update: 25.05.2025

Am Vorabend der Französischen Revolution war Deutschland ein loser Verbund von etwa 250 Staaten, sie gehörten alle zum "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation". In diesem Reich sollte der Kaiser, der von den deutschen Kurfürsten auf dem Reichstag gewählt wurde, Träger höchster weltlicher Macht sein. Ein Mosaikstein des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" war das Herzogtum Berg. Seit 1742 wurde das Land von Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach regiert.



Kurfürst Karl Theodor,
war Landesvater der Herzogtümer Jülich und Berg, Pfalzgraf bey Rhein, Herzog in Ober- und Niederbayer, des Heiligen Römischen Reichs Erztruckseß und Kurfürst, Landgraf zu Leuchtenberg, Fürst zu Mörs, Marquis zu Bergen op Zoom, Graf zu Veldenz, Sponheim, der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein.

 


Karte des Herzogtums Berg

 

Das Herzogtum Berg mit seiner Hauptstadt Düsseldorf lag weitab in der deutschen Provinz und wurde von Statthaltern des Kurfürsten, den aus jülischem und bergischem Adel stammenden Herren von Goltstein, von Nesselrode und vom Hompesch verwaltet.

Das Land war in Ämter eingeteilt. Dies waren Verwaltungseinheiten, die sich in Kirchspiel gliederten.
Im südlichen Teil des Herzogtums Berg befanden sich die Ämter Blankenberg und Windeck. Zum Amt Blankenberg gehörten u.a. die Kirchspiele Eitorf, Herchen, Ruppichteroth und Winterscheid.

Das Amt Windeck zerfiel in zwei Teile: das Kirchspiel Much im Westen und fünf weitere Kirchspiele, zu denen auch das Kirchspiel Leuscheid gehörte im Osten.
Die sechs bergischen Kirchspiele Eitorf, Herchen, Dattenfeld, Leuscheid, Much, Ruppichteroth und Winterscheid, die im Jahre 1808 zum Kanton Eitorf zusammengefaßt wurden.

Die beiden Ämter Blankenberg und Windeck waren durch drei uralte Straßen mit der Außenwelt verbunden.

 

Alte Heerstraße

 

Alter Grenzstein an der Heerstraße


Die sogenannte Zeitstraße führte von Bonn über Siegburg-Braschoß-Pohlhausen-Seelscheid durch den nördlichen Teils des Kirchspiels Much, über Bielstein und Denklingen nach Erdingen zur Nutscheid-Straße.
Die Nutscheid-Straße war damals schon in schlechtem Zustand und verlief aus dem Köln-Bonner Raum nach Hennef und von dort über Warth-Allner, und den Rücken der Nutscheid mitten durch die Ämter Blankenberg und Windeck. Die Straße ging weiter nach Siegen, denn im Siegerland wurde Eisen gewonnen, welches man schon immer am Rhein dringend gebraucht hatte.
Zwischen diesen drei Landstraßen gab es in Richtung Nord-Süd Querverbindungen, die alte Kalkstraße von Kircheib und Uckerath über Eitorf und Rieferath nach Altenherfen zur Nutscheid-Straße und von dort nach Ruppichteroth und Schönenberg, in der Regel waren es ausgefahrene Hohlwege und unbefestigte Pisten. Die Hohe Straße, Heerstraße, Römerweg. 

Hauptort des Amtes Blankenberg war Hennef, Hauptort des Amtes Windeck war Waldbröl.
Amtmann war zwischen 1776 und 1794 Freiherr Gerhard Johann Wilhelm Mirbach, zwischen 1776 und 1806 Moritz Freiherr von Graugreben. Beide ließen sich von den Landdingern Johann Andreas Paschalis und danach von dessen Bruder Heinrich Joseph Joesten vertreten. 
Das Amt Windeck hat ein Hochgericht, aber auch drei Nebengerichte in Much, Eckenhagen und Morsbach.

In einer so ungeordneten und unübersichtlichen Welt, in der es noch keine Teilung der Gewalten gab, gediehen Profitsucht und Bestechlichkeit. Sie waren in der Beamtenschaft eher die Regel als die Ausnahme. Was der aus einer alten bergischen Beamtenfamilie stammende Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio, der unter dem Namen "Montanus" schriftstellerisch tätig war, über die Landdinger und Amtsmänner sagte, das traf auch nur zu oft auf den einzelnen Schultheißen, Schöffen und Rentmeister zu: "Er gebot mit einer Art patriarchischer Gewalt und nahm auch in den richterlichen Urteilen mehr sein Ermessen als den kalten Buchstaben des Gesetzes zur Richtschnur". 

