Chronik der Fam. Stockhausen aus Wilberhofen
Ein Bericht von Annelore Steinhauf geb. Thiel.
Foto der Fam. Stockhausen
Von rechts nach links:
Heinrich Stockhausen, Sohn Heinz, Mutter Katharina geb. Busch, Tochter Anna Thiel
Heinrich Stockhausen, mein Opa, war ein Original. Er liebte den Wald, die Natur, und er war der Patenonkel des berühmten Komponisten Karlheinz Stockhausen – Sohn seines Bruders Simon.
Die Musik unserer Zeit wäre ohne Karlheinz Stockhausen nicht denkbar.Stockhausen ist so etwas wie ein Synonym für Neue Musik.
Da die Mutter von Karlheinz Stockhausen nach dem 3. Kind an Kind-Bett-Fieber erkrankte, wurden Karlheinz und seine Schwester Kathi oft zu ihren Paten geschickt (Heinrich Stockhausen in Wilberhofen,
Katharina Heiden in Hoppengarten) oder zur Großmutter auf den Engelsbruch. (Kommt von Engel)
Foto aus den Sommerferien auf dem Engelsbruch (1936) mit Großmutter Katharina Stockhausen

Foto aus Hoppengarten anlässlich der Kommunion von Vetter Willi in Hoppengarten Ostern 1937
Vorne, zweiter von rechts : Karlheinz Stockhausen, hinten rechts : der Vater
Hintere Reihe links : Heinrich Stockhausen, Katharina Stockhausen,
Oben rechts : Anna Stockhausen (Mutter von Annelore)
Opa Heinrich und meine Mutter erzählten mir davon.
Karlheinz kam also oft zu Heinrich Stockhausen, seinem Patenonkel. Er lernte Wilberhofen in den 30er- Jahren bestens kennen. Später, als er schon berühmt war, besuchte er uns noch in Wilberhofen .
Zuletzt habe ich ihn erlebt, als Opa Heinrich 85 wurde. Ich fotografierte die beiden und Karlheinz kommentierte: „Das wird ein wichtiges Foto“.
Leider hatte ich nur eine billige Polaroid Kamera. Das Foto verblasste im Laufe der Zeit. Schade !
Foto am 85. Geburtstag von Opa Heinrich mit Patenkind Karlheinz Stockhausen
Opas Neffe und Patenkind wurde berühmt. Er beeinflusste sogar die Beatles. Auf dem berühmten Plattencover der Welt „Sgt – Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ ist er zu sehen.
Obere Reihe – 4. Von links zeigt Karlheinz Stockhausen, bei z.B. Bob Dylan, Edgar Allan Poe, Fred Astaire, Tony Curtis, Marilyn Monroe, Stan Laurel, Karl Marx, James Joyce, Marlon Brando, Oscar Wilde…….
Seine erste Oper “Donnerstag aus Licht“ führte er 1981 in der Mailänder Scala auf. Das war das erste Mal, dass ein Werk noch eines lebenden Künstlers aufgeführt wurde.
Übrigens meine Mutter und ich waren zur Uraufführung eingeladen. Leider war uns das alles zu kompliziert.
Ich bereue es sehr, dass wir nicht gefahren sind. Vor 2 Jahren habe ich in Basel diese Oper „Donnerstag aus Licht“ gesehen.
Es war ein großes Erlebnis.
Geschichte der Stockhausen
Wie kommen die Stockhausen nach Windeck?
Ursprünglich sollen Stockhausens auf dem Rittersitz Stockhausen in der Nähe von Asbach im Westerwald zu Hause sein. Um 1500 waren schon Beziehungen zwischen dem Asbacher Land und Stockhausen im Windecker Land vorhanden.
Bis zum 30 jährigen Krieg lassen sich die Stockhausens in den Dattenfelder Kirchenbüchern verfolgen. Sie waren meistens „Ackerer“. Ihre Vorfahren stammten vom „verarmten Adel“ im Westerwald ab.
Philipp Stockhausen kam als Kurier vom Rittersitz Stockhausen im Asbacher Land, einem adeligen Gut der von Nesselrode.
Er war rangtiefer (Niederadeliger) gegenüber Bertram von Nesselrode. Seine Nachfahren siedelten sich in Dörfern rund um die Burg Windeck an.
Autor: Karl Ludwig Raab
Autor des Textes : Annelore Steinhauf geb. Thiel
Chronik der Fam. Peter Schneider aus Ommeroth
Der Urvater von halb Rossel und Wilberhofen aus Ommeroth.
Peter Josef Schneider geb. am 8.11.1833 in Rom ( Oberberg ), heiratete am 14.1.1868 die Karolina Salz aus Hoppengarten. Er verstarb am 29.8.1919 im Hause seiner Tochter Helene in Dattenfeld.
Von seinen 8 Kindern zogen 5 nach Rossel und Wilberhofen.
| 1. Sohn Peter, Wilberhofen | war Bürgermeister in Dattenfeld | |
| Nachkommen : | Karoline Schneider | verh. Reifenrath |
| Maria Schneider | verh. Lotz | |
| Nachkommen : | Tochter Ilse verh. Steyer | |
| 2. Sohn Gottfried, Wilberhofen | ||
| Nachkommen : | Wilhelm Schneider | |
| Nachkommen : | Elfriede mit Clemens Broich | |
| Josef, Schneider | ||
| Nachkommen : | Peter mit Fam. | |
| Georg mit Fam. | ||
| Horst mit Fam. | ||
| Robert mit Fam. | ||
| Johann (Hans) Schneider | ||
| Nachkommen : | Fam. Schneider | |
| Wilhelmine Schneider | verh. Koch | |
| Nachkommen : | Johannes Koch | |
| Christel geb. Koch mit Fam. | ||
| Helene Schneider | verh. Klaas, Ernst | |
| 3. Karoline Schneider | verh. Toni Schmidt | |
| Nachkommen : | Werner u. Helga | |
| 4. Johannes Schneider, Rossel | ||
| Nachkommen : | ||
| a ) Helene Schneider | verh. mit Josef Lutz | |
| Nachkommen : | ||
| Fam. Marlies Koch geb. Lutz | ||
| Fam. Peter Lutz | ||
| Fam. Günter Lutz | ||
| Ursula Lutz | ||
| b ) Maria Schneider | ||
| c ) Johann Schneider | ||
| Nachkommen : | ||
| Horst | ||
| Rolf | ||
| Ingrid | ||
| 5. Wilhelmine Schneider verh. Kaesberg | ||
| Nachkommen : | ||
| Wilhelm Kaesberg u. Fam. | ||
| Willi Rödder und Fam. | ||


Sterbeurkunde von Peter Josef Schneider am 29.8.1919
Autor: Karl Ludwig Raab
Chronik der Kammerich's aus Wilberhofen ab 1695
update: 01.06.2025
Fotogalerie der Familien Kammerich
An den nordwestlichen Hängen des Nutscheid-Höhenzuges entspringt der Kammericher-Bach, der bei Ahe zwischen Ruppichteroth und Schönenberg in den Waldbröl-Bach mündet.
Kurz vor seiner Mündung liegt etwas westlich das kleine Dörflein Kammerich (1481 Kammerbricht, 1483 v. Kamerbrecht geschrieben), das vermutlich bei der Entstehung des Familiennamens Pate gestanden hat.
In den Dattenfelder Kirchenbüchern taucht der Familienname Kammerich im Jahre 1695 zum ersten Male auf. Ob der Bestgen (Sebastian) Cammerich damals aus dem nahegelegenen Orte Kammerich übers „Gebirge" nach Wilberhofen eingewandert ist, liegt nahe, läßt sich aber aus den vorliegenden Urkunden nicht beweisen. 1712 gibt es in Rossel einen Johann und in Wilberhofen (1508 Wilbergaben, 1566 Weilberhoven, 1575 Wilberickhouen, 1582 Wilberhoffen, 1693 Wilberinghoven) einen Peter Kammerich.

Kirchenbuchauszug von 1772 Heirat von Peter Weiffen und Maria Margartha Cammerich
Maria Margaretha Cammerich heiratet 1772 den Schmied Peter Weiffen aus Rossel, von denen alle Weiffens in der Umgebung abstammen.

Kirchenbuchauszug von 1781 Heirat von Joannes Gerhardus Cammerich und Anna Catharina Vogel

