update: 01.06.2025
Fotogalerie der Familien Kammerich
An den nordwestlichen Hängen des Nutscheid-Höhenzuges entspringt der Kammericher-Bach, der bei Ahe zwischen Ruppichteroth und Schönenberg in den Waldbröl-Bach mündet.
Kurz vor seiner Mündung liegt etwas westlich das kleine Dörflein Kammerich (1481 Kammerbricht, 1483 v. Kamerbrecht geschrieben), das vermutlich bei der Entstehung des Familiennamens Pate gestanden hat.
In den Dattenfelder Kirchenbüchern taucht der Familienname Kammerich im Jahre 1695 zum ersten Male auf. Ob der Bestgen (Sebastian) Cammerich damals aus dem nahegelegenen Orte Kammerich übers „Gebirge" nach Wilberhofen eingewandert ist, liegt nahe, läßt sich aber aus den vorliegenden Urkunden nicht beweisen. 1712 gibt es in Rossel einen Johann und in Wilberhofen (1508 Wilbergaben, 1566 Weilberhoven, 1575 Wilberickhouen, 1582 Wilberhoffen, 1693 Wilberinghoven) einen Peter Kammerich.

Kirchenbuchauszug von 1772 Heirat von Peter Weiffen und Maria Margartha Cammerich
Maria Margaretha Cammerich heiratet 1772 den Schmied Peter Weiffen aus Rossel, von denen alle Weiffens in der Umgebung abstammen.

Kirchenbuchauszug von 1781 Heirat von Joannes Gerhardus Cammerich und Anna Catharina Vogel

Kirchenbuchauszug von 1788 Heirat von Joannes Gerhardus Cammerich und Anna Catharina Bestgen
Familie des Johannes Gerhard Kammerich ab 1770
Der Urvater der Kammerichs war Johannes Gerhard Kammerich geb. 1770 verheiratet mit Anna Catharina geb. Bestgen
Kinder von Johannes Gerhard Kammerich
| Name | geboren am | verheiratet mit: |
| 1. Maria Catharina | 1.3.1789 | |
| 2. Johann Peter | 11.5.1790 | Piller Karoline geb. 1806 |
| 3. Christian Gerhard | 28.2.1792 | |
| 4. Anna Elisabeth ? | 18.9.1795 | |
| 5. Johann Wilhelm ? | 2.6.1797 | |
| 5. Anna Gertrud | 19.9.1802 | |
| 6. Gottfried (Godefredus) | 7.10.1804 | Anna Margaretha Etzbach geb. 1805 |
| 7. Anna Catharina ? | 6.6.1808 |
6.1. Stammbaum von Gottfried (Godefredus) Kammerich und Anna Margaretha geb. Etzbach
6.1 Stammbaum der Familie Gottfried (Godefredus) Kammerich
| 6.1 | Gottfried (Godefredus) | geb. 1804, gest. 1875 | |
| verh. mit Anna Margaretha, geb. Etzbach | geb. 1805, gest. 1852 | ||
| 6.1 | Kinder von Gottfried (Godefredus) | ||
| 6.1.1 | Peter Josef, Kammerich | geb. 1833, gest. 1897 | Mitgründer und Leiter des Betriebes zu Wilberhofen im Jahre 1875 |
| 6.1.2 | Anton, Kammerich | geb. 1835, gest. 1893 | Gründer des Berliner Werkes im Jahre 1863 |
| 6.1.3 | Josef, Kammerich | geb. 1840, gest. 1898 | |
| 6.1.4 | Gottfried, Kammerich | geb. 1844, gest. 1910 | Erbauer der Wilhelmshöhe von 1899-1900 |
| 6.1.5 | Heinrich, Kammerich | gest. in Amerika | |
| 6.1.6 | Gerhard, Kammerich | gest. in Bad Kreuznach | |
| 6.1.7 | Maria Anna, Kammerich | ||
| 6.1.8 | Margarethe, Kammerich |
gründete mit Anton und Gottfried 1884 das Eisenwerk in Schladern |
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| 6.1.1 | Kinder von Peter Josef Kammerich | ||
| 6.1.1.1 | Olga, Kammerich | ||
| 6.1.1.2 | Fritz, Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.3 | Willi, Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.4 | Helene, Kammerich | verh. mit Hauptlehrer F. Lückerath, Dattenfeld | |
| 6.1.1.5 | Carl Kammerich | Chronik des Carl Kammerich | |
| 6.1.1.6 | Anny, Kammerich | gest. 1965 | |
| 6.1.1.7 | Käthe, Kammerich | ||
| 6.1.1.8 | Maria, Kammerich gen. Mutts | ||
| 6.1.1.9 | Gerhard Kammerich | gest. 1879 | |
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| 6.1.2 | Kinder von Anton Kammerich | ||
| 6.1.2.1 | Arthur, Kammerich | ||
| 6.1.2.2 | Walter, Kammerich | ||
| 6.1.2.3 | Johanna, Kammerich | ||
| 6.1.2.4 | Toni, Kammerich | ||
| 6.1.2.5 | Alice, Kammerich | ||
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| 6.1.4 | Kind von Gottfried Kammerich | ||
| 6.1.4.1 | Margarethe, Kammerich | verh. mit Baron Eschwege | |
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| 6.1.1.2 | Kinder von Fritz Kammerich | ||
| 6.1.1.2.1 | Willi, Kammerich | gest. 1958 | |
| 6.1.1.2.2 | Karl, Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.2.3 | Kurt Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.2.4 | Anneliese, Kammerich | ||
| 6.1.1.2.5 | Hildegard gen. Hilde, Kammerich | verh. mit Förster Klein | |
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| 6.1.1.2.2 | Karl Kammerich | geb. 27.8.1915 , gest. 1.7.1982 | heiratete Ruth Lichtenberg, geb. 11.1.1917 |
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| 6.1.1.2.3 | Kinder von Kurt Kammerich | ||
| 6.1.1.2.3.1 | Werner, Kammerich | geb. 1951, gest. 2012 | |
| 6.1.1.2.3.2 | Bernd, Kammerich | ||
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| 6.1.1.3 | Kinder von Wilhelm -Willi- Kammerich | heiratete am 27.11.1917 Gertrud Wolken in Krefeld | |
| 6.1.1.3.1 | Helmut Kammerich | geb. 20.10.1918, gest. 20.1.1944 | |
| 6.1.1.3.2 | Alice Josefine Kammerich | geb. 20.10.1924, gest. 3.1.2011 | heiratete am 26.4.1959 Josef Schneider in Siegburg |
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| 6.1.1.5 | Kinder von Carl Kammerich | heiratete 1920 Mia Mandt | |
| 6.1.1.5.2 | Inge Kammerich | geb. 1.7.1927 | heiratete Karlheinz Stellmach (Schwiegersohn des Carl lebt heute im Jahr 2025 in Troisdorf) |
| 6.1.1.5.2 | Kinder von Karlheinz Stellmach und Inge Kammerich | ||
| 6.1.1.5.2.1 | Frank Stellmach | geb. 28.4.1961 in Troisdorf | |
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| 6.1.1.5. | Familie des Carl Kammerich mit Elisiana Norman | ||
| Stammbaum der Familie Carl auf Ponape | Anm.: Damals wurde Vor- und Zunamen des Carl Kammerich auf der Insel Ponape heute Pohnpei verwechselt deshalb heißt die Familie Carl | ||
| 6.1.1.5.1 | Jospeh Carl, verh. mit Merithe | geb. 1914, gest. 1996 | |
| 6.1.1.5.1 | Kinder von Jospeh Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1 | Sohn Yoster Carl, verh. mit Persither Pelep | geb. 15.10.1933, gest. 15.4.2022 | |
| 6.1.1.5.1.2 | Sohn Yoshiro Carl | geb. 17.12.1935, gest. 1992 | |
| 6.1.1.5.1.3 | Tochter Beauter Carl | geb. 1950 | |
| 6.1.1.5.1.4 | Tochter Beautina Carl | geb. 1952 | |
| 6.1.1.5.1.5 | Tochter July Carl | geb. 1955 | |
| 6.1.1.5.1.1 | Kinder von Yoster Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1.1 | Patrik, Carl, verh. mit Elaine Hadley | geb. 23.6.1972 | |
| 6.1.1.5.1.1.1 | Kinder von Patrik Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1.1.1 | Sohn Kimo Ryan Carl | geb. 4.7.1994 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.2 | Tochter Aileen B. Carl | geb. 12.3.1998 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.3 | Tochter Destiny J. Carl | geb. 23.7.2002 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.4 | Tochter Keau Carl | geb. 24.10.2004 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.2 | Tochter von Aileen B. Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1.1.2.1 | Tochter Kandice Haze | geb. 29.8.2017 | |
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| 6.1.1.8. | Kinder von Maria Halfman geb. Kammerich | heiratete Martin Halfman am 23.3.1925 in Linz | |
| 6.1.1.8.1 | Otto Heinrich Martin Halfman | geb. 1926 in Linz | |
| 6.1.1.8.2 | Ilse Olga Maria Halfman | geb. 1928 in Linz | |

