©Karl Ludwig Raab

Dem Konvent angegliedert waren Bade- und Brauhaus, eine Öllicht oder Walkmühle, Bau- und Gemüse- und ein Weingarten, Stallungen, Scheunen und Häuser für Bedienstete. Aus den Inventarlisten des 15. und 16. Jahrh. gewinnt man eine Fülle neuer Erkenntnisse, über alltägliche Gegenstände und Arbeitsgeräte, etwa von den vielfältigen Garn- und Stoffarten (gegen Jahreslohn waren "Moilner" und Gerber angestellt), 
Fischereiwesen, Töpferei, Eßgewohnheiten, z.B. daß (1581) die Nonnen
  düppen mit Birnkraut" aufführen" ; der alte

 


Foto: Lands Apfelkrautfabrik in Herchen

 

Obstverwertungshof Land in Herchen hat demnach eine sehr alte Tradition. (Die Bezeichnung "Kraut" für Sirup ist von lokaler Bedeutung.

Die älteste "Walck Moehl" (1581) gehörte dem Kloster Herchen: diese Filzmühle diente dem Lockern der Gewebefäden und eine Göpelmühle. Die Kirche dort beklagte (1581), daß aus dem "mullenhandwerk wenich nutz und geringe renten" fließe; der Kloster- "moilner Mant" bekam (1468)  eine Entlohnung von 6 Marc, ihm unterstellt war wohl auch die Badestube in der Mühle!.

Das Kloster wurde 1581 angeblich wegen Armut und Verwahrlosug aufgelöst, beides war eine Denuntiaton am Herzoglichen Hof. In Wahrheit wird wohl Mangel an Personal, z.T. durch die Pest dahingerafft, Grund geboten haben, Inventart und Besitzungen an die Augustinerinnen in Merten abzutreten. Die Äbtissin Anna Margaretha von der Hoven gt. v. Pampus ließ 1702 zur Erinnerung an die Heiligen Antonius (Pest!) und Nikolaus (Patron der Schiffer und Schüler!) an der Stelle, wo das Kloster war, eine Kapelle errichten: südlich des Dorfes auf dem rechten Siegufer.
Die genaue Stelle des Klosters in Herchen kann heute nicht mehr genau ermittelt werden. Eine alte Bruchsteinmauer im Ortskern wurde einem Nebengebäude zugeschrieben. Bei Erdarbeiten am Hause eines alten Fachwerkhauses wurden Reste eines Ziehbrunnens gefunden und restauriert. Die Straße "im Klosterhof" und die Grundschule "Schule am Klostergarten" erinnern noch heute an die Vergangenheit der Zisterzienser.

Die Reformationszeit hat im Mittelsiegraum infolge verwickelter Grenzziehungen zeitweise kuriose Verhältnisse geschaffen. Es war so, wie es Spruchdichter Logau, verspottete: "Luthrisch, Päpstlich und Kalvinisch, diese Glauben alle drei - sind vorhanden, doch ist Zweifel, wo das Christentum denn sei". Da heißt es von einem Pfarrer, "ging er über die Sieg, so war er lutherisch". denn unterhalb des Flusses war er katholisch, da heißt es von einem evangelischen Orte, "hic viget merus Papismus", daß reines Papsttum vorherrsche, da urteilt man empört, der Pastor sei ja "semi lutheranus, semi catholicus", ein Zwitter sozusagen; in Herchen gar, wird man so handgreiflich, daß der "ludimagister Herchensis ab hareticis occisus est" also ein Lehrer den "Märtyrertod" erleidet - mitten im 30 j. Kriege, Anno 1636!.
Wie das bergische Seelscheid erhält nun auch Herchen eine Simultankirche, bis 1876 die ev. Kirche fertiggestellt wurde. Ihr Erbauer war der Kölner Architekt August Lange (er plante auch die Basilika in Dattenfeld), der zugleich auch die kath. Petruskirche in Herchen wesentlich umgestaltete, aber Teile der romanischen und gotischen Bauzeit einbezog, erhalten blieb hier das spätgotische Triumphkreuz aus dem 15. Jahrh.
Mechthild , die wohltätige "Markgräfin", schenkte ihrem Kloster Herchen  (1250) Wälder in der "Mark Stroinberch, genannt Sundringen (mit) potestas", mit Holzgewalt, also einen Erbzins für eigene Nutzung, für den ein Jahreszins an den "gräflichen Hof zu Benzinchusin (Burg Benzekausen bei Rosbach) zu entrichten war; über Stromberg ist 1131 bereits von einem Almosenhof (ad elemosyna) des Cassiusstift Bonn und zur Reformationszeit von eine Hofgerichte die Rede. Ob sich auf das Kloster der 340m hohe "Mönchskopf" (südlich von Stromberg) bezieht, ist strittig.