Kirchenbuchauszug von 1788 Heirat von Joannes Gerhardus Cammerich und Anna Catharina Bestgen
Familie des Johannes Gerhard Kammerich ab 1770
Der Urvater der Kammerichs war Johannes Gerhard Kammerich geb. 1770 verheiratet mit Anna Catharina geb. Bestgen
Kinder von Johannes Gerhard Kammerich
| Name | geboren am | verheiratet mit: |
| 1. Maria Catharina | 1.3.1789 | |
| 2. Johann Peter | 11.5.1790 | Piller Karoline geb. 1806 |
| 3. Christian Gerhard | 28.2.1792 | |
| 4. Anna Elisabeth ? | 18.9.1795 | |
| 5. Johann Wilhelm ? | 2.6.1797 | |
| 5. Anna Gertrud | 19.9.1802 | |
| 6. Gottfried (Godefredus) | 7.10.1804 | Anna Margaretha Etzbach geb. 1805 |
| 7. Anna Catharina ? | 6.6.1808 |
6.1. Stammbaum von Gottfried (Godefredus) Kammerich und Anna Margaretha geb. Etzbach
6.1 Stammbaum der Familie Gottfried (Godefredus) Kammerich
| 6.1 | Gottfried (Godefredus) | geb. 1804, gest. 1875 | |
| verh. mit Anna Margaretha, geb. Etzbach | geb. 1805, gest. 1852 | ||
| 6.1 | Kinder von Gottfried (Godefredus) | ||
| 6.1.1 | Peter Josef, Kammerich | geb. 1833, gest. 1897 | Mitgründer und Leiter des Betriebes zu Wilberhofen im Jahre 1875 |
| 6.1.2 | Anton, Kammerich | geb. 1835, gest. 1893 | Gründer des Berliner Werkes im Jahre 1863 |
| 6.1.3 | Josef, Kammerich | geb. 1840, gest. 1898 | |
| 6.1.4 | Gottfried, Kammerich | geb. 1844, gest. 1910 | Erbauer der Wilhelmshöhe von 1899-1900 |
| 6.1.5 | Heinrich, Kammerich | gest. in Amerika | |
| 6.1.6 | Gerhard, Kammerich | gest. in Bad Kreuznach | |
| 6.1.7 | Maria Anna, Kammerich | ||
| 6.1.8 | Margarethe, Kammerich |
gründete mit Anton und Gottfried 1884 das Eisenwerk in Schladern |
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| 6.1.1 | Kinder von Peter Josef Kammerich | ||
| 6.1.1.1 | Olga, Kammerich | ||
| 6.1.1.2 | Fritz, Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.3 | Willi, Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.4 | Helene, Kammerich | verh. mit Hauptlehrer F. Lückerath, Dattenfeld | |
| 6.1.1.5 | Carl Kammerich | Chronik des Carl Kammerich | |
| 6.1.1.6 | Anny, Kammerich | gest. 1965 | |
| 6.1.1.7 | Käthe, Kammerich | ||
| 6.1.1.8 | Maria, Kammerich gen. Mutts | ||
| 6.1.1.9 | Gerhard Kammerich | gest. 1879 | |
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| 6.1.2 | Kinder von Anton Kammerich | ||
| 6.1.2.1 | Arthur, Kammerich | ||
| 6.1.2.2 | Walter, Kammerich | ||
| 6.1.2.3 | Johanna, Kammerich | ||
| 6.1.2.4 | Toni, Kammerich | ||
| 6.1.2.5 | Alice, Kammerich | ||
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| 6.1.4 | Kind von Gottfried Kammerich | ||
| 6.1.4.1 | Margarethe, Kammerich | verh. mit Baron Eschwege | |
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| 6.1.1.2 | Kinder von Fritz Kammerich | ||
| 6.1.1.2.1 | Willi, Kammerich | gest. 1958 | |
| 6.1.1.2.2 | Karl, Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.2.3 | Kurt Kammerich | führte den Betrieb in Wilberhofen | |
| 6.1.1.2.4 | Anneliese, Kammerich | ||
| 6.1.1.2.5 | Hildegard gen. Hilde, Kammerich | verh. mit Förster Klein | |
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| 6.1.1.2.2 | Karl Kammerich | geb. 27.8.1915 , gest. 1.7.1982 | heiratete Ruth Lichtenberg, geb. 11.1.1917 |
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| 6.1.1.2.3 | Kinder von Kurt Kammerich | ||
| 6.1.1.2.3.1 | Werner, Kammerich | geb. 1951, gest. 2012 | |
| 6.1.1.2.3.2 | Bernd, Kammerich | ||
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| 6.1.1.3 | Kinder von Wilhelm -Willi- Kammerich | heiratete am 27.11.1917 Gertrud Wolken in Krefeld | |
| 6.1.1.3.1 | Helmut Kammerich | geb. 20.10.1918, gest. 20.1.1944 | |
| 6.1.1.3.2 | Alice Josefine Kammerich | geb. 20.10.1924, gest. 3.1.2011 | heiratete am 26.4.1959 Josef Schneider in Siegburg |
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| 6.1.1.5 | Kinder von Carl Kammerich | heiratete 1920 Mia Mandt | |
| 6.1.1.5.2 | Inge Kammerich | geb. 1.7.1927 | heiratete Karlheinz Stellmach (Schwiegersohn des Carl lebt heute im Jahr 2025 in Troisdorf) |
| 6.1.1.5.2 | Kinder von Karlheinz Stellmach und Inge Kammerich | ||
| 6.1.1.5.2.1 | Frank Stellmach | geb. 28.4.1961 in Troisdorf | |
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| 6.1.1.5. | Familie des Carl Kammerich mit Elisiana Norman | ||
| Stammbaum der Familie Carl auf Ponape | Anm.: Damals wurde Vor- und Zunamen des Carl Kammerich auf der Insel Ponape heute Pohnpei verwechselt deshalb heißt die Familie Carl | ||
| 6.1.1.5.1 | Jospeh Carl, verh. mit Merithe | geb. 1914, gest. 1996 | |
| 6.1.1.5.1 | Kinder von Jospeh Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1 | Sohn Yoster Carl, verh. mit Persither Pelep | geb. 15.10.1933, gest. 15.4.2022 | |
| 6.1.1.5.1.2 | Sohn Yoshiro Carl | geb. 17.12.1935, gest. 1992 | |
| 6.1.1.5.1.3 | Tochter Beauter Carl | geb. 1950 | |
| 6.1.1.5.1.4 | Tochter Beautina Carl | geb. 1952 | |
| 6.1.1.5.1.5 | Tochter July Carl | geb. 1955 | |
| 6.1.1.5.1.1 | Kinder von Yoster Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1.1 | Patrik, Carl, verh. mit Elaine Hadley | geb. 23.6.1972 | |
| 6.1.1.5.1.1.1 | Kinder von Patrik Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1.1.1 | Sohn Kimo Ryan Carl | geb. 4.7.1994 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.2 | Tochter Aileen B. Carl | geb. 12.3.1998 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.3 | Tochter Destiny J. Carl | geb. 23.7.2002 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.4 | Tochter Keau Carl | geb. 24.10.2004 | |
| 6.1.1.5.1.1.1.2 | Tochter von Aileen B. Carl | ||
| 6.1.1.5.1.1.1.2.1 | Tochter Kandice Haze | geb. 29.8.2017 | |
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| 6.1.1.8. | Kinder von Maria Halfman geb. Kammerich | heiratete Martin Halfman am 23.3.1925 in Linz | |
| 6.1.1.8.1 | Otto Heinrich Martin Halfman | geb. 1926 in Linz | |
| 6.1.1.8.2 | Ilse Olga Maria Halfman | geb. 1928 in Linz | |

Gesellschaft der Kammerichs auf dem Breitenbruch in Wilberhofen

in der guten Stube auf dem Breitenbruch in Wilberhofen

Haus Kammerich am Breitenbruch in Wilberhofen
Gutshof Kammerich auf der Wilhelmshöhe bei Rossel nach 1899
Entstehung Gutshof Wilhelmshöhe durch Gottfried Kammerich 1899
Die Großeltern und ihre 10 Kinder, ein Bericht von Hildegard gen. Hilde Klein, geb. Kammerich
Peter Josef Kammerich 1833 -1897 und Anna Klara Josefine Wirwa 1849 – 1933
(Originalton wiederum Hilde Klein)
Während seiner geschäftlichen Tätigkeit in dem Berliner Betrieb lernte Peter Josef Kammerich seine spätere Frau, die aus Breslau gebürtig war, kennen. Mit ihr, den Eltern und den aus Berlin stammenden jungen Meistern Emil und Gustav Fiebig kehrte er nach Wilberhofen zurück, um hier die Leitung der Feilenfabrik zu übernehmen. Auch wenn er sicher nicht ein Genie wie sein Bruder Anton war, wusste er dennoch durch den richtigen Einsatz seines wachen Verstandes, zusammen mit den tüchtigen Meistern und einer vorbildlichen unermüdlichen Belegschaft, die Firma unter seiner umsichtigen Führung erfolgreich zur Blüte zu bringen. So legte er für seine Söhne Gottfried und Wilhelm den Grundstein für ein florierendes, damals mittelgroßes Werk, das zwar auf Wellenbergen ruhmreiche, glanzvolle Zeiten sah, aber in Wellentälern auch oft unterzugehen drohte. Doch allen Fährnissen zum Trotz blieb es - später von Fritz dem Kaufmann und Willi dem Techniker mit absoluter Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit, aber auch mit bewundernswürdigem Fleiß geführt, mehr als 100 Jahre existent !

Tüftler Fritz Kammerich bei der Arbeit

Familie mit Etzbachs vor dem Haus am Breidenbruch - die kleine Mutts links mit dem Ball
Auf der Höhe seines erfolgreichen Schaffens starb Peter Josef Kammerich mit 64 Jahren 1897 und ließ seine 16 Jahre jüngere Frau mit acht Kindern ( zwei waren bereits verstorben ) zurück. Diese waren: 1. Olga * 1875 2. Gottfried * 1877 3. Wilhelm * 1878 4. Helene * 1881 5. cari * 1882 6. Anny * 1884 7. Käte *1886 8. MARIA ( unsere Mutts ) * 1890. Die von Gestalt kleine und zierliche Mutter war unbestritten eine markante Persönlichkeit, was sie gerade nach dem frühen Verlust ihres Ehemannes tatkräftig unter Beweis stellte. Sie bestimmte ihren Ältesten, noch nicht 21 jährigen Sohn Fritz zum Vormund seiner unversorgten Geschwister und überließ ihm und dem um ein Jahr jüngeren Willi das schwere Los, fortan die Geschicke der Firma zu bestimmen. Selbstverständlich machte sie als stille Teilhaberin von ihrem Mitspracherecht Gebrauch und ließ sich über den jeweiligen Geschäftsstand informieren, bis das letzte Kind standesgemäß ausgebildet und versorgt war ( - dieses war unsere Mutts, die ihr Lehrerinnen-Examen abgelegt hat, und als solche arbeitete, bis sie 1925 Martin Halfmann -unseren Paps- heiratete ).
Ohne selbst in den öffentlichen Mittelpunkt zu treten hat diese Frau sich außer um die eigenen Kinder rührend um alte und kranke Betriebsangehörige gekümmert. Obwohl sie als äußerst zurückhaltend galt, war sie dennoch, wenn es um wirkliche Not bei anderen ging, immer bereit, aus der Stille ihres Refugiums spürbare finanzielle Hilfe zu leisten, was bis heute bei der älteren Bevölkerung unvergessen ist. Als sie dann 1933 mit fast 84 Jahren starb (Ott hat noch Kindheitserinnerungen an diese Großmutter), trauerte das ganze Dorf um sie.
1905 hatte auch das Zweigwerk in Wilberhofen die Fabrikation von Preß- und Stanzteilen aufgenommen, allein im Preßwerk waren durchschnittlich fünfzig Leute beschäftigt. Der sehr hohe Auftragsstand zwang im Lauf der Zeit zu immer währenden Überstunden. Um flexibler zu werden, das bedrückende Ausmaß der stets zunehmenden Arbeit überhaupt bewältigen zu können, schafften die Firmeneigner Gottfried und Wilhelm das zu dieser Zeit noch aufsehenerregende Auto an, einen Sechssitzer - Presto.