Gesellschaft der Kammerichs auf dem Breitenbruch in Wilberhofen

in der guten Stube auf dem Breitenbruch in Wilberhofen

Haus Kammerich am Breitenbruch in Wilberhofen
Gutshof Kammerich auf der Wilhelmshöhe bei Rossel nach 1899
Entstehung Gutshof Wilhelmshöhe durch Gottfried Kammerich 1899
Die Großeltern und ihre 10 Kinder, ein Bericht von Hildegard gen. Hilde Klein, geb. Kammerich
Peter Josef Kammerich 1833 -1897 und Anna Klara Josefine Wirwa 1849 – 1933
(Originalton wiederum Hilde Klein)
Während seiner geschäftlichen Tätigkeit in dem Berliner Betrieb lernte Peter Josef Kammerich seine spätere Frau, die aus Breslau gebürtig war, kennen. Mit ihr, den Eltern und den aus Berlin stammenden jungen Meistern Emil und Gustav Fiebig kehrte er nach Wilberhofen zurück, um hier die Leitung der Feilenfabrik zu übernehmen. Auch wenn er sicher nicht ein Genie wie sein Bruder Anton war, wusste er dennoch durch den richtigen Einsatz seines wachen Verstandes, zusammen mit den tüchtigen Meistern und einer vorbildlichen unermüdlichen Belegschaft, die Firma unter seiner umsichtigen Führung erfolgreich zur Blüte zu bringen. So legte er für seine Söhne Gottfried und Wilhelm den Grundstein für ein florierendes, damals mittelgroßes Werk, das zwar auf Wellenbergen ruhmreiche, glanzvolle Zeiten sah, aber in Wellentälern auch oft unterzugehen drohte. Doch allen Fährnissen zum Trotz blieb es - später von Fritz dem Kaufmann und Willi dem Techniker mit absoluter Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit, aber auch mit bewundernswürdigem Fleiß geführt, mehr als 100 Jahre existent !

Tüftler Fritz Kammerich bei der Arbeit

Familie mit Etzbachs vor dem Haus am Breidenbruch - die kleine Mutts links mit dem Ball
Auf der Höhe seines erfolgreichen Schaffens starb Peter Josef Kammerich mit 64 Jahren 1897 und ließ seine 16 Jahre jüngere Frau mit acht Kindern ( zwei waren bereits verstorben ) zurück. Diese waren: 1. Olga * 1875 2. Gottfried * 1877 3. Wilhelm * 1878 4. Helene * 1881 5. cari * 1882 6. Anny * 1884 7. Käte *1886 8. MARIA ( unsere Mutts ) * 1890. Die von Gestalt kleine und zierliche Mutter war unbestritten eine markante Persönlichkeit, was sie gerade nach dem frühen Verlust ihres Ehemannes tatkräftig unter Beweis stellte. Sie bestimmte ihren Ältesten, noch nicht 21 jährigen Sohn Fritz zum Vormund seiner unversorgten Geschwister und überließ ihm und dem um ein Jahr jüngeren Willi das schwere Los, fortan die Geschicke der Firma zu bestimmen. Selbstverständlich machte sie als stille Teilhaberin von ihrem Mitspracherecht Gebrauch und ließ sich über den jeweiligen Geschäftsstand informieren, bis das letzte Kind standesgemäß ausgebildet und versorgt war ( - dieses war unsere Mutts, die ihr Lehrerinnen-Examen abgelegt hat, und als solche arbeitete, bis sie 1925 Martin Halfmann -unseren Paps- heiratete ).
Ohne selbst in den öffentlichen Mittelpunkt zu treten hat diese Frau sich außer um die eigenen Kinder rührend um alte und kranke Betriebsangehörige gekümmert. Obwohl sie als äußerst zurückhaltend galt, war sie dennoch, wenn es um wirkliche Not bei anderen ging, immer bereit, aus der Stille ihres Refugiums spürbare finanzielle Hilfe zu leisten, was bis heute bei der älteren Bevölkerung unvergessen ist. Als sie dann 1933 mit fast 84 Jahren starb (Ott hat noch Kindheitserinnerungen an diese Großmutter), trauerte das ganze Dorf um sie.
1905 hatte auch das Zweigwerk in Wilberhofen die Fabrikation von Preß- und Stanzteilen aufgenommen, allein im Preßwerk waren durchschnittlich fünfzig Leute beschäftigt. Der sehr hohe Auftragsstand zwang im Lauf der Zeit zu immer währenden Überstunden. Um flexibler zu werden, das bedrückende Ausmaß der stets zunehmenden Arbeit überhaupt bewältigen zu können, schafften die Firmeneigner Gottfried und Wilhelm das zu dieser Zeit noch aufsehenerregende Auto an, einen Sechssitzer - Presto.