Die Gendarmerie, die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, im Großherzogtum Berg war eine der Hauptsorgen vonNapoleon. Deshalb verfügte er im Jahre 1808 die Reorganisation des bergischen Sicherheitskorps.
Die großherzogliche-bergische Gendarmerie-Legion war in zwei Eskadronen zu je zwei Kompanien eingeteilt. Oberst Fitremann, früher Adjutant bei Murat, kommandierte die Legion. 1812/13 wurde er von Oberst Graf von Goltstein abgelöst. Stellvertreter war Oberstleutnant Heinrich von Zuccalmaglio, der am 8. März 1743 in Düsseldorf Hamm geboren wurde und Stammvater der oberbergischen Beamten- und Künstlerfamilie von Zuccalmaglio ist. Vinzenz von Zuccalmaglio (als bergischer Geschichtsschreiber bekannt unter dem Pseudonym Montanus) war der um drei Jahre jüngere Bruder des bekannten Volksliederdichters und - sammlers Anton Wilhelm Florentin v. Zuccalmaglio, der am 12. April 1803 in Waldbröl geboren wurde. Der Vater Jakob Salentin war Rechtsberater des Bergischen Amtes Windeck, dessen Sitz gegen Ende des 18. Jahrh. nach Waldbröl verlegt wurde.

Gendarmerieoberstleutnant Heinrich von Zuccalmaglio

 

 

Sturm auf die Bastille in Paris

In diese chaotische Welt des Feudalismus fuhr der Sturmwind der Französichen Revolution und fegte die alten Strukturen und vergreisten Mächte hinweg.
Diese neue Epoche bergischer Geschichte begann am 14. Juli 1789 in Paris mit dem Sturm auf die Bastille. Unter dem Symbol des Despotismus, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden dann auch mutmaßliche politische Gegner, Adelige und Gesitliche, später auch politische Gegner aus allen Schichten der Bevölkerung verfolgt und durch das Fallbeil, die Guillotine, hingerichtet. Adelige und Geistliche flohen nach Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz und andere Städte.

Am 20. April 1792 erklärte Frankreich den Krieg an Österreich. Preußen und Österreicher marschierten in Frankreich ein, wurden aber von den hochmotivierten Soldaten der französischen Republik geschlagen.
Die Bevölkerung des Bergischen, also auch der Ämter Blankenberg und Windeck, wurde schon 1792 in die Auseinandersetzungen hineingezogen. Durch die Ämter marschierten preußische und österreichische Truppen, die hier einquartiert und verpflegt werden wollten.

Die Bevölkerung des Bergischen zitterte vor den "gottlosen" Franzosen auf der anderen Rheinseite.
Kurfürst Karl Theodor hatte sein linksrheinisches Herzogtum Jülich verloren, und an den Grenzen seines Herzogtums Berg standen die Franzosen. Doch das schien ihn im fernen München nur wenig zu kümmern.
Preußen, welches die Chance eines Sieges über Frankreich wohl gering einschätzte, zog sich aus den Auseinandersetzungen zurück, schloß am 5. April 1795 einen Sonderfrieden.

Solltet Ihr aber so unglücklich sein, Euch wie jene im Elend seufzenden, ihres Eigentums, ihrer Freiheit, ihrer Ämter beraubten Bewohner der Niederlande blenden zu lassen, so sehen wir uns gezwungen, über den Rhein zu ziehen, Euch der Wut Eurer Feinde preiszugeben und ohne Schonung Euch alles das zu entziehen, was der Feind zu seiner Erhaltung finden könnte. 
Dieser Aufruf wurde auch in den Kirchspielen der Ämter Blankenberg und Windeck verbreitet.

Seit 1792 war der Strom der durch das Untersuchungsgebiet marschierenden österreichischen Truppen immer dichter geworden, und seit 1794 gehörten die Ämter Blankenberg und Windeck vollends zum Aufmarschgebiet und Bereitstellungsraum für Österreichische Kavallerie- und Infantrieeinheiten und ihre königstreuen französischen Verbündeten.  

Die Belastung, die der Aufenthalt so zahlreicher Truppen den Ämtern Blankenberg und Windeck brachte, war schon zum Jahreswechsel 1794/95 erheblich.
Die Bauern des Amtes Windeck wurden beauftragt, die Kunstschätze des kurfürstlichen Schloßes Bensberg in Sicherheit zu bringen. Anfang Januar 1795 transportierten u.a. auch Bauern aus den Kirchspielen Much und Leuscheid einen Teil der Gemälde und Wandteppiche auf vierrädrigen Wagen und sechs zweirädrigen Karren nach Denklingen.
Die Inanspruchnahme der Windecker und Blankenberger Bauern durch die österreichischen Truppen ging weiter. Im März 1795 mußte z.B. das Amt Windeck außer Transportbegleitern alle zwei Tage je 30 cm einspännige Karren mit Versorgungsgütern zum Hauptmagazin nach Hachenburg stellen.
 

Die Franzosen kommen, in der Nacht vom 5. auf den 6. Sept. 1795 überschritt die Sambre- und Maas-Armee bei Ürdingen den Rhein und besetzte die bergische Hauptstadt Düsseldorf.
Die Franzosen waren noch schlecht ausgerüstet und gekleidet. Sie waren daher gezwungen, sich das zu nehmen, was sie im "Feindesland" vorfanden. Dabei nahmen sie sich nicht nur das, was sie zum Lebensunterhalt brauchten, sondern sie raubten auch Kleidungsstücke, Schmuck, Schnallen, Besteck, Geld, Monstranzen, Vieh und Pferde.