Erstes Auto ein Presto Typ D der Firmeneigner Gottfried und Wilhelm auf dem Breidenbruch
Dies ist in der Tat ein Presto Sechssitzer und zwar wahrscheinlich vom Typ D, den es in mehreren Versionen gab (siehe Anhang). Er wurde von 1921 bis 1925 hergestellt. Ich vermute, die Aufnahme entstand vor der Rückseite des Kammerich-Hauses am Breidenbruch. Darauf lässt die Anordnung der Fenster und die Art und Ausrichtung des Schiefers an der Wand schließen, hat J. Schneider recherchiert.
PDF Beschreibung Presto Typ D

Sensation auf dem Breidenbruch in Wilberhofen für die Kammerichs Kinder
Auch hier musste die Fabrikation nach dem ersten Weltkrieg eingestellt werden.
An der Sieg, Otts Großmutter eingerahmt von Baeckers aus Siegen, Mutts ( Maria ) und Papps, Tante Käte und Tante Anny
Nun erzählt uns Hilde Klein von den Geschwistern » unserer Mutts « bzw. Oma.

Carl Kammerich als Polizeioffizier auf Ponape in Neuguinea
Als ersten stellt sie Carl ( 1882 - 1958 ) vor. Den gut gemeinten Rat der Familie, sich entweder im Betrieb zu entfalten oder den soliden Beruf des Lehrers zu ergreifen, schlug er lachend in den Wind. Das warme Nest überließ der den Geschwistern. Es zog den Draufgänger aus der Enge des Dorfes in die weite Welt hinaus. Als Schiffsjunge heuerte er an und kam so über die großen Meere in alle Erdteile, von denen Australien sein Lieblingsplatz wurde. Fortan gehörte sein Herz der Südsee, jener zauberhaften Inselwelt, von der für ihn eine Faszination ausging, die ihn sein ganzes Leben beherrschen sollte. Daran änderte auch seine zeitweilige Rückkehr in die Heimat nichts. Nachdem er es bei der Marine bis zum Offiziersstellvertreter gebracht hatte, war man auf ihn aufmerksam geworden, und durch ein verlockendes Angebot der Regierung erreichte er nach harten Lehr- und Wanderjahren auf der mikronesischen Insel Ponapé sein großes Ziel. Im großen Herder, Ausgabe von 1935 wird die Insel folgendermaßen beschrieben: » Die 350 qkm große und 872 m hohe Insel der Karolinen ist tief zerschluchtet und mit Urwald bedeckt, der basaltische Kern von Riffen umgeben. 7914 eingeborene Mikronesier, 609 Japaner und 29 Fremde leben hier. Auf dem Ostriff liegt die Heilige Stadt, eine Kultstätte aus 92 Steingehegen mit 10 m hohen Mauern. Ausfuhr von Kopra. Am 7.10.1914 von den Japanern besetzt.« Hier, auf sich allein gestellt, arbeitete er viele Jahre als Kolonialbeamter sehr erfolgreich. Zum Schutz der Insel gründete er eine schwarze Polizeitruppe, deren unerschrockener Chef er war. Als er einmal, einen Engpass ausfüllend, den Postdienst übernahm, drohten, da das Postschiff längst überfällig war, die Briefmarken auszugehen. Er wusste sich zu helfen, in dem er kurzerhand die Briefmarken durchschnitt - noch heute eine Rarität für Briefmarkensammler! -

Postkarte von Carl Kammerich an Anna Fiebig in Wilberhofen aus Neuguinea von 1910
und die Briefe mit dem Torso auf die dem Torso auf die Reise schickte. Wenn dieser Globetrotter alle paar Jahre auf Heimaturlaub kam - alle paar Jahre auf Heimaturlaub kam - teils mit dem Schiff, teils mit der transsibirischen Eisenbahn - bereitet ihm die hier ansässige Musikkapelle an der kleinen Dattenfelder Bahnstation einen Großen Bahnhof. Sie empfing den Weltreisenden mit der Nationalhymne und die Menschen standen Spalier, um ihn so nach Hause zu geleiten. Als einziger Deutscher auf der Insel - Gouverneur, Arzt und Missionar waren englischer Nationalität - musste er 1914 wegen des japanischen Aufstandes gegen die Unterdrücker Ponapé Deutsch-Neuguinea verlassen. Er tat das illegal, zusammen mit einem Zufallsfreund, im Kohlenbunker eines Frachtschiffes. Dort, in tiefer Dunkelheit 6 Wochen eingesperrt, überlebten sie, weil ihnen ein Matrose ab und zu etwas zu essen brachte. Darüber berichten seine Aufzeichnungen, es kam ein Mann aus der Südsee, obwohl seine Stimme durch das ständige Einatmen des Kohlenstaubes gelitten hatte, und er unter Malariaanfällen litt, meldete er sich freiwillig an die Front. So schnell war dieser Mann nicht kleinzukriegen. Nach Beendigung des Krieges kehrte er sich mit dem in Palästina heiß erkämpften Türkischen Halbmond und anderen hohen Auszeichnungen in die Heimat zurück. Zu Hause richtete er sich mit seinen Schätzen ein kleines privates Museum ein. Er war der sehr bewunderte Onkel der nächsten Kammerich-Generation und blieb bis ins hohe Alter in bemerkenswerter geistiger und körperlicher Frische.

Karl Kammerich nach dem Krieg mit seinem Jagdhund

Carl Kammerich als Polizeioffizier auf Ponape in Deutsch-Neuguinea
Chronik des Carl Kammerich und seiner Familie auf Ponape Neuguinea (heute Pohnpei auf Mikronesien)
Seine Tochter ist Inge Stellmach, ihren Sohn Frank kennt ihr. Auch Käthe ( 1886 - 1950 ) erfüllte sich in ihrer resolut-selbstbewussten Art ihren Berufswunsch. Sie sammelte im Weltkrieg reichhaltige Erfahrungen in der Krankenpflege. Zusammen mit ihrer Schwester Anny - beide blieben unverheiratet - gründete sie auf dem Breidenbruch zunächst ein Kinderheim, in dem Kinder, die aus irgendwelchen Gründen in Bedrängnis geraten waren, vorübergehend Aufnahme fanden. Nebenbei besuchte sie in Köln Seminare und erreichte so schnell mit der notwendigen Praxis und dem für ihr Vorhaben erforderlichen Diplom ihr Ziel als staatlich geprüfte Fürsorgerin. Sie ging später nach Hamburg und arbeitete in dem ihr zugewiesenen Stadtbezirk. Bis zu ihrer Pensionierung war sie eine hochgeschätzte, furchtlose und gerechte Mitarbeiterin ( auch in ihrer Zusammenarbeit mit der Hamburger Kriminalpolizei). Ihre Hauptaufgabe sah sie darin, gefährdeten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Während ihres langen Berufslebens führte ihre Schwester Anny ihr den Haushalt. Nach dem 2. Weltkrieg fanden beide Wohnung und Zuflucht aus dem ausgebombten Hamburg in Mönchen-Gladbach bei der jüngsten Schwester Maria Halfmann.
Ihre ebenfalls sehr praktisch veranlagte, einfallsreiche Schwester Anny ( 1884 1965 ), Lebensbegleiterin ihrer älteren Schwester, unternahm von Hamburg aus »vom Tor der Welt also« viele Reisen. Nach dem Tod ihrer Schwester Käthe gehörte sie weiter zum Halfmannschen Haushalt und übersiedelte mit unseren Eltern nach Köln. Ihr kennt sie alle noch, die kleine, zierliche und immer liebenswürdige Patentante von Ott, deren persönliches Reich in der Curtiusstrasse 2 unser heutiges Schlafzimmer war. Hier ist sie dann auch gestorben.

Lene, Änni, Käthe, Fritz, Olga und Willy Kammerich
Hilde Klein sagt, » In jedem Jahr kehrten die beiden Tanten - städtisch elegant gekleidet und vom Duft der großen weiten Welt umweht, in ihr Elternhaus auf den Breidenbruch zurück, um hier mit ihrer Mutter und den Geschwistern einen Teil ihres Urlaubs zu genießen und die Kinder im Hause mit Mitbringseln zu verwöhnen.
Olga ( 1875 - 1915 ) war die Älteste in der Geschwisterreihe. Sie - ebenfalls unverheiratet - erwarb sich zu ihren Lebzeiten in der Familie und im Dorf einen fast legendären Ruf, und hatte sich, wie es immer erzählt wurde, in beständiger Liebe und Fürsorge für die Ihren und in uneigennütziger Nächstenliebe für ihre Mitmenschen, frühzeitig verzehrt. Mutts hat mir erzählt in welch großer Liebe sie an dieser großen Schwester gehangen hat, die ja als 15 Jahre altere fast Mutterstelle an ihr vertreten hat.
Helene - Lenchen - Lene ( 1876 - 1960 ) war von der Natur besonders bevorzugt. Durch ihre damenhafte, vornehme Erscheinung und ihr sympathisches Wesen erfreute sie sich großer Beliebtheit. Ihre große Liebe galt Franz Lückeroth, dem hiesigen Lehrer ( 1876 - 1966 ), der auch Leiter des Kirchenchors war. Nach der Heirat zog er mit seiner jungen Frau nach Hennef, um dort, zum Hauptlehrer avanciert, mit seiner Familie als angesehener Mann den Rest seines Lebens zu verbringen. ( Bei seiner Beerdigung sind Ott und ich gewesen ). Ihr einziger Sohn Albert ist gefallen.

Familie Albert Lütz, Lehrer Lückerath mit Lennchen Lückerath geb. Kammerich
Vom Bruder Gottfried gen. Fritz ( 1877 - 1947 ) haben wir im Zusammenhang mit der Firma schon gehört. Er heiratete Milly Mandt und seine fünf Kinder - Anneliese, Willy, Karl, Kurt und Hilde wuchsen auf dem Breidenbruch auf, seiner Tochter Hilde, verheiratete Förster Klein, verdanke ich diese und auch die folgenden Aufzeichnungen. Kurt hat wiederum 2 Söhne, Werner und Bernd Kammerich, die Eurer Generation angehören.