Erstes Auto ein Presto Typ D der Firmeneigner Gottfried und Wilhelm auf dem Breidenbruch
Dies ist in der Tat ein Presto Sechssitzer und zwar wahrscheinlich vom Typ D, den es in mehreren Versionen gab (siehe Anhang). Er wurde von 1921 bis 1925 hergestellt. Ich vermute, die Aufnahme entstand vor der Rückseite des Kammerich-Hauses am Breidenbruch. Darauf lässt die Anordnung der Fenster und die Art und Ausrichtung des Schiefers an der Wand schließen, hat J. Schneider recherchiert.
PDF Beschreibung Presto Typ D

Sensation auf dem Breidenbruch in Wilberhofen für die Kammerichs Kinder
Auch hier musste die Fabrikation nach dem ersten Weltkrieg eingestellt werden.
An der Sieg, Otts Großmutter eingerahmt von Baeckers aus Siegen, Mutts ( Maria ) und Papps, Tante Käte und Tante Anny
Nun erzählt uns Hilde Klein von den Geschwistern » unserer Mutts « bzw. Oma.

Carl Kammerich als Polizeioffizier auf Ponape in Neuguinea
Als ersten stellt sie Carl ( 1882 - 1958 ) vor. Den gut gemeinten Rat der Familie, sich entweder im Betrieb zu entfalten oder den soliden Beruf des Lehrers zu ergreifen, schlug er lachend in den Wind. Das warme Nest überließ der den Geschwistern. Es zog den Draufgänger aus der Enge des Dorfes in die weite Welt hinaus. Als Schiffsjunge heuerte er an und kam so über die großen Meere in alle Erdteile, von denen Australien sein Lieblingsplatz wurde. Fortan gehörte sein Herz der Südsee, jener zauberhaften Inselwelt, von der für ihn eine Faszination ausging, die ihn sein ganzes Leben beherrschen sollte. Daran änderte auch seine zeitweilige Rückkehr in die Heimat nichts. Nachdem er es bei der Marine bis zum Offiziersstellvertreter gebracht hatte, war man auf ihn aufmerksam geworden, und durch ein verlockendes Angebot der Regierung erreichte er nach harten Lehr- und Wanderjahren auf der mikronesischen Insel Ponapé sein großes Ziel. Im großen Herder, Ausgabe von 1935 wird die Insel folgendermaßen beschrieben: » Die 350 qkm große und 872 m hohe Insel der Karolinen ist tief zerschluchtet und mit Urwald bedeckt, der basaltische Kern von Riffen umgeben. 7914 eingeborene Mikronesier, 609 Japaner und 29 Fremde leben hier. Auf dem Ostriff liegt die Heilige Stadt, eine Kultstätte aus 92 Steingehegen mit 10 m hohen Mauern. Ausfuhr von Kopra. Am 7.10.1914 von den Japanern besetzt.« Hier, auf sich allein gestellt, arbeitete er viele Jahre als Kolonialbeamter sehr erfolgreich. Zum Schutz der Insel gründete er eine schwarze Polizeitruppe, deren unerschrockener Chef er war. Als er einmal, einen Engpass ausfüllend, den Postdienst übernahm, drohten, da das Postschiff längst überfällig war, die Briefmarken auszugehen. Er wusste sich zu helfen, in dem er kurzerhand die Briefmarken durchschnitt - noch heute eine Rarität für Briefmarkensammler! -

Postkarte von Carl Kammerich an Anna Fiebig in Wilberhofen aus Neuguinea von 1910
und die Briefe mit dem Torso auf die dem Torso auf die Reise schickte. Wenn dieser Globetrotter alle paar Jahre auf Heimaturlaub kam - alle paar Jahre auf Heimaturlaub kam - teils mit dem Schiff, teils mit der transsibirischen Eisenbahn - bereitet ihm die hier ansässige Musikkapelle an der kleinen Dattenfelder Bahnstation einen Großen Bahnhof. Sie empfing den Weltreisenden mit der Nationalhymne und die Menschen standen Spalier, um ihn so nach Hause zu geleiten. Als einziger Deutscher auf der Insel - Gouverneur, Arzt und Missionar waren englischer Nationalität - musste er 1914 wegen des japanischen Aufstandes gegen die Unterdrücker Ponapé Deutsch-Neuguinea verlassen. Er tat das illegal, zusammen mit einem Zufallsfreund, im Kohlenbunker eines Frachtschiffes. Dort, in tiefer Dunkelheit 6 Wochen eingesperrt, überlebten sie, weil ihnen ein Matrose ab und zu etwas zu essen brachte. Darüber berichten seine Aufzeichnungen, es kam ein Mann aus der Südsee, obwohl seine Stimme durch das ständige Einatmen des Kohlenstaubes gelitten hatte, und er unter Malariaanfällen litt, meldete er sich freiwillig an die Front. So schnell war dieser Mann nicht kleinzukriegen. Nach Beendigung des Krieges kehrte er sich mit dem in Palästina heiß erkämpften Türkischen Halbmond und anderen hohen Auszeichnungen in die Heimat zurück. Zu Hause richtete er sich mit seinen Schätzen ein kleines privates Museum ein. Er war der sehr bewunderte Onkel der nächsten Kammerich-Generation und blieb bis ins hohe Alter in bemerkenswerter geistiger und körperlicher Frische.