Einen weitaus detailierteren Bericht über die ersten Tage des Franzoseneinfalls verdanken wir dem evangelischen Pfarrer von Leuscheid, Johann Friedrich Moes: "Den 15. Sept. 1795 des Nachmittags um 4 Uhr ging nach dem Eichstump, um nach dem daselbst befindlichen Zehnten zu sehen. Als ich zurückging, begegnete mit ein Töppenkrämer und sagte, er käme von Röcklingen; dort habe man gesagt, von Altenherfen kämen 3000 Franzosen. Über ein Kleines kam der Schultheiß von Dattenfeld hergesprengt. Ich ging in sein Haus, fragte ihn was Neues. Darauf sagte er mir, in Dattenfeld sei die Nachricht angekommen, die Franzosen seien im Anmarsch; sie hausten barbarisch. Einer anderen Person von Dreisel haben sie zwei Finger abgeschnitten, weil der silberne Ring nicht geschwinde genug ausgehen wollte.    

Etwa am 23. November zogen sich die Franzosen hinter die Wupper zurück. Am 29. Dez. schlossen die beiden kriegsführenden Parteien 3 Monate Waffenstillstand. Das Gebiet war nun wieder von den Österreichern besetzt.

Am 31. März begann der französiche General Kleber seinen Vormarsch an Richtung Sieg und Lahn. In der Schlacht von Altenkirchen am 4. Juni 1796 wurden die Österreicher geschlagen und zogen sich hinter die Lahn zurück. Zur Erinnerung an diesen französischen Sieg finden wir heute den Namen "Altenkirchen" auf dem Triumpfbogen in Paris.

Danach kam es zu der Schlacht vom Kircheip, General Kleber ordnete den Rückzug an, die österreichische Infantrie folgte ihm bis über das Dorf Kircheip. Nach ernstzunehmendem Schätzungen belief sich der Verlust der Franzosen auf 1500 Tote, Verwundete und Gefangene, der der Österreicher auf 400.
General Kleber begann am 29. Juni erneut einen Vorstoß ins Bergische, bis zum 2. Juni hatten auch die Kirchspiele Eitorf, Herchen, Leuscheid, Ruppichteroth und Winterscheid wieder französische Besatzungen.

Erzherzog Karl besiegte die vorrückenden französischen Truppen am 24. Aug. bei Amberg und am 3. Sept. bei Würzburg und zwang sie zum Rückzug.

Seit dem 21. Sept. waren die Ämter Blankenberg und Windeck wieder von den Österreichern besetzt, die nun das fortsetzten was die Franzosen nicht mehr tun konnten. Die Bauern hungerten, und um das Unglück voll zumachen, hatten die Kriegsvölker auch noch die Maul und Klauenseuche eingeschleppt.

Am 13. April kündigte General Hoche, der mittlerweile Oberkammandierender der französischen Truppen am Rhein geworden war, den Waffenstillstand. Bereits am 17. April drangen die Franzosen unter dem General Championnet wieder in die Ämter ein. Nun wurde die Bevölkerung wieder von den Franzosen ausgenommen.

Am 17. Okt. 1797 wurde zwischen Frankreich und Österreich der Friede von Campo-Formio geschlossen. Das Herzogtum Berg blieb unter französischer Besatzung, die weiterhin von der Bevölkerung versorgt werden mußte.

Im Jahre 1801 waren die Dragoner die letzte Besatzungseinheit in den Ämtern Windeck und Blankenberg.

Am 9. Febr. 1801 wurden mit dem Frieden von Lunéville die französischen Revolutionskriege beendet. Die französischen Besatzungstruppen zogen nun aus dem Herzogtum Berg ab.

Mittlerweile war ein neuer Stern am Firmament der Weltgeschichte aufgegangen: Napoleon Bonaparte. Er sollte die Französische Revolution überwinden, aber auch vollenden.
1799 hatten die Franzosen ihn für zehn Jahre zum Ersten Konsul gewählt, 1804 krönte er sich selbst zu ihrem Kaiser.

1805 begann der Dritte Koalitionskrieg, den Napoleon in der "Dreikaiserschlacht" von Austerlitz am 2. Dez. 1805 gegen die Österreicher und Russen siegreich beendete.
Auch das Herzogtum Berg spielte eine Rolle im machtpolitischen Planspiel Napoleons. Es sollte als Mitgliedsstaat des zu gründenden Rheinbundes Frankreich militärische Hilfe leisten.

Unter dem gleichen Datum teilte aus dem Palast der Tuilerien in Paris Napoleon den Bergern mit, daß er den "Prinzen Joachim, Unseren vielgeliebten Schwager", als Herzog eingesetzt habe.