Johann Mandt mit Maria Mandt mit Tochter Ida und Enkel

Die Familien Mandt Schimmel und Kammerich

Kurt Kammerich als Feilenhauer

Kurt Kammerich als Knabe und Hilde
Sein Kompagnon bei den Kammerich-Werken Willi ( 1878 - 1954 ) musste zu den Soldaten. Das war bei allem Ungemach für die Firma auch der Grund, dass er erst spät seine Frau Gertrud geb. Wolken ( 1885 - 1962 ) heiratete. Der Sohn Helmut ist gefallen, die Tochter Alice Schneider, Otts Lieblingscousine, wohnt in Siegburg und hat wiederum zwei Söhne.
Und nun kommen wir endlich zu unserer Mutts, Maria ( 1890 - 1982 ), der jüngsten in der Geschwisterreihe. ich zitiere zunächst wieder Hilde Kleins Bericht, diesmal wörtlich:» Maria, die personifizierte Heiterkeit, wurde schließlich mit Freuden das, was der Bruder Carl kategorisch verweigert hatte. Sie besuchte mit Erfolg die Präparandie und ihr Lehrerinnendasein begann an der Schule auf der 300 m hoch gelegenen romantisch-trutzigen Freusburg bei Kirchen an der Sieg. Das war doch ein ganzes Stück von zu Hause entfernt, aber nichtsdestotrotz raffte sich anfänglich die Familie - meist einzeln dosiert - zu regelmäßigen Besuchen dorthin auf, um der durch ganz unvorhergesehene Umstände so verschreckten Mia ein wenig beizustehen. Obwohl ihr niemand die Behauptung abnahm, sie werde zu mitternächtlicher Stunde regelmäßig von einem hörbaren, furchteinflößenden Schlossgeist heimgesucht, leistete die Familie solange uneigennützige Hilfestellung bis sie sich der unabänderlichen Situation kühn beugend, lachend ihre Angst meisterte, und an diesem herrlichen Flecken Erde endlich damit anfing, ihr schönes Leben, jung wie sie war, zu genießen. Später, in Linz, heiratete sie ( 1925 ) ihre große Liebe, den imposanten Lehrer Martin Halfmann ( 1896 - 1982 ), dem eine vielversprechende Karriere bevorstand, ihre beiden Kinder Otto Heinrich Martin und Ilse Olga Maria wurden 1926 und 1928 in Linz geboren.
Fazit : » eins hatten sie alle gemeinsam - mit ihrem sechsten Sinn für Humor, ihrer besonderen Begabung für das praktische und der, mit einem gesunden Verstand einhergehenden Fähigkeit, sich jeder Situation anzupassen, gelangten sie, unterstützt von besonderem Fleiß und bemerkenswerter Ausdauer, genau dorthin, wo für sie das Erstrebenswerte lag. Die große Familie fand sich bei gemeinsamen Freuden und in schweren Zeiten einander sehr verbunden. Keinem wäre auch nur auf die Idee gekommen, "dieses Schlaraffenland" freiwillig zu verlassen.
Die stets mit bestem Beispiel vorangehende und immer um die Familie besorgte Mutter achtete aber nicht nur darauf, dass sich Pflicht mit Entspannung und Arbeit mit Freude in angemessener Reihenfolge abwechselten. Da sie wohl aus Erfahrung wusste, dass es nicht immer so bleiben würde, behielt sie vorsichtshalber - damit auch niemand übermütig wurde - die gestrafften Zügel fest in der Hand. Obwohl derzeit ganz sicher genügend Personal zur Verfügung stand, legte sie dennoch, auch das ist überliefert, strengen Wert darauf, dass "die Kinder, solange sie in ihrem Haus lebten", die ihnen von frühester Jugend an auferlegten, oft unbequemen Pflichten - die damals noch unter keines Menschen Würde standen - auch pünktlich und korrekt ausführten. «
Wie oft hat mir Mutts von ihrer wunderschönen Kindheit dort erzählt, wenn ich bei ihr saß, nachdem » wir uns um die Ecke gebracht hatten,« und die Eltern in der Raumerstraße 8 wohnten. Sie sprach von ihrer großen Freiheit, vom Leben mit der Natur, von ihren Schularbeiten, die sie, wenn sie alleine sein wollte, im Boot auf der Sieg machte, von den abendlichen Handarbeitsrunden mit den Schwestern, von den Schlittschuhlauffesten auf der zugefrorenen Sieg und allen Verwöhnungen, die der Jüngsten aus dem Geschwisterkreis zugestanden wurden.
Damit ihr in etwa eine Vorstellung von ihrem Umfeld habt, schreibe ich Euch einen Teil der Kindheitserinnerungen von Hilde Klein auf, die zwar viele Jahrzehnte nach Mutts dort aufgewachsen ist, die aber im großen und ganzen auch den Erinnerungen von Mutts nahekommen.

Familie Kammerich beim Eislaufen auf der Sieg am Breidenbruch in Wilberhofen

Familie Kammerich beim Eislaufen auf der Sieg in Wilberhofen
»Der sofort an der Sieg gelegene Breidenbruch war derzeit ein Paradies. Diesseits der damals noch nicht asphaltierten Straße begrenzte eine endlose Weißdornhecke den Besitz, und jenseits breiteten sich von Johannisbeer- Stachelbeer- und Buchsbaumsträuchern umsäumte Zier- Obst- und Gemüsegärten aus. Trotz der dicht vor dem Fluss stehenden gewaltigen Tannen und des darunter üppig wuchernden Flieders, blieb der freie Rundumblick aber doch gewährleistet. Und wir, die wir je nach Jahreszeit an alledem Geschehen da draußen teilhatten, das sich bei Hochwasser oder Eisgängen auch manchmal zu einer dramatisch - wilden Naturkatastrophe anwuchs, lobten den, der so viele Fenster, mit Aussicht in das freie Land, besonders zum Wasser hin, bauen ließ.

Geschwister der Familie Kammerich auf dem Breidenbruch in Wilberhofen
Obstbäume aller Art, setzten sich auch längs der Landstraße zu beiden Seiten bis zum Bahnhof fort. Die verkehrsreiche Furt, durch die unsere Bauern von der Frühjahrsbestellung bis zur Ernte im Spätherbst ihre mit Kühen, Ochsen oder Pferden bespannten Ackerwagen holpern ließen, gab dieser landschaftlichen Idylle ein besonderes Gepräge. War das in diesen Kindertagen eine Herrlichkeit mit allerlei Getier das klare Wasser zu teilen. Die geliebten Frösche aber, die ihr dickköpfiges Kaulquappendasein rasch durchliefen, um sich als ausgewachsene Frösche hier am flachen Ufer im seichten Schilf anzusiedeln, ließen sich nicht nur fangen, sondern nahmen oft mit uns zusammen ihr ausgiebiges Bad und waren so vor ihrem Feind, dem Fischreiher, sicher. Ohne sie hätte es kein oft Tag und Nacht anhaltendes Quaak-Konzert gegeben, zu dem die zahllosen Enten den Takt schnatterten, und das Heer der ringsum auf den blühenden Wiesen lebenden Grillen, die weithin hörbare Begleitmusik zirpten. Nur wenig entfernt stand gewöhnlich die große Rohrdommel im Schilf versteckt, während sich gleich nebenan die Reiher anschickten, mit erstaunlicher Gewandtheit auf Fischfang zu gehen. Hoch über uns zog - die Szenerie scharf beobachtend der Rote Milan, dessen Nachfahren noch heute im gegenüberliegenden Hang ihren Hort hüten, seine weiten Kreise. Die sich auf ewiger Suche befindlichen Libellen , die wohl ihre filigranen Flügel gelegentlich ruhen lassen, nicht aber die wachen, vorstehenden Facettenaugen, entzückten uns. Die Aale lagen tagsüber gerne im schlammigen Schilf. Hier hausten auch Fischotter und Bisams. Diese Schilderungen gehören natürlich der Vergangenheit an. Aber, wenn man im durch Straßenbau und Flurbereinigung verkleinerten Garten hinter dem Haus steht oder mit dem Blick die jetzt durch die verkehrsreiche Straße sehr entfernte Sieg sucht, kann man sich mit etwas Phantasie das frühere Leben vorstellen.

Fritz Kammerich mit Frau und Schwägerin 1910
heutiges Fachwerkhaus der Familie Kammerich am Breidenbruch
Ihr solltet die Möglichkeit nutzen, Euch das alte schöne Fachwerkhaus, das Geburtshaus Eurer Großmutter auf dem Breidenbruch anzuschauen, solange dort noch Otts Cousine Hilde als einzige lebt. Denn was später daraus werden wird, steht in den Sternen.

Kinder der Familie Fritz Kammerich auf dem Breidenbruch mit einem Holländer 1913
Ganz kurz will ich noch auf die Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu sprechen kommen. Sechs junge Männer aus der Familie - aus Otts Generation - waren gefallen. Mühsam war der Neuanfang von Fritz und Willi Kammerich. Nur wenige alte Arbeiter standen zur Verfügung. Die aus dem Krieg heimgekehrten Karl und Kurt traten trotz weniger Aufstiegsmöglichkeiten in die Firma ein. So gab es wieder einen Kaufmann und einen Techniker. Um fortan überhaupt konkurrenzfähig zu sein, verkauften sie zunächst den Wald. Auch der in Ohmbach liegende "Kammerichs-Steinbruch" wechselte den Besitzer. Diese der Firma zugute kommenden Verkäufe hatten noch keineswegs die Größe des Breidenbruchs geschmälert, das besorgte viel später der Rhein-Sieg-Kreis, als er eine geradezu unverschämte mehrfache Enteignung oktroyierte. Durch die zweimalige Verbreiterung der Hauptstraße, wurden die beiden Wohnhäuser samt den Gärten diesseits der Straße in Mitleidenschaft gezogen. Die auf den breiten, einst von der Großmutter erworbenen Randstreifen stehenden Obstbaume, sicher mehr als 200 Stück, mussten gefallt werden. Doch damit nicht genug: es folgte über das Nutscheid-Gebirge ins Bröltal gehend, der Bau der Kreisstraße, deren Trasse man wiederum auf unseren und den nachbarlichen Grundstücken absteckte, um sie nochmals empfindlich zu schmälern. Keine Proteste, ebenfalls keine staatlichen und kirchlichen Argumente fruchteten. Im Gegenteil mussten gleich anschließend, die idyllischen Siegauen herhalten. Nachdem der Fluss begradigt, seine Inseln verschwunden, die Garten und Anlagen beseitigt, die Gehölze und die altvertrauten Tannen - seit Jahrzehnten ein Wahrzeichen - geschlagen waren, schuf der Landschaftsverband Rheinland » in Form einer geteerten Siegpromenade für Mensch und Tier, gleich neben der Hauptverkehrsstraße, eine Oase der Ruhe«. Nicht nur den dort lebenden Tieren wurde der Lebensraum entzogen, sondern den Anwohnern u.a. die urkundlich festgehaltenen Fischereirechte genommen. Das war also von dem einstigen Paradies übriggeblieben.
1975 feierte man noch das 100 jährige Bestehen. Noch zur Zeit eines Besuches von Ott und mir zeigte uns Karl etwas vom alten Inventar. Seit 1984, bald nach Karls Tod, hörte die Nachkriegsfirma auf dem Breidenbruch auf, zu existieren. Heute stehen noch einige verlassene und langsam verfallende Gebäude hinter dem Wohnhaus. Wer und wozu sollte man sie auch erhalten ? Karl hat, zunächst mit seiner Frau, bis zu seinem Lebensende dort gewohnt, und mit ihm und nach ihm Hilde mit ihrem Ehemann, dem Förster Hans Klein. Heute ist sie die Letzte vom Breidenbruch.