Karl Kammerich nach dem Krieg mit seinem Jagdhund

Carl Kammerich als Polizeioffizier auf Ponape in Deutsch-Neuguinea
Chronik des Carl Kammerich und seiner Familie auf Ponape Neuguinea (heute Pohnpei auf Mikronesien)
Seine Tochter ist Inge Stellmach, ihren Sohn Frank kennt ihr. Auch Käthe ( 1886 - 1950 ) erfüllte sich in ihrer resolut-selbstbewussten Art ihren Berufswunsch. Sie sammelte im Weltkrieg reichhaltige Erfahrungen in der Krankenpflege. Zusammen mit ihrer Schwester Anny - beide blieben unverheiratet - gründete sie auf dem Breidenbruch zunächst ein Kinderheim, in dem Kinder, die aus irgendwelchen Gründen in Bedrängnis geraten waren, vorübergehend Aufnahme fanden. Nebenbei besuchte sie in Köln Seminare und erreichte so schnell mit der notwendigen Praxis und dem für ihr Vorhaben erforderlichen Diplom ihr Ziel als staatlich geprüfte Fürsorgerin. Sie ging später nach Hamburg und arbeitete in dem ihr zugewiesenen Stadtbezirk. Bis zu ihrer Pensionierung war sie eine hochgeschätzte, furchtlose und gerechte Mitarbeiterin ( auch in ihrer Zusammenarbeit mit der Hamburger Kriminalpolizei). Ihre Hauptaufgabe sah sie darin, gefährdeten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Während ihres langen Berufslebens führte ihre Schwester Anny ihr den Haushalt. Nach dem 2. Weltkrieg fanden beide Wohnung und Zuflucht aus dem ausgebombten Hamburg in Mönchen-Gladbach bei der jüngsten Schwester Maria Halfmann.
Ihre ebenfalls sehr praktisch veranlagte, einfallsreiche Schwester Anny ( 1884 1965 ), Lebensbegleiterin ihrer älteren Schwester, unternahm von Hamburg aus »vom Tor der Welt also« viele Reisen. Nach dem Tod ihrer Schwester Käthe gehörte sie weiter zum Halfmannschen Haushalt und übersiedelte mit unseren Eltern nach Köln. Ihr kennt sie alle noch, die kleine, zierliche und immer liebenswürdige Patentante von Ott, deren persönliches Reich in der Curtiusstrasse 2 unser heutiges Schlafzimmer war. Hier ist sie dann auch gestorben.

Lene, Änni, Käthe, Fritz, Olga und Willy Kammerich
Hilde Klein sagt, » In jedem Jahr kehrten die beiden Tanten - städtisch elegant gekleidet und vom Duft der großen weiten Welt umweht, in ihr Elternhaus auf den Breidenbruch zurück, um hier mit ihrer Mutter und den Geschwistern einen Teil ihres Urlaubs zu genießen und die Kinder im Hause mit Mitbringseln zu verwöhnen.
Olga ( 1875 - 1915 ) war die Älteste in der Geschwisterreihe. Sie - ebenfalls unverheiratet - erwarb sich zu ihren Lebzeiten in der Familie und im Dorf einen fast legendären Ruf, und hatte sich, wie es immer erzählt wurde, in beständiger Liebe und Fürsorge für die Ihren und in uneigennütziger Nächstenliebe für ihre Mitmenschen, frühzeitig verzehrt. Mutts hat mir erzählt in welch großer Liebe sie an dieser großen Schwester gehangen hat, die ja als 15 Jahre altere fast Mutterstelle an ihr vertreten hat.
Helene - Lenchen - Lene ( 1876 - 1960 ) war von der Natur besonders bevorzugt. Durch ihre damenhafte, vornehme Erscheinung und ihr sympathisches Wesen erfreute sie sich großer Beliebtheit. Ihre große Liebe galt Franz Lückeroth, dem hiesigen Lehrer ( 1876 - 1966 ), der auch Leiter des Kirchenchors war. Nach der Heirat zog er mit seiner jungen Frau nach Hennef, um dort, zum Hauptlehrer avanciert, mit seiner Familie als angesehener Mann den Rest seines Lebens zu verbringen. ( Bei seiner Beerdigung sind Ott und ich gewesen ). Ihr einziger Sohn Albert ist gefallen.

Familie Albert Lütz, Lehrer Lückerath mit Lennchen Lückerath geb. Kammerich
Vom Bruder Gottfried gen. Fritz ( 1877 - 1947 ) haben wir im Zusammenhang mit der Firma schon gehört. Er heiratete Milly Mandt und seine fünf Kinder - Anneliese, Willy, Karl, Kurt und Hilde wuchsen auf dem Breidenbruch auf, seiner Tochter Hilde, verheiratete Förster Klein, verdanke ich diese und auch die folgenden Aufzeichnungen. Kurt hat wiederum 2 Söhne, Werner und Bernd Kammerich, die Eurer Generation angehören.