 

Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte



Napoleon Bonaparte

Joachim Murat, Reitergeneral und Marschall von Frankreich heiratete Napoleons Schwester Caroline Bonaparte, war von 1896-1809 Großherzog von Berg



Joachim Murat, Großherzog von Berg

Die neuen Herren, am 19. März 1806 traf Joachim Murat, Frankreichs Reitergeneral und Großadmiral, von seinem Hauptquartier in Köln aus erste Anordnungen zur Übernahme des Herzogtums Berg. Die alte bergische Beamtenschaft beeilte sich, dem neuen Herrn ihre Aufwartung zu machen.
Am 20. März 1806 hatten französische Truppen Düsseldorf besetzt, am 25. März hielt Murat seinen feierlichen Einzug in die Stadt. Am 26. März wurde dem neuen Herzog gehuldigt, die Stände und Beamtenschaft schworen ihm den Treueid.

Schon bald reiste Murat wieder nach Paris ab und überließ die Verwaltung des Herzogtums seinem Vertrauten Jean Antoine Michel Agar. Nachfolger von Agar, wurde Graf Charles Claude Beugnot. Er war kaiserlicher Kommissar, Präsident des Regentschaftsrates und Finanzminister und arbeitet mit dem Innen- Kriegs- und Justizminister Johann Franz Joseph Graf von Nesselrode-Reichenstein zusammen, der einer alten bergischen Adelsfamilie entstammte. Er war Erbmarschall und Erbkämmerer des Herzogtums Berg und Erbdirektor der bergischen Ritterschaft gewesen. Ihm gehörte u.a. auch die Burg Herrnstein im Kirchspiel Winterscheid, wo heute seine Nachkommen leben. Sein Stammschloß lag in Herten / Westfalen und sein Amtssitz war Düsseldorf.

Auch mit der Person des Herzogs Wilhelm in Bayern, der im Auftrage seines Schwagers Maximilian Joseph in Düsseldorf residierte, nahm das alte Zeitalter tränenreich Abschied.

Am 13. Okt. 1807 befahl Murat von Fontainebleau aus die Neuordnung der kommunalen Administration im Großherzogtum Berg, die im Prinzip bis heute noch ihre Gültigkeit hat. "Indem Wir der Munizipal-Verwaltung der Städte und Gemeinden unseres Großherzogtums eine gleichförmige Organisation zu geben willens sind, so haben wir verordnet....".
In 61 Artikeln werden die Einteilung der neuen Verwaltungsbezirke und die Funktionen der Munizipaldirektoren, Beigeordneten, Polizeibeamten und Munizipalräte genau festgelegt.

Am 2. Sept. 1808 legte Provinzialrat Hermann dem Innenminister von Nesselrode dann die Einteilung vor, die bis in unser Jahrhundert hinein gültig bleiben sollte. Es waren die Munizipalitäten Eitorf, Herchen, Leuscheid, Much, Ruppichteroth und Winterscheid. In Herchen wurde von dem Munizipaldirektor Johann Gerhard Anton Übersetzig, der zuvor Herchener Schultheiß gewesen war, verwaltet.
Schon am 14. Nov. 1808 hatte Napoleon vom kaiserlichen Lager in Burgos die Neueinteilung des Großherzogtums Berg in vier Departements verfügt. Das Rhein- ,Ruhr- , Ems- , und Sieg-Departement.
Das Departement der Sieg besteht hiernach aus dem Amte Windeck und einem Teile des Amtes Blankenberg, aus den Grafschaften Homburg und Gimborn-Neustadt, aus der Grafschaft Wildenburg, aus dem Fürstentum Siegen und Dillenburg, von den letzteren die zu dem Herzogtum Nassau gehörenden Ämter Burbach und Wehrheim ausgenommen.
Der Präfekt des Sieg Departements war Johann Anton Schmitz (1770-1857).

 

In den Kirchspielen hatte der Adel längst die Bedeutung verloren, die er im Mittelalter besessen hatte. Der niedere Adel war verarmt, wie z.B. die von Martials aus Herrenbröl bei Ruppichteroth. Der höhere Adel, wie die Familien von Hatzfeld, von Nesselhofen-Reichenstein und von Nesselrode-Ehrenstein, war zwar in den Kirchspielen begütert, lebte aber nicht dort, sondern ließ seine Besitzungen von Verwaltern bewirtschaften und von diesen die ihm zustehenden Zehnten einziehen.
In der Verwaltung der Kirchspiele gaben selbstbewußte Bauern den Ton an.
Es liegt eine Aufstellung über die 30 höchstbesteuerten, also reichsten Personen aus dem Jahre 1913 vor. Die von Nesselrodes, die in den Kirchspielen bedeutenden Grundbesitz hatten, sind in der Liste nicht aufgeführt. Die Liste wird angeführt vom Prinzen von Hatzfeld, der in Berlin lebte.
Carl Franz von Nesselrode-Ehreshoven, dem u.a. Burg Welteroth bei Eitorf gehörte, ernannte Johann Philipp Komp aus Eitorf zu seinem "Kellner" und Rentmeister. Komps Aufgabe bestand darin, die Erträge der gräflichen Güter in den Ämtern Blankenberg, Windeck und Altenwied einzutreiben. 