Seite 1 Testament von Anna Kamerich von 1904
Seite 2 Testament von Anna Kamerich von 1904
Seite 3 Testament von Anna Kamerich von 1904

Bevor ich nun zu den Halfmanns komme, zitiere ich noch eine Geschichte aus Hilde Kleins Aufzeichnungen, in der es um unseren Paps, um Martin Halfmann geht:» Zu einer Beerdigung kam auch Onkel Martin Halfmann, der damals Leiter der Unteroffiziersschule in Jülich war. Vor der Beisetzung machte er, um die Verwandten zu begrüßen, am Breidenbruch Besuch. Was nun unseren Onkel Carl, der damals, das muss ich hier erwähnen, eine kleine Hühnerfarm besaß, veranlasste, seinen imposanten Schwager ein wenig herauszufordern, weiß ich eigentlich nicht.Jedenfalls kam es zwischen ihnen sofort zu einem so unglaublich schlagfertigen Wortwechsel, den ich nachfolgend - wenn auch leider nicht so korrekt, wie er es verdient hätte - wiederzugeben "Du scheinst ja noch gewachsen zu sein, mein lieber Schwager!" "Nun ja, mein guter Carl, der eine wächst in die Erde hinein, und der andere eben über sich selbst hinaus."Nach einer kleinen Verschnaufpause ging das Duell weiter, indem Onkel Carl etwas anzüglich sagte: "Aber, aber, lieber Martin, Du trägst ja auch Sporen, wie viele Pferde hast Du denn?" "Ganz sicher mehr, als Du Hühner hast, mein Lieber", konterte der sofort. Obwohl Onkel Carl längst gemerkt haben musste, dass er ausnahmsweise einmal den Kürzeren zog, gab er dennoch nicht auf und fragte spitzfindig- "Würdest Du, lieber Martin, mir vielleicht auch Deinen sicher sehr hohen Dienstgrad verraten "Aber mit dem größten Vergnügen, wo Dir lieber Carl wohl gewiss nur noch die aus der fernen Kaiserzeit geläufig sein dürften!" "Aber ich glaube, das können Dir die beiden jungen Leutnants, ( die stumm und sprachlos neben ihm standen ) , viel eher beantworten!" Doch nun konnten sie sich auch beim allerbesten Willen nicht mehr ernst halten und fielen sich, indem sie sich vor Lachen geradezu ausschütteten, vor den verblüfften Umstehenden herzlich in die Arme. «Auch ich musste über dieses Gespräch sehr lachen, und denke, dieser Text beleuchtete die Persönlichkeit von Paps von einer ganz neuen Seite.
Die Familien Halfmann, Wirwa und Kammerich, nach einem Bericht von Hilde Klein geb. Kammerich, Wilberhofen, geschrieben 1999.
Ein Bericht wie im Märchen.

1. Peter Josef Kammerich geb. 1835, Foto von 1875, Leiter des Werkes in Wilberhofen im Jahr 1875
Anton Kammerich geb. 1833, Gründer des Berliner Werkes im Jahre 1863

Geburtshaus von Anton Kammerich in Wilberhofen
Ein Versuch, etwas über die Eltern von Ott und Ille Halfmann, die Großeltern von Thomas, Christoph, Martin und Miriam und deren Vorfahren festzuhalten. Leider weiß auch ich nur sehr bruchstückweise davon aus den Erzählungen meiner Schwiegereltern. Hilfreich waren mir eine Buch über die Kammerich - Werke, erschienen zum 90sten Geburtstag und ein Sonderdruck der »Heimatblätter des Siegkreises« in dem sich ein engagierter Heimatforscher, Emil Hundhausen, zu Wort meldet. Sein Artikel heißt 1863 - 1963 - Hundert Jahre Kammerich-Werke«, ein Beitrag zur Familien- und Wirtschaftsgeschichte des östlichen Siegkreises. Mindestens so wichtig aber ist mir eine »Chronik« - die persönlichen Erinnerungen von Hilde Klein, geb. Kammerich, einer Cousine von Ott. Sie hat sie mir, als wir sie im vergangenen Jahr besuchten, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Sie ist übrigens die Einzige, vielleicht sogar die Letzte der Familie Kammerich, die noch heute auf dem Breidenbruch an der Sieg lebt, im selben Haus, in dem unsere Mutts geboren wurde und aufgewachsen ist. Nach dem Motto, lieber Weniges als Garnichts zu wissen, gehe ich das Wagnis ein, etwas für unsere Söhne und Enkel zusammenzustellen denn ich denke, nach mir kann das keiner mehr tun. Aus meiner eigenen Lebenserfahrung weiß ich, dass zu dem Zeitpunkt, an dem man nicht mehr aktiv im Lebenskampf steht und Muße findet, sich mit den Vorfahren zu beschäftigen, leider keiner mehr da ist, den man dazu befragen kann.
Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt ! Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen !
Fangen wir also mit den Kammerichs Werken an.

Stammktie der Kammerich Werke von Joachim Schneider, Sohn von Alice Schneider geb. Kammerich

Kammerich Werk in Wilberhofen- Breitenbruch

Belegschaft der Gebr. Kammerich & Co. in Wilberhofen-Breitenbruch 1905
Auszug aus dem Bericht, als der große Erfinder Edison auf der Weltausstellung von Chicago 1893 nach seinem stärksten Eindruck gefragt wurde, antwortete er ohne Zögern: „Das nahtlose Stahlrohr".
Dr. H. Koch, der Verfasser der 150 Seiten umfassenden Schrift zum 90 jährigen Bestehen der Kammerich-Werke, gibt darin einen Rückblick auf die Kammerichs, den Hilde Klein kurz zusammengefaßt im folgenden wiedergibt. Sie sagt dazu ausdrücklich, daß es sich bei den "Kammerich-Werken, die 1863 in Berlin von Anton Kammerich gegründet wurden und heute ihren Sitz in Brackwede-Süd bei Bielefeld haben, um die Hauptfirma handelt."
Das Zweigwerk in Wilberhofen wurde erst 12 Jahre später, ebenfalls von Anton Kammerich, gegründet und konnte 1975 immer noch unter dem Namen »Siegtaler Feilenwerk Gebrüder Kammerich« sein 100 jähriges Bestehen feiern. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Betrieb von den Brüdern Karl und Kurt Kammerich - Neffen von Mutts - in bereits dritter Generation geführt; und immer noch fertigten sie Feilen, die einst Anton Kammerich aus Remscheids großen Fabriken bezog, mit denen er seinen Handel begann.
Nun zu Dr. Koch : (geschrieben im Jahre 1953)
» Und da sich die neuen Tage aus dem Schutt der alten bauen, kann ein ungetrübtes Auge rückwärts blickend vorwärts schauen« (Spruch aus F.W.Webers "Dreizehnlinden")
"Die Kammerich-Werke sind heute weit über die Grenzen ihres Heimatbezirkes hinaus ein Begriff! Mit ihren neuzeitlichen technischen Einrichtungen, ihrem gut abgestimmten Erzeugungsprogramm und ihren hohen Sozialleistungen gelten sie in Fachkreisen als einer der fortschrittlichsten Betriebe.
Über den Werdegang des Unternehmens ist jedoch in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt, da gedruckte Aufzeichnungen aus der Vergangenheit fast völlig fehlen.
In der Erkenntnis, daß allein aus dem Wissen um die Vergangenheit die Kraft kommen kann, auf die Zukunft zu hoffen und an sie zu glauben, will diese Schrift nun in groben Strichen die geschichtliche Entwicklung der Kammerich-Werke festhalten.
Neunzig Jahre sind seit der Gründung der Kammerich-Werke verflossen. Diese Jahre sind so überreich an großen Geschehnissen, technischen Fortschritten und umstürzenden Entwicklungen, wie sie die Kulturgeschichte der Menschheit zu keiner Zeit vorher aufzuweisen hat. Elektrizität, Leichtmetalle und synthetische Stoffe braChen sich Bahn; Kraftwagen und Flugzeuge traten ihren Siegeszug an; der Rausch der Geschwindigkeit hat alle ergriffen; Wellen im Äther schufen neue Maßstäbe von Zeit und Raum, und schon kündigen die Erkenntnisse der Kernphysik weitere gewaltige Umwälzungen an.
Von solchen Unruhen und Bewegungen kann auch ein Wirtschaftsunternehmen nicht unberührt bleiben. Es wird in den Wirbel der sich immer erneuernden Technik hineingezogen und muß, will es fortbestehen oder seine Bedeutung behalten, mit der stürmischen Entwicklung Schritt halten, ja versuchen, vorausahnend schon heute das zu tun, was morgen unbedingte Notwendigkeit ist, hierbei leistet ein Rückblick, der ja nur Wert hat, wenn er zugleich vorwärts schaut, wer-Wolle Hilfe.
Die Kammerich-Werke haben sich bisher in allen Stürmen der Zeit behauptet, und trotz seines Alters von 90 Jahren ist das Unternehmen auch heute von einem frischen und fortschrittlichen Geist erfüllt, so dürfen die Kammerich-Werke berechtigt sein, trotz aller Fragwürdigkeit unseres Lebens mit Zuversicht auch den nächsten Jahrzehnten entgegenzusehen.
gez. Ernst Neuhaus, Vorstandsmitglied der Kammerich-Werke.
Beim Aufbau seines Werkes hatte er seine Kräfte allzufrüh verzehrt; denn er wurde nur 58 Jahre alt. Die Gräber (seine Gattin starb am 6. April 1905 und ruht an seiner Seite) wurden 1952 eingeebnet. Seine Zweiggründung — der Betrieb in Wilberhofen-Breitenbruch — befindet sich noch heute im Familienbesitz. Hier werden noch immer Feilen gefertigt, jenes Erzeugnis, womit einst Anton Kammerich seinen Handel und die spätere Fabrikation in Berlin begann.
Wenn auch 1901 das letzte Familienmitglied in der Person des Gottfried Kammerich aus dem Hauptunternehmen — dem einstigen Gründungsbetrieb zu Berlin — ausschied (er starb 1910 und ruht auf dem Friedhof zu Dattenfeld), und auch heute kein Grabstein mehr von der Ruhestätte des Werksgründers kündet, so hat er sich doch selbst das schönste Denkmal in der Form seines Lebenswerkes gesetzt.
Seine Mitarbeiter (Karl Strässer) hatte sich u. a. vom Laufjungen bis zum Direktor emporgearbeitet. Er war in Rosbach-Kleehahn (Sieg) geboren und war als Sohn unserer Heimat sogar von 1920—1946 Vorstandsmitglied) und Nachfolger haben in seinem Geiste seinem Werk zu einem immer größeren wirtschaftlichen Aufschwung verholfen. Die Erzeugnisse des Werkes tragen den Namen des Gründers noch heute — und hoffentlich noch ein zweites Jahrhundert — in fast alle Länder der Erde.
Die Urgroßeltern Wirwa
1. Peter Josef Kammerich Fabrikant aus Wilberhofen, heiratete am 9.11.1872 in Berlin die Anna Wirwa, geb. 18.3.1869 in Breslau, gest. 15.1.1933 in Wilberhofen.