Johann Mandt mit Maria Mandt mit Tochter Ida und Enkel

Die Familien Mandt Schimmel und Kammerich

Kurt Kammerich als Feilenhauer

Kurt Kammerich als Knabe und Hilde
Sein Kompagnon bei den Kammerich-Werken Willi ( 1878 - 1954 ) musste zu den Soldaten. Das war bei allem Ungemach für die Firma auch der Grund, dass er erst spät seine Frau Gertrud geb. Wolken ( 1885 - 1962 ) heiratete. Der Sohn Helmut ist gefallen, die Tochter Alice Schneider, Otts Lieblingscousine, wohnt in Siegburg und hat wiederum zwei Söhne.
Und nun kommen wir endlich zu unserer Mutts, Maria ( 1890 - 1982 ), der jüngsten in der Geschwisterreihe. ich zitiere zunächst wieder Hilde Kleins Bericht, diesmal wörtlich:» Maria, die personifizierte Heiterkeit, wurde schließlich mit Freuden das, was der Bruder Carl kategorisch verweigert hatte. Sie besuchte mit Erfolg die Präparandie und ihr Lehrerinnendasein begann an der Schule auf der 300 m hoch gelegenen romantisch-trutzigen Freusburg bei Kirchen an der Sieg. Das war doch ein ganzes Stück von zu Hause entfernt, aber nichtsdestotrotz raffte sich anfänglich die Familie - meist einzeln dosiert - zu regelmäßigen Besuchen dorthin auf, um der durch ganz unvorhergesehene Umstände so verschreckten Mia ein wenig beizustehen. Obwohl ihr niemand die Behauptung abnahm, sie werde zu mitternächtlicher Stunde regelmäßig von einem hörbaren, furchteinflößenden Schlossgeist heimgesucht, leistete die Familie solange uneigennützige Hilfestellung bis sie sich der unabänderlichen Situation kühn beugend, lachend ihre Angst meisterte, und an diesem herrlichen Flecken Erde endlich damit anfing, ihr schönes Leben, jung wie sie war, zu genießen. Später, in Linz, heiratete sie ( 1925 ) ihre große Liebe, den imposanten Lehrer Martin Halfmann ( 1896 - 1982 ), dem eine vielversprechende Karriere bevorstand, ihre beiden Kinder Otto Heinrich Martin und Ilse Olga Maria wurden 1926 und 1928 in Linz geboren.
Fazit : » eins hatten sie alle gemeinsam - mit ihrem sechsten Sinn für Humor, ihrer besonderen Begabung für das praktische und der, mit einem gesunden Verstand einhergehenden Fähigkeit, sich jeder Situation anzupassen, gelangten sie, unterstützt von besonderem Fleiß und bemerkenswerter Ausdauer, genau dorthin, wo für sie das Erstrebenswerte lag. Die große Familie fand sich bei gemeinsamen Freuden und in schweren Zeiten einander sehr verbunden. Keinem wäre auch nur auf die Idee gekommen, "dieses Schlaraffenland" freiwillig zu verlassen.
Die stets mit bestem Beispiel vorangehende und immer um die Familie besorgte Mutter achtete aber nicht nur darauf, dass sich Pflicht mit Entspannung und Arbeit mit Freude in angemessener Reihenfolge abwechselten. Da sie wohl aus Erfahrung wusste, dass es nicht immer so bleiben würde, behielt sie vorsichtshalber - damit auch niemand übermütig wurde - die gestrafften Zügel fest in der Hand. Obwohl derzeit ganz sicher genügend Personal zur Verfügung stand, legte sie dennoch, auch das ist überliefert, strengen Wert darauf, dass "die Kinder, solange sie in ihrem Haus lebten", die ihnen von frühester Jugend an auferlegten, oft unbequemen Pflichten - die damals noch unter keines Menschen Würde standen - auch pünktlich und korrekt ausführten. «
Wie oft hat mir Mutts von ihrer wunderschönen Kindheit dort erzählt, wenn ich bei ihr saß, nachdem » wir uns um die Ecke gebracht hatten,« und die Eltern in der Raumerstraße 8 wohnten. Sie sprach von ihrer großen Freiheit, vom Leben mit der Natur, von ihren Schularbeiten, die sie, wenn sie alleine sein wollte, im Boot auf der Sieg machte, von den abendlichen Handarbeitsrunden mit den Schwestern, von den Schlittschuhlauffesten auf der zugefrorenen Sieg und allen Verwöhnungen, die der Jüngsten aus dem Geschwisterkreis zugestanden wurden.
Damit ihr in etwa eine Vorstellung von ihrem Umfeld habt, schreibe ich Euch einen Teil der Kindheitserinnerungen von Hilde Klein auf, die zwar viele Jahrzehnte nach Mutts dort aufgewachsen ist, die aber im großen und ganzen auch den Erinnerungen von Mutts nahekommen.

Familie Kammerich beim Eislaufen auf der Sieg am Breidenbruch in Wilberhofen

Familie Kammerich beim Eislaufen auf der Sieg in Wilberhofen
»Der sofort an der Sieg gelegene Breidenbruch war derzeit ein Paradies. Diesseits der damals noch nicht asphaltierten Straße begrenzte eine endlose Weißdornhecke den Besitz, und jenseits breiteten sich von Johannisbeer- Stachelbeer- und Buchsbaumsträuchern umsäumte Zier- Obst- und Gemüsegärten aus. Trotz der dicht vor dem Fluss stehenden gewaltigen Tannen und des darunter üppig wuchernden Flieders, blieb der freie Rundumblick aber doch gewährleistet. Und wir, die wir je nach Jahreszeit an alledem Geschehen da draußen teilhatten, das sich bei Hochwasser oder Eisgängen auch manchmal zu einer dramatisch - wilden Naturkatastrophe anwuchs, lobten den, der so viele Fenster, mit Aussicht in das freie Land, besonders zum Wasser hin, bauen ließ.

Geschwister der Familie Kammerich auf dem Breidenbruch in Wilberhofen
Obstbäume aller Art, setzten sich auch längs der Landstraße zu beiden Seiten bis zum Bahnhof fort. Die verkehrsreiche Furt, durch die unsere Bauern von der Frühjahrsbestellung bis zur Ernte im Spätherbst ihre mit Kühen, Ochsen oder Pferden bespannten Ackerwagen holpern ließen, gab dieser landschaftlichen Idylle ein besonderes Gepräge. War das in diesen Kindertagen eine Herrlichkeit mit allerlei Getier das klare Wasser zu teilen. Die geliebten Frösche aber, die ihr dickköpfiges Kaulquappendasein rasch durchliefen, um sich als ausgewachsene Frösche hier am flachen Ufer im seichten Schilf anzusiedeln, ließen sich nicht nur fangen, sondern nahmen oft mit uns zusammen ihr ausgiebiges Bad und waren so vor ihrem Feind, dem Fischreiher, sicher. Ohne sie hätte es kein oft Tag und Nacht anhaltendes Quaak-Konzert gegeben, zu dem die zahllosen Enten den Takt schnatterten, und das Heer der ringsum auf den blühenden Wiesen lebenden Grillen, die weithin hörbare Begleitmusik zirpten. Nur wenig entfernt stand gewöhnlich die große Rohrdommel im Schilf versteckt, während sich gleich nebenan die Reiher anschickten, mit erstaunlicher Gewandtheit auf Fischfang zu gehen. Hoch über uns zog - die Szenerie scharf beobachtend der Rote Milan, dessen Nachfahren noch heute im gegenüberliegenden Hang ihren Hort hüten, seine weiten Kreise. Die sich auf ewiger Suche befindlichen Libellen , die wohl ihre filigranen Flügel gelegentlich ruhen lassen, nicht aber die wachen, vorstehenden Facettenaugen, entzückten uns. Die Aale lagen tagsüber gerne im schlammigen Schilf. Hier hausten auch Fischotter und Bisams. Diese Schilderungen gehören natürlich der Vergangenheit an. Aber, wenn man im durch Straßenbau und Flurbereinigung verkleinerten Garten hinter dem Haus steht oder mit dem Blick die jetzt durch die verkehrsreiche Straße sehr entfernte Sieg sucht, kann man sich mit etwas Phantasie das frühere Leben vorstellen.