Als am 5. Febr. 1795  der Herchener Schultheiß Joes Mauritius Bernhardinus Rheinen starb, übernahm Johann Gerhard Anton Übersetzig dessen Stelle. Er wurde am 8.Febr. 1757 in Hahnenbach, Kirchspiel Dattenfeld, als Sohn des Advokaten Franz Wilhelm Übersetzig (geb. am 14.7.1725 im K. Dattenfeld verst. am 7.2.1808 in Herchen) und der Maria Anna Sibilla Weynands geboren und heiratete Maria Barbara Kigeler.
Die Übersetzigs waren eine alte, aus dem Dattenfelder Raum stammende Juristenfamilie. Vater Franz Wilhelm Übersetzig und Sohn Johann Gerhard Anton waren wohlhabend, zählten aber nicht zu den 30 reichsten Familien des Untersuchungsgebietes.

Im Jahre 1809 schrieb Johann Gerhard Anton Übersetzig über die Bewohner der Kirchspiele Herchen und Leischeid: "Die Einsassen bestehen nur aus gemeinen Bauersleuten..., welche kaum ihren Namen schreiben können und sich blos mit ihrem Ackerbau oder etwas Viehhandel bekümmern. 

 

Die Justiz, erst gegen Ende der Franzosenzeit wurde das Justizwesen reformiert. Die Justiz des alten Herzogtums Berg - so wie sie in der Franzosenzeit noch fortbestand - war in ihrer Hierachie dreigegliedert, Sie bestand aus einem Oberapellationsgericht, aus dem Hofrat und den Untergerichten der einzelnen Ämter. In jedem Amt hatten sich seit Jahrhunderten besondere Gewohnheiten der Rechtspflege entwickelt. So gab es im Amte Blankenberg zwei Untergerichte, das "Amtsgericht" und das "Amtsverhör". Ersteres bestand aus dem Landdinger (Richter), dem Gerichtsschreiber und den eigenen Schöffe. 
Das "Amtsverhör" war ein Relikt aus der Zeit, als die Ämter noch von einem Amtmann oder dess Vertreter, geführt wurden. Seit 1806 waren ihnen jedoch die beiden letzteren durch die Provinzialräte und die ihnen folgenden Präfekten, Unterpräfekten und Maires genommen worden.

Das Amte Windeck, zu welchem die Kirchspiele Much und Leuscheid gehörten, lagen die Verhältnisse anders. Das Amt Windeck hatte ein sog. Hochgericht, welches aus dem Richter Heinrich Joseph Joesten aus Waldbröl, dem Gerichtsschreiber Max Joseph Venn aus Waldbröl und 3-4 Schöffen bestand. Es hatte noch drei Nebengerichte, in Morsbach, Eckenhagen und Much.  
Die Zahl der im Jahre 1808 vor den einzelnen Gerichten des Amtes Windeck verhandelten Prozesse belief sich beim Hochgericht und "Amtsverhör" auf 212 (abgeurteilt: 77).



Richter Heinrich Joseph Joesten, das Originalgemälde befindet sich im Heimatmuseum Windeck

 

 

Johanna Katharina Henriette Joesten, Ehefrau des Richters Heinrich Joseph Joesten, das Originalgemälde befindet sich im Heimatmuseum Windeck

(siehe: Die Burgen und das Schloss von Windeck)

Im Windecker Kirchspiel Much übte seit 1712 die Juristenfamilie Joesten Einfluß aus. Ihr gehörte die Burg Overbach. Die Männer, unter ihnen auch der bereits erwähnte windeckische Richter Heinrich Joseph Joesten, wohnten jedoch seit Ende des 18. Jahrh. außerhalb des Kirchspiels. 1790 Gerichtsschultheiß zu Much, dann letzter Richter des Amtes Windeck, und Gerichtsschultheiß von Eckenhagen. Von 1815-1829 war er der erste Landrat des Kreises Waldbröl, in welchem das ehemalige Amt Windeck umgebildet und der im Jahre 1932 aufgelöst wurde.
Der bärbeißige und kinderreiche Windecker Richter und Waldbröler Friendensrichter Heinrich Joseph Joesten aus Overbach bei Much wurde 1815 Landrat des Kreises Waldbröl. Am 23. Mai 1829 verstarb er und wurde in der kath. Pfarrkirche in Much beigesetzt. Seine zahlreiche Nachkommenschaft konnte den Stammsitz St. Martin bei Much nicht halten und verkaufte etwa 1870 die Burg an den kath. Pfarrer Bloch.
Josef Joesten, Regierungsrat zu Bonn, war der Enkel des letzten Richters zu Windeck und bekannt unter dem Schriftstellernamen (Pseudonym) Hans von Windeck.