Carl Wirwa und Ehefrau Juliane geb. Kürschner
Eltern von Anna Wirwa:
Vater Carl Wirwa, geb. 6.12.1819 in Ottaschin, gest. 21.8.1883 in Wilberhofen, Ehefrau Johanne Juliane Kürschner, geb. 18.1.1821 in Schlieben, gest. 16.4.1878 in Wilberhofen.
Testament S1 von Carl Wirwa 1876
Testament S2 von Carl Wirwa 1876
Testament S3 von Carl Wirwa 1876
Testament S4 von Carl Wirwa 1876
Testament S5 von Carl Wirwa 1876
Testament S6 von Carl Wirwa 1876
Testament S7 von Carl Wirwa 1876
Stammbaum von Karl Kammerich geb. 27.8.1915
Stammbaum von Alice Schneider, geb. Kammerich
Musterungsbescheid von Alice Kammerich
Bescheinigung vom Reichsarbeitsdienst von Alice Kammerich
Stammbaum von Inge und Frank Stellmach, geb. Kammerich
Sippen der Kammerich's:
Sippen der Kammerich's ab 1695 nach Jahrgängen
Sippen der Kammerich's ab 1726 Vornamen nach kirchlicher Heirat
Sippen der Kammerich's Frauen und Ehemänner ab 1750
Familienbeziehung der Familie Etzbach mit Godefredus Kammerich geb. 1804 und Ehefrau Anna Margaretha geb. Etzbach geb. 1805
Fam. Etzbach und Kammerich vor dem Haus auf dem Breidenbruch in Wilberhofen
Chronik der Familie Etzbach ab Anno 704
Familie des Peter Johannes Kammerich, ist der Schladerner Zweig der Kammerichs geworden.
Stammbaum der Familie Peter Johannes Kammerich

Franz Josef Kammerich (Gastwirt?) in seinem Häuschen in Schladern.

Anna Margaretha "Grete" Kammerich in Schladern

Stammbaumauszug von der Familie des Peter Johannes Kammerich
Familie des Peter Kammerich ab 1843

Familie Peter Kammerich, geb. 14.5.1843 in Dattenfeld, ausgewandert nach Amerika
Auszug: Stammtafel des Geschlechts Aldenbrüggen gen. Velbrück
Wilhelmshöhe, Etzbach, Kammerich
Burg Mauel, zu Etzenbach, Kammerich
Quelle und Dank an :
Hilde Klein, geb. Kammerich, Wilberhofen, verst.
Chr. Möllers, Brühl
Joachim Schneider, Sohn von Alice Josefine Schneider geb. Kammerich, Troisdorf
für die Sanduhrtafeln, für den Bericht über die Revolution in der Südsee mit Carl Kammerich, für die Übersetzung der Berichte von Patrik Carl
Frank Stellmach, Sohn von Inge Stellmach geb. Kammerich
Michael Althoff, Windeck
Autor: Karl Ludwig Raab, 20.6.2022
Rebellion gegen die Unterdrücker in der Südsee von Ponape -1910-
Es mag die Südseeromantik gewesen sein, die unendlichen Weiten des Stillen Ozeans, die Carl Kammerich faszinierten, als er aufbrach:
Er heuerte zunächst bei der Kaiserlichen Marine an, dann ließ er sich als Polizeioffizier nach Deutsch-Neuguinea versetzen. Im September 1908 traf der 26 Jahre alte Windecker mit dem Dampfer Langeoog auf der Karolineninsel Ponape ein, die heute zum Inselstaat der Förderierten Staaten von Mikronesien gehört. Doch dort sollte er am 18. Okt. 1910 eine der gewalttägtigsten Episoden der deutschen Kolonialzeit miterleben: den Aufstand des Volkes der Sokehs auf der Insel Ponape, die damals zu Deutsch Neuguinea gehörte.
"Carl Kammerich war beim Ausbruch des Aufstandes dabei", hat sein Großneffe Joachim Schneider aus Siegburg recherchiert. Er stand einer Einheit von Hilfssoldaten einer benachbarten Insel vor, die den Deutschen behilflich war, hatte aber Glück und wurde weder getötet noch verletzt. Die Niederschlagung der Revolte steht für ein finsteres Kapitel des Kaiserreichs.

Carl Kammerich als Marinepolizist auf Ponape Deutsch-Neuguinea

Carl Kammerich als Marineoffizier
Carl Kammerich als Marinepolizist auf Ponape Deutsch-Neuguinea
Denn die Deutschen, die seit dem Aufstands der Hereo und Nama (1904 bis 1908), den ersten Völkermord der Geschichte zu verantworten hatten, gingen in ihrem westpazifischen "Schutzgebiet" unbarmherzig gegen die Einheimischen vor. Der Inselkommandeur führte schon zuvor ein "hartes Regiment", entnahm Schneider seinen Quellen. Steuerforderungen leistete die indigene Bevölkerung damals meist durch körperliche Arbeit ab. Als sich ein junger Einheimischer auf der Nachbarinsel bei der Arbeit den Anweisungen widersetzte, stellten am folgenden Tag auch alle anderen die Arbeit ein. "Als der Bezirksamtmann die Widerspenstigen zur " Raison" bringen wollte, wurden fünf deutsche Verwaltungsbeamte, darunter der Inselkommandant und weitere fünf in Regierungsdiensten stehende Mikronesier von den Aufständischen getötet", schreibt Schneider. Der Streit eskalierte: Vier deutsche Kriegsschiffe mit insgesamt 52 Geschützen und 745 Mann rückten an, zudem 200 melanesische Polizeisoldaten. Nur mit relativ hohen Verlusten habe der Aufstandniedergeschlagen werden können.
Sein Großonkel habe später die Angeklagten von der Holzveranda des Bezirkamtes holen müssen, wo sie aneinandergefesselt auf ihren Prozess warteten. "Das Urteil war hart", so Schneider, "17 der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, die übrigen zu Gefängnisstrafen oder Zwangsarbeit." Noch am gleichen Tag, dem 23 Febr. 1911, wurde das Urteil durch ein Erschießungskommando vollstreckt. "Den deutschen Marinesoldaten und den Polizeimeistern war die Teilnahme an der Hinrichtung untersagt." Sehr mitteilungsfreudig sei der Auswanderer aber zumindest damals wohl nicht gewesen:

Ansichtskarte aus Ponape von 1910
Auf einer Ansichtskarte von 1910 an die Daheimgebliebenen findet sich nur die Zeile "Viele Grüße an Dich und alle. Dein Carl". Die Karte konnte vor kurzem wegen der seltenen Briefmark für 1800 Euro versteigert werden.
Kammerich kehrte nach Deutschland zurück, heiratete 1920, wurde Vater einer Tochter und starb 1958 mit 76 Jahren.
Sein Schwiegersohn lebt in Troisdorf: "In meinen Augen war er ein Abenteurer", sagt der 96-jährige. Carl Kammerich, der acht Geschwister hatte, habe sich gegenüber zwei Brüdern benachteiligt gefühlt, als es um die Unternehmensnachfolge des Familienunternehmens ging, einerFeilenfabrik in Wilberhofen, und sich auf in die Ferne gemacht. Zudem sei er ein Naturfreund gewesen, der, in die Heimat zurückgekehrt, eine Pension erhielt und Jagdpächter wurde. Aus Erzählungen erinnert er sich, dass der Schwiegervater den Umgang mit den Einheimischen als ungerecht empfunden hatte. "Mit der Polizei hatte der eigentlich nicht viel am Hut."
Seit 3000 Jahren bewohnt
Die Insel Ponape (heute Pohnpei, früher Accension Island) gehört zum Archipel der Karolinen im westlichen Pazifik und ist vermutlich seit mehr als 3000 Jahren bewohnt. Durch den Verkauf wechselte die Insel 1899 aus dem Besitz von Spanisch-Ostindien als Kolonie ins Deutsche Kaiserreich. Bewohner hatten wie 1910 gegen die Deutschen zuvor schon gegen die spanische Kolonialmacht rebelliert.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Insel widerstandslos von japanischen Truppen besetzt, 1947 UN-Treuhandgebiet unter US-Verwaltung. Die Stadt Palikir auf Ponape ist Hauptstadt der Förderierten Staaten von Mikronesien, die seit 1986 unabhängig sind.
Der Ort der Hinrichtungen von 1911 ist heute eine Gedenkstätte, der Todestag des Anführers Soumadou en Sokehs ein Feiertag.
Kriegsbilder aus Ponape nach einem Bericht eines deutschen Seeoffiziers von E. Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim

Warum ich mein Tagebuch herausgebe.
Über ein Jahr ist hingegangen, sind all das einst Erlebte erscheint mir nur mehr wie ein Traum. Wie eines der sagenumwobenen Wunderländer aus einem Märchenbuch, so zieht das einsame, palmenrauschende Südsee-Eiland durch meine Phantasie. Ein eigenes, wunderbares Märchen ist in mir entstanden, Bild schließt sich darin an Bild, und wenn ich die Gedanken zügeln und ihren Flug zur Wirklichkeit lenken will, dann blättere ich in den Seiten meines alten, regenverwaschenen Tagebuches, das mich auf allen Wegen treu begleitet hat, und aus den hingeworfenen Zeilen weht mich ein Hauch an von dem Erleben jener tatenfrohen Zeit . Dann sehe ich alles so deutlich vor mir, greifbar nahe, als wäre ich noch dort ; sehe die trotzigen Felswände, die reißenden Flüsse, den düsteren Busch, sehe manch liebes, bekanntes Gesicht und manche wutverzerrte Fratze, höre brausendes Hurra und gellend wildes Kampfgeschrei. Überall dem glühend heiße Sonne, oder zuckende Blitze aus regenschwangeren Wolken. Und in dem Toben der Elemente, auf schlüpfrig steilen Felsenpfaden, im Knattern und Gelärm des Gefechtes sehe ich euch, ihr tapferen blauen Jungens, in eurem nassgeschwitzten, zerrissenen, braunen Zeug, die Köpfe dunkelrot vor Anstrengung, das Herz unterm schweren Patronengurt in Kampfbegeisterung schlagend, doch stets am rechten Fleck, standhaft und unverzagt. Ihr habt gezeigt, was deutsche Matrosen leisten können, und habt des Vaterlandes Dank verdient. Und darum schrieb ich dieses Buch, daß eure Mühen und eure Taten nicht ganz im Meere der Vergessenheit versinken. Dann tauchen Gräber vor mir auf, Gräber von treuen Beamten und tapferen deutschen Soldaten. Die liegen so weit und sind so wenig gekannt . Auch ihnen soll mein Buch dazu verhelfen, im Herzen des deutschen Volkes den Platz einzunehmen, der ihnen gebührt . Und noch eins! Ihr meine „ schwarzen Jungens " aus Neuguinea sollt nicht vergessen werden. Auch ihr gehört an diese Stelle, denn auch ihr seid deutsche Untertanen und habt mit eurem Blut bewiesen, daß ihr dessen würdig seid. Darum widmet euch euer Chiap aus Ponape, dem ihr so oft das Leben beschützt habt, manche Seite seines Buches. Und wenn ihr selbst es auch nicht lesen könnt und nie etwas davon erfahrt , so wird es doch den weißen Misters und Misses, denen mein Buch in die Hände fällt, zeigen, daß auch unter eurer schwarzen Haut treue Herzen schlagen und ihr gar nicht die Kannibalen seid, für die man euch hier hält . Längst seid ihr wieder zerstreut in die unendliche Einsamkeit eurer düsteren Wälder, seid zurückgekehrt in die palmengedeckten Hütten eurer Väter, wo die immer grünen Brotfruchtbäume kühlen Schatten spenden und treugepflegte Bananenstauden ihre reifen Früchte tief herabneigen : «Komm und pflücke mich !" Und ihr hütet und bewacht ängstlich den kleinen Besitz, den Schweinekral mit den schwarzen und rosigen Ferkeln, das hohe Zuckerrohr am nahen Bach, und liebevoll rankt eure Hand die zarten Schößlinge der Nams um den stützenden Baumstamm, damit er ja recht dick und schwer werde und nicht vor der Zeit verkümmere. Die Kokosnüsse auf euren schlanken Palmen sind euch heilig, und nur, wenn es niemand sieht, und der Durst allzu groß ist, holt ihr heimlich eine herunter, trinkt und eßt sie sorgfältig aus und stopft den Rest des süßen Kerns in die immer hungrigen Mäuler eurer kleinen, schmutzigen Brüder und Schwestern. Das Ivar anders damals, wie ? Wißt ihr noch ? Wißt ihr noch, wie wir gehaust haben in den strotzenden Fruchtgärten Ponapes, wie der Reichtum eines ganzen Volkes in wenigen Tagen von euch verschleudert und vernichtet wurde? Denn ihr wäret mit mir im Krieg gegen Rebellen. Wißt ihr 's noch, wie wir sengend und brennend durch das blühende Land Zogen, wehende Rauchsäulen verbrennender Dörfer als Wegweiser des Tags, als leuchtende Fackel des Nachts ? Wie die dunklen Gewitterwolken über euch rotglühende Ränder bekamen lind ihren Abglanz warfen auf eure regengepeitschte, flimmernde, schwarze Haut ? Wie wir in endloser, schleichender Schlangenlinie in stockfinsterer Nacht durch den Urwald zogen, über Felsgeröll und reißende Wasser, und dann im keimenden Lichte des Tages, wenn der erste Hahn vertraulich krähte , das schlummernde Dorf, das wir umzingelt, überfielen? Mit Hallo und wildem Geschrei, und vielem, vielem unnötigen Schießen: denn „Soldaten " wart ihr eigentlich nicht, wenigstens nicht im Sinne des preußischen Reglements. Aber brave Burschen wart ihr darum doch, treue, tapfere, große Kinder eurer Berge, mit denen es eine Lust war, „Räuber und Gendarm " zu spielen. Und sicher spielt ihr es noch oft, singt zum Klange dumpfer Holztrommeln die wilden Kriegsgesänge eurer Phantasie lind springt an. Vollmondfest, beim großen „Sing-Sing " jauchzend und lachend ums heimatliche Feuer: „Hie Jomatau , hie Policeman ." Dann ist oft euer Chiap von Ponape in Gedanken bei euch unter dem sternbesäten Himmel und sitzt in eurer Mitte auf der erbeutete Königsmatte von Dschokadsch, die ihr für ihn auf den weißen Sand gebreitet habt, und lacht und freut sich mit euch des frohen Festes, gerade so, wie er damals ' so manches Mal nach heißem Kampf still und trauernd mit euch am harten Sterbelager eines Gefallenen saß und beim verlöschenden Feuerschein die Totenwache hielt . Als dann der vorletzte Februartag , der Tag des Abschieds, kam und eure vierhundert schwarzen Fäuste sich mir entgegenstreckten: „good by Chiap, good by master !", da habe ich mir versprochen, euch ein kleines Denkmal zu setzen, damit ihr nicht fehlt in der Geschichte derer, die je für unser Vaterland gestritten und geblutet haben. Mein Tagebuch, so wie es ist, zu veröffentlichen, wäre nicht gut angängig gewesen , denn selbst ich habe oft Schwierigkeiten gehabt, aus den kurzen, verworrenen Notizen den richtigen Sinn herauszulesen. Deshalb habe ich es ausgearbeitet und dort, wo es nötig war, mit ein wenig Phantasie die Bilder und Stimmungen hervorzubringen versucht, wie sie in der Wirklichkeit waren. So übergebe ich es denn der Öffentlichkeit und hoffe, daß es den Leser interessieren wird und ihm ein Bild entwirft von jener spannend schönen Zeit auf Ponape.
Kiel, November 1912 .
Der Verfasser

Der Verfasser Oberleutnant zur See Edgar Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim
Situationsplan der Operation gegen die Dschokadschinsel Palakir, Tomara und Nankiop

Situationsplan der Operation gegen die Nankiop-Stellung

Fotogalerie aus den Kriegsbildern des Verfassers
Der Polizeimeister Carl Cammerich wird in vielen Seiten des Buches erwähnt und sind nachzulesen unter:
Download des gesamten Berichtes unter Kriegsbilder aus Ponape:
Uni Frankfurt: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/dsdk/content/titleinfo/9020507
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hdh/content/titleinfo/3039873
Zum Aufstand auf der Insel gibt es auch mehrere Videos auf YouTube. Allerdings sind sie alle auf Englisch. Zumindest auf zwei der gezeigten Fotos habe ich Carl Kammerich erkannt, schreibt Joachim Schneider aus Troisdorf.
Bei diesem Video wird die Geschichte des Aufstands beschrieben und mit Originalfotos und nachgestellten Filmszenen hinterlegt.
Hier findet sich ein kompletter Überblick über die deutschen Kolonien in der Südsee. Der Aufstand wird ab 50:00 Min. behandelt.
Hier findet sich der Aufstand ab 21:00 Min.
Der Sokeh Aufstand auf Ponape Vortrag von Max Morlang
Chronik des Carl Kammerich und seiner Nachfahren der Familie Carl in Pohnpei
Chronik der Kammerich's aus Wilberhofen ab 1695
Autor: Karl Ludwig Raab
Dank an Herrn Joachim Schneider, Troisdorf
Quellenverzeichnis
Karte: J. Jost, Dattenfeld
Autoren der Texte: Andreas Helfer, Kölner-Stadt-Anzeiger
Morlang, Thomas, Rebellion in der Südsee, Ch. Links Verlag, Berlin 2010
Englische Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Sokehs_rebellion
Deutsche Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Sokehs
Kriegsbilder aus Ponape:
Uni Frankfurt: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/dsdk/content/titleinfo/9020507
Union deutsche Verlagsgesellschaft
Die Engbachmühle in Wilberhofen

Die Engbachmühle auf der Mercatorkarte von 1575

Arbeiter der Engbachmühle
Wasserkraftnutzung der Mühlen in unserer Heimat
Mutungsrechte der Engbachmühle
Schon lang ist der fleißige Müller am rauschenden Bach auch aus der Gemeinde Windeck verschwunden. Die Mühlenromantik ist uns nur noch in der Dichtung, der Malerei, der Fotografie, im Volksmund und vor allen Dingen im Märchen erhalten geblieben.
Dem Dramatiker Bert(old) Brecht hatte es wohl besonders das Wasserrad angetan, denn von diesem archetypischen Gerät hat er uns u. a. die folgenden Zeilen hinterlassen:
„Freilich dreht das Rad sich immer weiter,
Daß, was oben ist nicht oben bleibt,
Aber für das Wasser unten heißt das leider
Nur: daß es das Rad halt ewig treibt.“
Wenn ein Wanderer vor über 400 Jahren (nach der Mercatorkarte aus dem Jahre 1575) in der heutigen Gemeinde Windeck siegaufwärts schritt, so konnte er die Radmühlen am Kaltbach, Engbach, Trimmbach, am Siegfluß bei Mauer, am Löschbach und am Irsenbach klappern hören.
Außerdem bestanden einst in der Gemeinde Windeck noch die Unkelmühle, Werfermühle, Hundhausenmühle, Pulvermühle, Vierbuchermühle, Ehrentalsmühle und die Bachmühle im Rosbachtal, so daß die heutige Gemeinde 7 Wohnplätze aufweist, in deren Namen die einstigen Mahlmühlen weiterleben. Außer der Bachmühle wissen wir nur wenig über ihre Entstehung, Betreiber und ihren Untergang. Die ehemalige Übersetziger Mühle bei Dattenfeld war wie die Etzbachs- oder Maueler Mühle vom Wasser der Sieg abhängig, während die Wasserkraft des Gierzhagener Baches ursprünglich ein Pochwerk (daher der heutige Wohnplatz Poche!) zur Zerkleinerung der Grubenerze (hauptsächlich der Grube Silberhardt) antrieb.
Dieses wandelte sich später – als der Erzbergbau in hiesiger Gegend unrentabel wurde- zu einer Mehlmühle, um zuletzt als Sägemühle in die Geschichte einzugehen.
Von den gebräuchlichsten Mühlen seien hier genannt: die Lohe-, Pulver-, Öl-, Getreide-, Säge-, Poch-, Knochen-, Tret- und Göpel- oder Roßmühle.
Zu den drei letzteren noch ein paar Bemerkungen: Die Knochenmühle stand unterhalb der Bachmühle im Rosbachtal.
Ihr Besitzer Christian Stöver war unter dem Spitznamen „Elektrescher Chrestian“ weithin bekannt, da er nach Aufgabe seiner Knochenmühle einen Dynamo betrieb und die Lungenheilstätte sowie den Ort Rosbach so recht und schlecht mit Strom versorgte. Die Tretmühle wurde von Menschen oder Tieren in Bewegung gesetzt, wie wir es im Kreismuseum zu Hachenburg noch sehen können. Sie wurde zum Inbegriff für den täglichen Arbeitstrott.
Eine Göpel- oder Roßmühle war dagegen in hiesiger Gegend eine Seltenheit. Im Jahre 1866 war eine solche auf dem Otto-Hof bei Herchen in Betrieb. Von dort wanderte sie nach Engelsbruch, wo sei 1988/89 von dem Förderer und Freundeskreis des Heimatmuseums zu Altwindeck abgebrochen wurde, um sie am Museum wieder neu aufzurichten. Diese Mühlen waren in der Landschaft nicht zu erkennen, da sie von einer gewöhnlichen Scheune nicht zu unterscheiden, ähnlich einem früheren Karussell wurden sie von Pferden oder Ochsen angetrieben.
Die Mahlmühle oder Ackerermühle in Wilberhofen
Die Kaltbachmühle bei Hoppengarten