Fritz Kammerich mit Frau und Schwägerin 1910
heutiges Fachwerkhaus der Familie Kammerich am Breidenbruch
Ihr solltet die Möglichkeit nutzen, Euch das alte schöne Fachwerkhaus, das Geburtshaus Eurer Großmutter auf dem Breidenbruch anzuschauen, solange dort noch Otts Cousine Hilde als einzige lebt. Denn was später daraus werden wird, steht in den Sternen.

Kinder der Familie Fritz Kammerich auf dem Breidenbruch mit einem Holländer 1913
Ganz kurz will ich noch auf die Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu sprechen kommen. Sechs junge Männer aus der Familie - aus Otts Generation - waren gefallen. Mühsam war der Neuanfang von Fritz und Willi Kammerich. Nur wenige alte Arbeiter standen zur Verfügung. Die aus dem Krieg heimgekehrten Karl und Kurt traten trotz weniger Aufstiegsmöglichkeiten in die Firma ein. So gab es wieder einen Kaufmann und einen Techniker. Um fortan überhaupt konkurrenzfähig zu sein, verkauften sie zunächst den Wald. Auch der in Ohmbach liegende "Kammerichs-Steinbruch" wechselte den Besitzer. Diese der Firma zugute kommenden Verkäufe hatten noch keineswegs die Größe des Breidenbruchs geschmälert, das besorgte viel später der Rhein-Sieg-Kreis, als er eine geradezu unverschämte mehrfache Enteignung oktroyierte. Durch die zweimalige Verbreiterung der Hauptstraße, wurden die beiden Wohnhäuser samt den Gärten diesseits der Straße in Mitleidenschaft gezogen. Die auf den breiten, einst von der Großmutter erworbenen Randstreifen stehenden Obstbaume, sicher mehr als 200 Stück, mussten gefallt werden. Doch damit nicht genug: es folgte über das Nutscheid-Gebirge ins Bröltal gehend, der Bau der Kreisstraße, deren Trasse man wiederum auf unseren und den nachbarlichen Grundstücken absteckte, um sie nochmals empfindlich zu schmälern. Keine Proteste, ebenfalls keine staatlichen und kirchlichen Argumente fruchteten. Im Gegenteil mussten gleich anschließend, die idyllischen Siegauen herhalten. Nachdem der Fluss begradigt, seine Inseln verschwunden, die Garten und Anlagen beseitigt, die Gehölze und die altvertrauten Tannen - seit Jahrzehnten ein Wahrzeichen - geschlagen waren, schuf der Landschaftsverband Rheinland » in Form einer geteerten Siegpromenade für Mensch und Tier, gleich neben der Hauptverkehrsstraße, eine Oase der Ruhe«. Nicht nur den dort lebenden Tieren wurde der Lebensraum entzogen, sondern den Anwohnern u.a. die urkundlich festgehaltenen Fischereirechte genommen. Das war also von dem einstigen Paradies übriggeblieben.
1975 feierte man noch das 100 jährige Bestehen. Noch zur Zeit eines Besuches von Ott und mir zeigte uns Karl etwas vom alten Inventar. Seit 1984, bald nach Karls Tod, hörte die Nachkriegsfirma auf dem Breidenbruch auf, zu existieren. Heute stehen noch einige verlassene und langsam verfallende Gebäude hinter dem Wohnhaus. Wer und wozu sollte man sie auch erhalten ? Karl hat, zunächst mit seiner Frau, bis zu seinem Lebensende dort gewohnt, und mit ihm und nach ihm Hilde mit ihrem Ehemann, dem Förster Hans Klein. Heute ist sie die Letzte vom Breidenbruch.

Seite 1 Testament von Anna Kamerich von 1904
Seite 2 Testament von Anna Kamerich von 1904
Seite 3 Testament von Anna Kamerich von 1904

Bevor ich nun zu den Halfmanns komme, zitiere ich noch eine Geschichte aus Hilde Kleins Aufzeichnungen, in der es um unseren Paps, um Martin Halfmann geht:» Zu einer Beerdigung kam auch Onkel Martin Halfmann, der damals Leiter der Unteroffiziersschule in Jülich war. Vor der Beisetzung machte er, um die Verwandten zu begrüßen, am Breidenbruch Besuch. Was nun unseren Onkel Carl, der damals, das muss ich hier erwähnen, eine kleine Hühnerfarm besaß, veranlasste, seinen imposanten Schwager ein wenig herauszufordern, weiß ich eigentlich nicht.Jedenfalls kam es zwischen ihnen sofort zu einem so unglaublich schlagfertigen Wortwechsel, den ich nachfolgend - wenn auch leider nicht so korrekt, wie er es verdient hätte - wiederzugeben "Du scheinst ja noch gewachsen zu sein, mein lieber Schwager!" "Nun ja, mein guter Carl, der eine wächst in die Erde hinein, und der andere eben über sich selbst hinaus."Nach einer kleinen Verschnaufpause ging das Duell weiter, indem Onkel Carl etwas anzüglich sagte: "Aber, aber, lieber Martin, Du trägst ja auch Sporen, wie viele Pferde hast Du denn?" "Ganz sicher mehr, als Du Hühner hast, mein Lieber", konterte der sofort. Obwohl Onkel Carl längst gemerkt haben musste, dass er ausnahmsweise einmal den Kürzeren zog, gab er dennoch nicht auf und fragte spitzfindig- "Würdest Du, lieber Martin, mir vielleicht auch Deinen sicher sehr hohen Dienstgrad verraten "Aber mit dem größten Vergnügen, wo Dir lieber Carl wohl gewiss nur noch die aus der fernen Kaiserzeit geläufig sein dürften!" "Aber ich glaube, das können Dir die beiden jungen Leutnants, ( die stumm und sprachlos neben ihm standen ) , viel eher beantworten!" Doch nun konnten sie sich auch beim allerbesten Willen nicht mehr ernst halten und fielen sich, indem sie sich vor Lachen geradezu ausschütteten, vor den verblüfften Umstehenden herzlich in die Arme. «Auch ich musste über dieses Gespräch sehr lachen, und denke, dieser Text beleuchtete die Persönlichkeit von Paps von einer ganz neuen Seite.
Die Familien Halfmann, Wirwa und Kammerich, nach einem Bericht von Hilde Klein geb. Kammerich, Wilberhofen, geschrieben 1999.
Ein Bericht wie im Märchen.