Mittlerweile war auch der Herchener Bürgermeister Anton Übersetzig beschuldigt worden, Betrügereien im Amt begangen zu haben. Offensichtlich konnten Reiner Komp aus Eitorf und Anton Übersetzig nicht alle gegen sie vorgebrachten Anschuldigungen entkräften. Mitte Februar schieden beide aus ihren Ämtern aus. Auch Anton Übersetzig war nach seiner Abdankung als Bürgermeister bedeutungslos geworden. Von seinen Gütern lebte er mehr schlecht als recht. Als Rechtskundiger wird er sich daher ein wenig Geld als Prozeßberater verdient haben. Über seine letzten Tage schreibt Tochter Clementine ins Familienbuch: "Den 28. January nachmittags 3 Uhr starb mein innigst geliebter Vater Johann Gerhardus Antonius Übersetzig zu Herchen und den 31. January zur Erde bestelliget nach einem 8 tägigen Krankenbette.

Aus den spärlichen Angaben und den Informationen des Windecker Richters Joesten ergibt sich folgendes Bild für die Abgaben und Steuerverordnungen:
In den Ämtern Blankenberg und Windeck gab es folgende Gattungen von Landgütern:

1. Domänengüter (Staatsgüter), die unter der Administration der landesherrlichen Rentbeamten standen undgrößtenteils Anspruch auf Frondienste hatten:

2. Adelige Güter, die sich unterteilten in
a) Rittersitze, deren Besitzer, "wenn sie vollbürtig adelig waren", das Recht hatten, dem Landtag beizuwohnen und vom Personaldienst ihrem Landesherrn gegenüber befreit waren.
b) Ritterfreie Güter, deren Besitzer ebenfalls von Personaldiensten frei waren.
c) Sattelfrei Güter, deren Besitzer in Kriegszeiten einen völlig ausgerüsteten Mann mit Pferd, dem Landesherrn stellen mußten.

3. Lehngüter, die einem besonderem Lehnrecht unterlagen und deren Besitzer auch von Personaldiensten befreit waren

4. Geistliche Güter, die sich unterteilten in
a) Klostergüter, die jedoch 1803 durch den Reichsdeputationshauptschliß in Staatsbesitz übergegangen war
b) Kirchengüter, die unter der Administration von Kirchmeistern stand.

Alle diese Güter waren steuerfrei.

In den Ämtern Blankenberg und Windeck nahmen die Bauerngüter den größten Teil des Landes ein. Sie waren alle "steuer- und schatzbar", d.h. die Bauern zahlten Steuern an den Staat, bzw. an den jeweiligen Landesherrn.
Diese Dienst und Dienstgelder werden mit Unwillen gegeben, und die Bewohner wünschen sehr, indem diesselben doch im Lande ganz verschieden sind, derselben Entlassung.

Das Ende der Franzosenzeit, der Untergang der bergischen Lanziers in der Völkerschlacht bei Leizig.

Im Februar 1813 schloß Preußen mit Russland ein Bündnis und erklärte am 15. März 1813 Frankreich den Krieg. Mittlerweile hatten die Preußen die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, um genügend Soldaten gegen Napoleon mobilisieren zu können.
Im Mai 1813 konnte Napoleon noch einmal bei Lützen und Bautzen verlustreiche Siege gegen Preißen und Russen erringen. An den oben erwähnten Schlachten nahm auch die Eskadron bergischer Lanziers teil, deren Kommandeur, Major von Witzleben, allerdings schon bei Lützen zu den Preußen überlief. 

Am 4. Juni unterzeichneten Frankreich, Russland und Preußen ein Waffenstillstandsabkommen.

Die Truppenkonzentration im Großherzogtum Berg und Sieg-Departement brachte auch gesundheitliche Probleme mit sich. Ansteckungskrankheiten waren die ständigen Begleiter der Heerzüge. Auf Wunsch Napoleons sollten 1813, 3000 Kranke und 3000 Rekonvaleszenten im Großherzogtum Berg untergebracht werden.
Wie Napoleon seine Soldaten fachmännisch inspizierte und dabei immer wieder faszinierte, wurde bei dieser Truppensch deutlich.

So berichtet ein Augenzeuge:
"Napoleon kam im Galopp angeritten und parierte vor der Front der bergischen Lanziers. Er rief einen Lanzier, der einen auffallenden Bleß-Fuchs ritt vor, und ließ ihn sein Pferd abpacken. Nachdem er den Rücken besehen und kurz die Ausrüstung gemustert hatte, ließ er sich von dem Lanzier ein Stück seines Kommißbrotes reichen, kostete es, zerrieb es auf der Hand und roch daran. Dann brummte er ein ein trockenes "pas mal" (nicht schlecht) und ritt weiter.

Die Entscheidung gegen die Franzosen fiel in der Völkerschlacht von Leipzig, die am 16. Okt. voll entbrannte. 190000 Soldaten und 690 Geschützen der französischen Armee standen auf preußischer, russischer und österrischischer Seite 205000 Soldaten und 918 Geschütze gegenüber. Die Schlacht dauerte vier Tage und besiegelte erneut - nach Spanien und Russland - das Schicksal der bergischen Lanziers-Brigade. Die Katastrophe brach am 18. Oktober über die Berger herein.