Kaltbachmühle bei Hoppengarten
Da sich das Rad der Geschichte ebenfalls unaufhörlich weiterdrehte, wurde das Werden und Vergehen der alten Mühlen wie zwischen ihren eigenen Mahlsteinen zerrieben. Doch nicht die modernen Kunstmühlen, die elektrisch oder mit Turbinen angetrieben wurden, sondern die Erfindung des Lastautos führte zwischen 1920 und 1930 das plötzlich Ende der Rad- und Flügelmühlen herbei. Per Auto wurde das Getreide beim Erzeuger abgeholt, sogleich in der Großmühle gegen Mehl und Futtermittel umgetauscht, um den Bauern den eigenen zeitraubenden Transport mit Pferden oder Kühen zu ersparen.
Engbachmühle
Wenn wir uns nunmehr der Engbachmühle zuwenden, so wissen wir (lt. Mecatorkarte), daß sie vor über 400 Jahren erbaut wurde.
Ihre Geschichte bis zur Jahrhundertwende liegt weitgehend im dunkeln. Erst dann finden sich genauere Angaben, die von den damaligen Besitzern hinterlassen wurden. Wann ihre Zweckentfremdung stattfand ist nicht bekannt, jedoch die Gründe dürften in dem bereits angedeuteten Trend der technischen Entwicklung gelegen haben. An der einsamen und idyllischen Lage der Engbachmühle hat sich bis heute nichts geändert.
Die moderne Zeit ist hier zum Glück vorbeigeschritten. Ihr Wasserrad wurde einst von den Quellen des „Großen- und des Kleinen Baches“, die sich zum Engbach vereinigen, angetrieben. Sie liegen am Südhang des Nutscheid-Höhenzuges unterhalb des „Hohen Wäldchens“, führten jedoch langjährig nicht genügend Wasser, so daß ein Mühlenteich notwendig war, um in einer Trockenperiode genügend Wasser für das oberschlächtige Rad zu sammeln.
Über die Befischung des Baches wissen wir aus dem Jahre 1912, daß er auf einer Länge von 1080 m und einer Laufzeit von 6 Jahren an Forellenangler verpachtet wurde, im Gegensatz zu heute für den märchenhaften Preis von 43,- M. Landrat Gerdes (Waldbröl) berichtet 1913, daß im Jahre 1911 in der Engbachmühle von dem Kaufmann Rau eine Fabrik für Fahrradteile eingerichtet und zuerst von ihm allein, dann in Gesellschaft mit dem Kaufmann Böllinghaus betrieben wurde. Nachdem Absatzschwierigkeiten zum Geschäftsverfall geführt hatten, nahm der Teilhaber 1913 den Betrieb allein wieder auf. Nach den Aufzeichnungen von Egon Böllinghaus übernahm sein Vater aber die Firma von den Fabrikanten Rinsche und Rose, die wohl vorher den Betrieb von Rau übernommen hatten? Böllinghaus wurde ihr neuer Compagnon und wenig später Alleininhaber Er wohnte mit seiner Familie 1912 zuerst bei dem Kaufmann Josef Lütz in Dattenfeld. Während dieser Zeit brannte eines Nachts das Wohnhaus in der Engbach ab.
Von dem Bauunternehmer Franz Poppel aus Schladern wurde es wieder aufgebaut.
Nach Fertigstellung wurde es von der Familie bezogen. Da die Wasserkraft im Sommer für den Antrieb der Maschinen nicht ausreichte, wurde ein Deutz Gasmotor in einem Anbau vor der Fabrik aufgestellt. Im vorderen Raum des Motorenhauses standen zwei vertikale Kessel, in denen aus Kohle das benötigte Gas zum Antrieb des Motors erzeugt wurde. Das eiserne Wasserrad von 5 m Durchmesser und 1 m Breite lag im Keller unter der Fabrik. Ein Vorgelege vergrößerte die Umdrehungen auf die entsprechende Geschwindigkeit der Maschine.
Maschinenpark bestand aus 1 schweren und 1 mittelschweren Exzenterpresse, 1 schweren Friktionsspindelpresse, Drehbänken, Fräsmaschinen, Bohrmaschinen und Schmirgelböcken. In einem besonderen Raum stand ein Härteofen mit mehreren Kammern und 1 Ölwanne, daneben war noch ein Raum mit der Schmiede. Es konnten hier maximal 40 Leute beschäftigt werden.
Lager und Packstube waren im Wohnhaus untergebracht. Über eine Rampe am Wohnhaus konnten die Wagen mit Kisten beladen werden. Eine weitere Rampe vor der Fabrik diente zum Abladen von Material, Kohlen u. a. Diese Massengüter mußten am Bahnhof in Schladern entladen und mit Fuhrwerken in die Engbachmühle gebracht werden. Ähnlich wie bei den Mehlmühlen eine teuere zeitraubende Angelegenheit. Im Jahre 1918 wurde die Fabrikation eingestellt und alle Maschinen verkauft.
Böllinghaus verkauftge 1934 sein Anwesen und zog nach Remscheid zurück.
Neuer Besitzer wurde Herr Luft, der kurz darauf an Herrn Mandt und dieser wieder an weitere Besitzer verkaufte.
Das Haus Bitze, Etzbach, Villa Karolina und das Forsthaus standen noch nicht, so daß man sich bei Dunkelheit scheute, den Weg am Rochuskreuz vorbei in die Engbachmühle zu gehen, ohne unwillkürlich die Schritte zu beschleunigen.
Hinter dem Bahnwärterhäuschen Nr. 44 begann ein großer Fichtenwald, worin die Zigeuner gerne ihr Nachtlager aufschlugen.
Trinkwasser gab es nur aus einem kleinen Brunnen im Garten, dessen Wasser bei starkem Regen sehr lehmig wurde.
Nachdem die Fabrikation eingestellt war, wurde der elektrische Strom selbst hergestellt, da noch eine Dynamomaschine vorhanden war. Sie wurde abends durch das Wasserrad angetrieben. Nachdem in der Mitte der 20er Jahre das Forsthaus erbaut war, erfolgte der Anschluß an das öffentliche Stromnetz. Im Winter, wenn alles tief verschneit war, kam oft tagelang kein Mensch zur Engbachmühle.
Selbst der Briefträger Hundhausen kam nicht täglich, wie auch der Förster Thiel, der hier sein Revier betreute. Egon Böllinghaus mußte als Kind – wegen seiner evgl. Konfession – nach Schladern zur Schule gehen, was mit Gefahren, Zeitverlust und Kosten verbunden war.
Engbachmühle
Bei plötzlicher Schneeschmelze setzte das übliche Hochwasser ein, das auch den Engbach zum Wildwasser anwachsen ließ.
Tag und Nacht tosten dann die Wassermassen am Überlauf des ehemaligen Mühlenteiches und stürzten rauschen in das tiefer gelegene Bachbett.
Stets war dann die bange Frage, ob das Wehr, ob der Damm des Teiches diesem ungewöhnlichen Wasseransturm wohl standhalten würde, denn bei einem unvorhergesehenen Dammbruch wäre alles hinweggeschwemmt worden und vor dem Eisenbahndamm hätte sich dann ein großer See gebildet. Der Wassergefahr im Frühjahr standen die oft schweren Sommergewitter gegenüber.
Mögliche Blitzeinschläge in den Gebäuden, wie sie im nahen Staatsforst nicht selten passierten, brachten manchmal größte Gefahr durch Waldbrände.
Dazu kam noch die begründete Angst, daß in dieser Einsamkeit auf sich allein gestellt war und schnelle Hilfe nicht geholt werden konnte.
Einer der größten Waldbrände 1919 im benachbarten Elisenthal ist mir noch in Erinnerung. Die dortige Pulvermühle konnte jeden Moment in die Luft fliegen, so daß die Bewohner von Dattenfeld v.d. Berg ihre Wohnungen panikartig verließen und jenseits des Berges in die Engbachmühle flüchteten um hier Zuflucht zu suchen, zumal sie bereits durch zwei schwere Explosionen in den Jahren 1913 und 1915 traurige Erfahrungen gesammelt hatten. Über die unheilvollen Ereignisse soll in einem der folgenden Aufsätze ausführlicher berichtet werden.
Die Fa. Böllinghaus & Rose in der Engbachmühle.
Die Fa. Böllinghaus & Rose in der Engbachmühle 1913
Fabrik u. Belegschaft der Fa. Böllinghaus u. Rose
Frau Böllinghaus u. Frau Rose in der Engbachmühle 1929
Egon Böllinghaus aus der Engbachmühle hoch zu Roß -1915-
Wasserkraftnutzung der Mühlen in unserer Heimat
Autor: Karl Ludwig Raab
Autor des Textes: E. Hundhausen






