1. Peter Josef Kammerich geb. 1835, Foto von 1875, Leiter des Werkes in Wilberhofen im Jahr 1875
Anton Kammerich geb. 1833, Gründer des Berliner Werkes im Jahre 1863

Geburtshaus von Anton Kammerich in Wilberhofen
Ein Versuch, etwas über die Eltern von Ott und Ille Halfmann, die Großeltern von Thomas, Christoph, Martin und Miriam und deren Vorfahren festzuhalten. Leider weiß auch ich nur sehr bruchstückweise davon aus den Erzählungen meiner Schwiegereltern. Hilfreich waren mir eine Buch über die Kammerich - Werke, erschienen zum 90sten Geburtstag und ein Sonderdruck der »Heimatblätter des Siegkreises« in dem sich ein engagierter Heimatforscher, Emil Hundhausen, zu Wort meldet. Sein Artikel heißt 1863 - 1963 - Hundert Jahre Kammerich-Werke«, ein Beitrag zur Familien- und Wirtschaftsgeschichte des östlichen Siegkreises. Mindestens so wichtig aber ist mir eine »Chronik« - die persönlichen Erinnerungen von Hilde Klein, geb. Kammerich, einer Cousine von Ott. Sie hat sie mir, als wir sie im vergangenen Jahr besuchten, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Sie ist übrigens die Einzige, vielleicht sogar die Letzte der Familie Kammerich, die noch heute auf dem Breidenbruch an der Sieg lebt, im selben Haus, in dem unsere Mutts geboren wurde und aufgewachsen ist. Nach dem Motto, lieber Weniges als Garnichts zu wissen, gehe ich das Wagnis ein, etwas für unsere Söhne und Enkel zusammenzustellen denn ich denke, nach mir kann das keiner mehr tun. Aus meiner eigenen Lebenserfahrung weiß ich, dass zu dem Zeitpunkt, an dem man nicht mehr aktiv im Lebenskampf steht und Muße findet, sich mit den Vorfahren zu beschäftigen, leider keiner mehr da ist, den man dazu befragen kann.
Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt ! Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen !
Fangen wir also mit den Kammerichs Werken an.

Stammktie der Kammerich Werke von Joachim Schneider, Sohn von Alice Schneider geb. Kammerich