 

Preußens Gloria,
"Die Stunde der Rache hat geschlagen! Die Morgenröte der Freiheit ist aufgegangen. Nach einer langen, dunklen Nacht voll Druck und Elend, voll Schmach und Not, voll Verfolgung und Entbehrung bricht endlich der helle Tag eines neuen kräftigen Lebens an. Deutschland ist wiedergeboren.

Unter provisorischer preußischer Verwaltung, am 25. Nov. 1813 wurde der Staatrat Justus Gruner zum provisorischen Generalgouverneur des ehemaligen Herzogtums Berg ernannt. So begann der provisorische Generalgouverneur seine "Aufforderung an die deutschen Jünglinge und Männer zum Kampfe für Deutschlands Freiheit. Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen.
Zwei militärische Aktionen gegen die Franzosen am Rhein sollten die Phantasie späterer Hurrah-Patrioten beflügeln.
Mitte Februar 1814 bestand die Bergische Brigade aus dem 1. und 2. Bergischen Infanterie-Regiment, einem Grenadier-Bataillon und einem Husaren-Regiment. Diese Truppen befehltigte der preußische Generalleutnant von Hünerbein.
Es herrschte ein rüder Kasernenton. Beim Exerzieren waren Schimpfwörter wie Racker, Hund, Canaille an der Tagesordnung. Die Stimmung in der Truppe war nicht gut, hinzu kam, daß die einfachen Soldaten oft von ihren Vorgestzten geschlagen wurden.

Im September 1814 traten in Wien die Monarchen und Staatsmänner Europas zusammen, um Europa  unter sich neu aufzuteilen. Auf diesem "Wiener Kongress" wurde auch über das Schicksal des ehemaligen Herzogtums Berg entschieden. Mit den Rheinlanden fiel es an Preußen.
Doch die Besitzergreifung am 5. April 1815 konnte gar nicht gebührend gefeiert werden, denn Napoleon erhielt erneut Europa den Atem an. Er hatte im Februar Elba, die Insel seiner Verbannung", verlassen und war nach Paris marschiert. Preußen und seine Verbündeten machten mobil. Der Frankreichfeldzug des Jahres 1815 begann.   

 

Zeitzeuge Gerhard Joest aus Hoppengarten war dabei.
Folgen wir dem auf dem langen Marsch dem in Hoppengarten am 30. Okt. 1789 - im Jahr der Französischen Revolution - geborenen Gerhard Joest, der 1820 die Maria Elisabeth Patt aus Köttingen bei Eitorf heiratete. Er gehörte der Konskription des Jahres 1809 an, scheint aber nicht unter Napoleons gedient zu haben, denn in den Matrikelregistern der großherzoglichen-bergischen Armee ist sein Name nicht zu finden. Nun war er "unter den Hut der Preußen" gekommen und diente im Infantrie-Regiment 29. Von ihm ist uns ein Tagebauch erhalten, in welchem er aus der Perspektive des einfachen Soldaten die Ereignisse diese Feldzuges schildert. Am 30. März 1815 setzte sich sein Regiment von Elberfeld über Aachen, Lüttich und Namur nach Gosselies in Marsch, wo es am 25. April ankam.
Die kriegerischen Ereigniss, die Gerhard Joest in dürren Worten aus der Froschperspektive des einfachen Soldaten beschreibt, sind das Gefecht bei Gosselies und die Schlachten bei Ligy und Waterloo.
Bald schon war das Schlachtfeld mit toten, verwundeten und sterbenden Soldaten und Pferden bedeckt, Kanonendonner, Gewehrfeuer und Hurrah-Gebrüll vermischten sich mit dem Geschrei und Stöhnen der Verwundeten und Sterbenden. Gegen Abend stand die Schlacht immer noch auf des Messers Schneide, und Wellington soll gesagt haben: "Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen".
Die französische Garde wurde daraufhin zusammenkartätscht.
Als gegen 20 Uhr Gerhard Joest mit seinem 29. IR. bei Belle Allinance eintraf, war schon alles entschieden. 45000 Tote und Verletzte und Verwundete lagen auf dem Schlachtfeld: 25000 Franzosen, 13000 Engländer und 7000 Preußen.
Die preußische Kavallerie verfolgte den Feind schnell, wo der Feind immer unaussprechlich Verlust hatte. Der Verlust von unserer Seite war unbedeutend.
Bei Genappe des Napoleons sein Wagen gefangengenommen wie auch ein Adjutant von dem tapferern Schlesinger Bataillon des Major von Keller. Funkeln sah man den Stern von dem Napoleon sein Rock, welchem man in seinem Wagen bekam. Freudig wurde hier gerufen von der Armee, wie man seinen Rock sah mit seinem Degen in die Höhe streckten, welches er alles, um sein Leben zu erhalten, im Stich gelassen hatte.
Die 1. und 2. Brigade hatte ein starkes Gefecht, und die Kanonen- und Gewehrschüsse des Feindes dauerten bis Mitternacht, wo alsdann ein wenig Halt gemacht. Nicht lange dauerte es, da ging der Kampf wieder an bis morgens 10 Uhr, wo der Feind sah, sich nicht mehr zu helfen.
In gleicher Zeit wurde eine Unterhaltung zwischen den Alliierten und dem Signal in Paris geführt. Die Armee blieb aber in der Linie Stehen, bis die Übergabung fertig war, und das schöne Paris wurde übergeben.

