
Die Frist ist auf Donnerstag, den 17ten und Freitag den 18 ten künftigen Monats Mai nach Windeck in des Advokaten tit. Stangiers Haus bestimmt, weshalb die Kauflustigen sich dann einfinden wollen.
Venn scheint große Teile des Rittersitzes an sich gezogen zu haben und auch seine Kinder Klara (Denklingen) und Heinrich Josef (Denklingen) entsprechend bedacht zu haben. So erhielten diese die Stallungen mit dem Umland.
Siehe hierzu Ausschnitt Urkarte von 1830 Wilberhofen aus 1830. (Quelle: Katasteramt Siegburg). Von diesen Stallungen sind noch erhebliche Teile als zu Wohnraum umgestaltet erhalten und die Besitzer bis auf den heutigen Tag lückenlos bekannt.
Nach den Geschwistern Venn werden die Geschwister Lewiger Eigentümer. Dann erfolgt die weitere Erwerbung durch Erbfortgang:
1836 - Eheleute Altwicker - Lewiger 1881 - Eheleute Weyer - Altwicker 1927 - Eheleute Josef und Katharina Weyer
1990- 1999 Rolf Gauchel.
Bis hierhin waren die Besitzer mit Hilfe von Frau Margarete Gauchel geb. Weyer zu ermitteln; ab 1999 Eheleute Mario und Tanja Salz.
Von dem alten Burghaus (siehe Karte von 1830), Flurstück 179 Gottfried Kammerich, ist nur noch ein Eckmauerwerk aus Bruchstein vorhanden, was in ein Wohnhaus integriert wurde.
Anm. Flurstück 177 auf der Karte von 1830 von Vogel Peter ist in den Besitz der Fam. Koch aus Wilberhofen übergegangen, die dort eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei erbauten.
Seit 1929 wohnt dort die Familie Schwellenbach. Davor waren die Familien Fiebig und Hasenbach Eigentümer (ab 1911).
Die Lücke von diesen Besitzern bis Diedrich in 1830 ist nicht mehr zu schließen.
Foto : Haus Weyer in Wilberhofen
Autor: Karl Ludwig Raab
Autoren des Texte:
Herr Willi Schröder, Die Rittersitze, Herr Raimund Weiffen, Pfarrbrief 3/2003, Katasteramt Siegburg
