Kammerich Werk in Wilberhofen- Breitenbruch

Belegschaft der Gebr. Kammerich & Co. in Wilberhofen-Breitenbruch 1905
Auszug aus dem Bericht, als der große Erfinder Edison auf der Weltausstellung von Chicago 1893 nach seinem stärksten Eindruck gefragt wurde, antwortete er ohne Zögern: „Das nahtlose Stahlrohr".
Dr. H. Koch, der Verfasser der 150 Seiten umfassenden Schrift zum 90 jährigen Bestehen der Kammerich-Werke, gibt darin einen Rückblick auf die Kammerichs, den Hilde Klein kurz zusammengefaßt im folgenden wiedergibt. Sie sagt dazu ausdrücklich, daß es sich bei den "Kammerich-Werken, die 1863 in Berlin von Anton Kammerich gegründet wurden und heute ihren Sitz in Brackwede-Süd bei Bielefeld haben, um die Hauptfirma handelt."
Das Zweigwerk in Wilberhofen wurde erst 12 Jahre später, ebenfalls von Anton Kammerich, gegründet und konnte 1975 immer noch unter dem Namen »Siegtaler Feilenwerk Gebrüder Kammerich« sein 100 jähriges Bestehen feiern. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Betrieb von den Brüdern Karl und Kurt Kammerich - Neffen von Mutts - in bereits dritter Generation geführt; und immer noch fertigten sie Feilen, die einst Anton Kammerich aus Remscheids großen Fabriken bezog, mit denen er seinen Handel begann.
Nun zu Dr. Koch : (geschrieben im Jahre 1953)
» Und da sich die neuen Tage aus dem Schutt der alten bauen, kann ein ungetrübtes Auge rückwärts blickend vorwärts schauen« (Spruch aus F.W.Webers "Dreizehnlinden")
"Die Kammerich-Werke sind heute weit über die Grenzen ihres Heimatbezirkes hinaus ein Begriff! Mit ihren neuzeitlichen technischen Einrichtungen, ihrem gut abgestimmten Erzeugungsprogramm und ihren hohen Sozialleistungen gelten sie in Fachkreisen als einer der fortschrittlichsten Betriebe.
Über den Werdegang des Unternehmens ist jedoch in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt, da gedruckte Aufzeichnungen aus der Vergangenheit fast völlig fehlen.
In der Erkenntnis, daß allein aus dem Wissen um die Vergangenheit die Kraft kommen kann, auf die Zukunft zu hoffen und an sie zu glauben, will diese Schrift nun in groben Strichen die geschichtliche Entwicklung der Kammerich-Werke festhalten.
Neunzig Jahre sind seit der Gründung der Kammerich-Werke verflossen. Diese Jahre sind so überreich an großen Geschehnissen, technischen Fortschritten und umstürzenden Entwicklungen, wie sie die Kulturgeschichte der Menschheit zu keiner Zeit vorher aufzuweisen hat. Elektrizität, Leichtmetalle und synthetische Stoffe braChen sich Bahn; Kraftwagen und Flugzeuge traten ihren Siegeszug an; der Rausch der Geschwindigkeit hat alle ergriffen; Wellen im Äther schufen neue Maßstäbe von Zeit und Raum, und schon kündigen die Erkenntnisse der Kernphysik weitere gewaltige Umwälzungen an.
Von solchen Unruhen und Bewegungen kann auch ein Wirtschaftsunternehmen nicht unberührt bleiben. Es wird in den Wirbel der sich immer erneuernden Technik hineingezogen und muß, will es fortbestehen oder seine Bedeutung behalten, mit der stürmischen Entwicklung Schritt halten, ja versuchen, vorausahnend schon heute das zu tun, was morgen unbedingte Notwendigkeit ist, hierbei leistet ein Rückblick, der ja nur Wert hat, wenn er zugleich vorwärts schaut, wer-Wolle Hilfe.
Die Kammerich-Werke haben sich bisher in allen Stürmen der Zeit behauptet, und trotz seines Alters von 90 Jahren ist das Unternehmen auch heute von einem frischen und fortschrittlichen Geist erfüllt, so dürfen die Kammerich-Werke berechtigt sein, trotz aller Fragwürdigkeit unseres Lebens mit Zuversicht auch den nächsten Jahrzehnten entgegenzusehen.
gez. Ernst Neuhaus, Vorstandsmitglied der Kammerich-Werke.
Beim Aufbau seines Werkes hatte er seine Kräfte allzufrüh verzehrt; denn er wurde nur 58 Jahre alt. Die Gräber (seine Gattin starb am 6. April 1905 und ruht an seiner Seite) wurden 1952 eingeebnet. Seine Zweiggründung — der Betrieb in Wilberhofen-Breitenbruch — befindet sich noch heute im Familienbesitz. Hier werden noch immer Feilen gefertigt, jenes Erzeugnis, womit einst Anton Kammerich seinen Handel und die spätere Fabrikation in Berlin begann.
Wenn auch 1901 das letzte Familienmitglied in der Person des Gottfried Kammerich aus dem Hauptunternehmen — dem einstigen Gründungsbetrieb zu Berlin — ausschied (er starb 1910 und ruht auf dem Friedhof zu Dattenfeld), und auch heute kein Grabstein mehr von der Ruhestätte des Werksgründers kündet, so hat er sich doch selbst das schönste Denkmal in der Form seines Lebenswerkes gesetzt.
Seine Mitarbeiter (Karl Strässer) hatte sich u. a. vom Laufjungen bis zum Direktor emporgearbeitet. Er war in Rosbach-Kleehahn (Sieg) geboren und war als Sohn unserer Heimat sogar von 1920—1946 Vorstandsmitglied) und Nachfolger haben in seinem Geiste seinem Werk zu einem immer größeren wirtschaftlichen Aufschwung verholfen. Die Erzeugnisse des Werkes tragen den Namen des Gründers noch heute — und hoffentlich noch ein zweites Jahrhundert — in fast alle Länder der Erde.
Die Urgroßeltern Wirwa
1. Peter Josef Kammerich Fabrikant aus Wilberhofen, heiratete am 9.11.1872 in Berlin die Anna Wirwa, geb. 18.3.1869 in Breslau, gest. 15.1.1933 in Wilberhofen.

Carl Wirwa und Ehefrau Juliane geb. Kürschner
Eltern von Anna Wirwa:
Vater Carl Wirwa, geb. 6.12.1819 in Ottaschin, gest. 21.8.1883 in Wilberhofen, Ehefrau Johanne Juliane Kürschner, geb. 18.1.1821 in Schlieben, gest. 16.4.1878 in Wilberhofen.
Testament S1 von Carl Wirwa 1876
Testament S2 von Carl Wirwa 1876
Testament S3 von Carl Wirwa 1876
Testament S4 von Carl Wirwa 1876
Testament S5 von Carl Wirwa 1876
Testament S6 von Carl Wirwa 1876
Testament S7 von Carl Wirwa 1876
Stammbaum von Karl Kammerich geb. 27.8.1915
Stammbaum von Alice Schneider, geb. Kammerich
Musterungsbescheid von Alice Kammerich
Bescheinigung vom Reichsarbeitsdienst von Alice Kammerich
Stammbaum von Inge und Frank Stellmach, geb. Kammerich
Sippen der Kammerich's:
Sippen der Kammerich's ab 1695 nach Jahrgängen
Sippen der Kammerich's ab 1726 Vornamen nach kirchlicher Heirat
Sippen der Kammerich's Frauen und Ehemänner ab 1750
Familienbeziehung der Familie Etzbach mit Godefredus Kammerich geb. 1804 und Ehefrau Anna Margaretha geb. Etzbach geb. 1805
Fam. Etzbach und Kammerich vor dem Haus auf dem Breidenbruch in Wilberhofen
Chronik der Familie Etzbach ab Anno 704
Familie des Peter Johannes Kammerich, ist der Schladerner Zweig der Kammerichs geworden.
Stammbaum der Familie Peter Johannes Kammerich

Franz Josef Kammerich (Gastwirt?) in seinem Häuschen in Schladern.

Anna Margaretha "Grete" Kammerich in Schladern

Stammbaumauszug von der Familie des Peter Johannes Kammerich
Familie des Peter Kammerich ab 1843

Familie Peter Kammerich, geb. 14.5.1843 in Dattenfeld, ausgewandert nach Amerika
Auszug: Stammtafel des Geschlechts Aldenbrüggen gen. Velbrück
Wilhelmshöhe, Etzbach, Kammerich
Burg Mauel, zu Etzenbach, Kammerich
Quelle und Dank an :
Hilde Klein, geb. Kammerich, Wilberhofen, verst.
Chr. Möllers, Brühl
Joachim Schneider, Sohn von Alice Josefine Schneider geb. Kammerich, Troisdorf
für die Sanduhrtafeln, für den Bericht über die Revolution in der Südsee mit Carl Kammerich, für die Übersetzung der Berichte von Patrik Carl
Frank Stellmach, Sohn von Inge Stellmach geb. Kammerich
Michael Althoff, Windeck
Autor: Karl Ludwig Raab, 20.6.2022
