Den 7. Juli zog sich die Armee zusammen, wo nach einem geendigten Gottesdienst in Paris einmarschiert wurde.
Gerhard Joest blieb als Besatzungssoldat in Frankreich. Unter dem 16. Oktober 1815 vermerkt er: "Da kam die Nachricht, daß wir nach Hause marschieren sollten, welches uns sehr angenehm war".
Gerhard Joest, der das Grauen von Waterloo gesehn hatte, starb am 22. Okt. 1842 in Köttingen bei Eitorf. Er war ein frommer Mann geworden und hatte 1824 geholfen, das Köttinger Dreifaltigkeitskreuz zu errichten, welches von Mathias Bohlscheid, dem Großvater seiner Frau, auf dem Sterbebette gestiftet worden war. Gerhard Joest trug die Geburt seiner Kinder in dieselbe Kladde ein, in welcher er über seine Kriegserlebnisse geführt hatte. Hinter dem Namen jedes seiner Kinder vermerkte er: "Gott gebe ihm/ihr das zeitliche und ewige Glück.


Das von Gerhard Joest 1824 mitaufgestellte Köttinger Dreifaltigkeitskreuz an seinem neuen Standort

Das von Gerhard Joest 1824 mitaufgestellte Köttinger Dreifaltigkeitskreuz an seinem neuen Standort

 

Epilog

Napoleon wurde nach St. Helena verbannt, am 5. Mai 1821 verstarb er auf St. Helena an Magenkrebs. Als seine Frau im Juni die Nachricht erfuhr, war sie im 8. Monat von Neipperg schwanger.

Sein Bruder Louis soll von seinen eigenen Leuten erschossen worden sein.

 



Original Pfeife von Napoleon Bonaparte III. nach seiner Gefangennahme durch Windecker Soldaten, sie befindet sich im Privatbesitz


Am 5. September 1870 gegen 15 Uhr sollte Napoleon III. durch die Bürgermeistereien Eitorf, Herchen und Dattenfeld passieren. Im Coupe erster Klasse eines Militär-Extrazuges, verborgen hinter einer Gardine, reiste der Besiegte von Sedan ab nach Kassel in die Verbannung.

General Ney, der während des 1795er Feldzuges u.a. auch in den Kirchspielen Much und Ruppichteroth operiert hatte und am 20. Okt. 1795 im "Heymanns Haus" in Ruppichteroth einquartiert war, wurde nach der Niederlage von Waterloo von der französichen Restaurationsregierung wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und erschossen.

Das gleiche Schicksal ereilte Joachim Murat, den ersten Großherzog von Berg und späteren König von Neapel. Die zurückkehrenden Bourbonnen erklärten ihn zum Staatsfeind und ließen ihn am 13. Okt. 1815 in Pizzo / Kalabrien erschiessen.

Der Innen- , Justiz- , und Kriegsminister Johann Franz Joseph Graf von Nesselrode-Reichenstein übernahm nach der Franzosenzeit kein öffentliches Amt mehr. Persönlicher Kummer blieb ihm erspart. Seine Söhne starben zu seinen Lebzeiten.
Graf Johann Franz Joseph setzte den Sohn seiner ältesten Tochter Maria Carolina Theresia Josepha, die seit 1799 mit Adoph Heidenreich Bernhard Freiherrn Droste zu Vichering verheiratet war, zum Universalerben ein. Dieser führte auch den Namen Nesselrode weiter.
Am 24. Okt. 1824 verstarb der Graf auf Schloß Herten in Westfalen. Heute befindet sich der Wohnsitz der Familie in Herrnstein im Bröltal, von wo aus Adolf Graf Droste zu Vischering von Nesselrode-Reichenstein die gräflichen Güter verwaltet.

Wir Rheinländer haben Preußen viel zu verdanken. Eigentlich müßte uns sein Untergang genauso wehmütig stimmen wie es der Historiker Joachim Fernau schrieb: "Preußen ist mit Würde untergegangen. 1871 als es sein kleines Licht gelöscht, als das größere entzündet wurde. 1945 ist es einen Soldatentod gestorben. Preußen, mit dem wir Rheinländer nicht nur Jahre des Ruhms, sondern auch der Not und Niederlage erlebten, gibt es nicht mehr. Für viele war es gleichbedeutend mit Militarismus, Drill, Kadavergehorsam, Arroganz und Chauvinismus.
Nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg, der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und der Überwindung des Kulturkampfes zeigten sich auch die rheinischen Katholiken dem protestantischen Herrscherhauses Hohenzollern gewogen und wurden gute Patrioten. 

 

 

Quellenverzeichnis