200 Jahre Großherzogtum Berg (1806) 

Wappen der Herzöge von Berg

 

Die territoriale Entwicklung des Herzogtums Berg


Karte Rheinprovinz, Prof. Dr. Hermann Aubin, Köln / Bonn 1926

 

Die Entstehung des Großherzogtums, zuvor Herzogtum, war eine Folge der der französischen Revolution mit der Folge, dass Napoleon Kaiser eines liberalen Frankreichs wurde, in dem der Adel entmachtet worden war.

 


Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen



Französische Revolution und Preußens Gloria um das Amt Windeck




Wappen der Grafschaft Wildenburg


 

Wappen der Herzöge von Sayn

 

Betroffen waren in der Region die Reichsherrschaft Gimborn-Neustadt sowie ebenfalls die Grafschaften Wildenburg und Sayn- Homburg.


Mit Dekret vom 28. 3. 1806 wird allen bergischen Einwohnern erklärt, dass die Herrschaft gewechselt habe. 



Daneben hatte es bereits früher Veränderungen gegeben. Zur früheren Herrschaft, d.h. dem Hause Wittelsbach, gehörte ehemals

 


Wappen der Grafen Wittelsbach

 


Wappen Herzogtum Jülich Berg

 

noch das Herzogtum Jülich. Dieses war aber seit 1794 schon französisch besetzt, seit 1801 annektiert und der französischen Republik einverleibt. Seine Einwohner waren nun französische Staatsbürger.

Erinnerung an die Wittelsbacher in Düsseldorf: Statue mit Jan Wellem vor dem Rathaus.

 

Das Entstehen eines strategisch wichtigen Pufferstaates auf dem rechten Rheinufer.

Der siegreiche erste Konsul Napoleon kann infolge seiner Siege den Besiegten gegenüber nun seine Ideen durchsetzen und dazu gehört auch die Errichtung eines Pufferstaates auf dem rechten Rheinufer, der Frankreich von der östlichen Großmacht Preußen trennen sollte. Preußen hatte sich 1805 klug abseits gehalten, als der mittlerweile aus eigener Machtfülle zum Kaiser der Franzosen aufgestiegene Napoleon in der Drei- Kaiser-Schlacht von Austerlitz die Gegner Österreich und Russland bezwang. Es folgen auf dem eingeschlagenen Weg weitere Umwälzungen: Bayern tritt Berg ab, später gibt Preußen Kleve dazu und fertig ist ein passables Territorium. Es geht an den treuen alten Mitstreiter und Verwandten Murat , der nach einer Belohnung lechzt und neben dem die ehrgeizige Schwester des Kaisers, Karoline, steht.

Die diplomatischen Ränke sind grotesk. Eigentlich hat Napoleon zugestanden, dass er Berg an einen deutschen Reichsfürst geben kann. Darüber setzt er sich hinweg und übergeht diese anfängliche Klausel, indem er „den Fürsten Joachim“ beglückt. Als Reitergeneral ist dieser zwar nicht gerade ein Fachmann für Staatsverwaltung und Reformpolitik, wie sie dem Kaiser vorschweben, der ihm deshalb Fachminister aus Paris zugesellt, die ihn beraten, aber ebenso kontrollieren sollen. Denn alle Verwandten, die er auf Throne setzt, sind eigentlich seine Statthalter, Vertreter französischer Interessen.

Die neue bergische Verwaltung. Murats Expansionsgelüste.

In Berg kann sich der neue Regent, der am 24.3.1806 in seine neue Hauptstadt Düsseldorf einzieht, neben den französischen Beratern auch auf bewährte Beamte des vorigen Regimes stützen. Es sind Fachleute, die das Land und seine Institutionen kennen. Sie sind den eindringenden französischen Ideen von Umgestaltung nicht abgeneigt oder unterwerfen sich den neuen Machtverhältnissen. Am 15. 3 waren sie vom Treueeid gegen König Max von Bayern in München entbunden worden.

Die folgenden zwei Jahre nutzt Murat, um Macht, Einfuß und Einkommen ständig zu erweitern. Mit dem anfänglichen Herrschaftsbereich war er nämlich unzufrieden. Auch nach Ansicht seiner Frau hatten andere besser abgeschnitten. Immerhin waren ja drei neue Königreiche entstanden, in Holland für den Kaiserbruder Louis und für die Verbündeten in Bayern und Württemberg. Das Erweitern und Arrondieren nahm gleich von Anfang an seinen Lauf, wie die Besitzergreifung der an Berg angrenzenden kleinen Herrschaften zeigt, die am 28.3.06 befohlen wurde. Der Erwerb von Berg, von dem sich Bayern trennen konnte, bedeutete ja keineswegs, dass die Anrainer gleich mit kassiert werden konnten. Murat konnte zu seiner Entschuldigung – die keiner von ihm verlangte – allenfalls vorbringen, dass Bayern es mit seinen Anrainern ebenso machte. Der Habsucht waren unter dem Schlagwort Mediatisierung und Säkularisation alle Tore geöffnet.

 

Autor des Textes: Karl L. Raab

Quellenverzeichnis