Schon die letzten Nonnen von Herchen und ihre Erbinnen, die Klosterfrauen von Merten, waren nicht mehr imstande, die ehemaligen Güter und Einkünfte des Klosters Herchen mit Sicherheit festzustellen, und um so weniger ist es zu verwundern, wenn dies heute nicht möglich ist, wo seit Jahrhunderten der Kontakt unterbrochen ist. Umfang und Größe des Herchener Klosterbesitzes läßt sich gar nicht mehr bestimmen, wie sich auch über dessen Wert und Lage Zweifel und eine gewisse Unsicherheit nicht beheben lassen. Es fehlen eben zu viele Urkunden, die uns Aufschluß geben könnten. Selbst die Orte, wo das Kloster begütert war und Einkünfte bezog, können nicht alle vollzählig und unzweifelhaft zusammengestellt werden.

Den Grundstock des Herchener Klostergutes bildeten die Stiftungsgüter, mit welchen Gräfin Mechthild von Sayn das neu entstehende Zisterzienserinnenkloster ausgestattet hatte.

Sehr beträchtlich scheinen diese allerdings nicht gewesen zu sein. Für eine kleine Klostergemeinde, die auf die Freigebigkeit weiterer Kreise wohl rechnen durfte, genügten sie immerhin. Wie zu erwarten war, blieben Schenkungen nicht aus. die mit dem Fortschritt der Zeit freilich seltener wurden. Häufiger begegnen uns dagegen Vergabungen, die dem Kloster vonseiten eintretender Novizinnen oder deren Verwandten zugewendet wurden, wie z. B. die oben erwähnte Paza von Halle dem Kloster recht ansehnliche Güter zuwies. Daneben vergrößerten auch gelegentliche Erwerbungen und Käufe den klösterlichen Besitz, so daß der Konvent bei guter Haushaltung jeder größeren Sorge um das tägliche Brot und Auskommen enthoben war.

Aehnlich jenem der großen Abteien des Ordens war der Wirtschaftsbetrieb der Zisterzienserinnenklöster eingerichtet und nachgebildet. Wo es sich durchführen ließ und eine genügende Anzahl von Konversen zur Verfügung stand, herrschte der Eigenbetrieb vor, so daß diese auf den einzelnen Höfen die Verwaltung besorgten. Die Gründung von Herchen fiel ja noch in jene Zeit, in der im Orden, besonders in den deutschen und nordischen Ländern, die alten Wirtschaftsprinzipien in Geltung waren. Und deshalb geht man gewiß nicht fehl, wenn wir dieselben Verhältnisse auch auf Herchen übertragen. Konversen waren es auch hier, die wenigstens auf den umfangreicheren und zusammenhängenden Besitzungen die Wirtschaft führten. Als solche sind wohl die Güter in und um Herchen (Gerresen, Neuenhof, Richardshohn) und die Höfe zu Alzenbach, Eitorf, Geistingen-Hennef, Grau-Rheindorf, Küdinghoven, Manroth und Stieldorf anzusprechen. Urkundlich nachweisbar ist dies nur bei Grau-Rheindorf der Fall, wo wir noch im 14. Jahrhundert Konversen als Verwalter Herchener Klostergutes antreffen. Mit der Zeit fiel auch in Herchen der Eigenbetrieb aus Mangel an den nötigen Kräften weg und an seine Stelle trat wie anderswo ausschließlich das weniger vorteilhafte Verpachtungs- und Zinssystem. Für Herchen bedeutete dieser Wechsel keine tief einschneidende Umwälzung und Veränderung, nur daß sich damit die Einkünfte des Klosters naturgemäß niedriger stellten und dasselbe insofern eine Einbuße erlitt.

Die Zusammenstellung der Orte, wo Herchen begütert und ansässig gewesen war, bietet ihre Schwierigkeiten und besonders die jener Orte, wo das Kloster nur Renten und Zinsen bezog, bleibt weiter hinter der Wirklichkeit zurück. In bezug auf erstere — wir machen im folgenden aus maßgebenden Gründen keine Scheidung — dürfte unser Verzeichnis so ziemlich den tatsächlichen Bestand erreichen, so daß wir nach dieser Seite hin einen einigermaßen vollständigen Ueberblick gewinnen. Bei seiner Anordnung ergab es sich von selbst, daß wir zunächst Herchen und seine nächste Umgebung berücksichtigten und darauf in alphabetischer Reihenfolge die übrigen Orte hinzufügten, indem die näher beieinander liegenden möglichst unter einem Stichwort zusammengefaßt werden.

Inventarlisten
Aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts liegen uns zwei Inventare vor, die sich glücklich ergänzten und uns einen lehrreichen Einblick in die derzeitige wirtschaftliche Lage Herchens gewähren. Sie stammen aus den Jahren 1468 (November 17) und 1475 (Juni 28) und wurden gelegentlich der Visitation durch Abt Friedrich von Marienstatt aufgenommen. Ihrer Bedeutung wegen sollen sie im folgenden vollständig wiedergegeben werden:

 Inventar von 1468.

Anno domini M° CCCC“ LXVIII0 septimadecima die novembris monasterium in Merchingen per nos fratrem Fredericum abbatem Loci sancte Marie inventum ac dimissum est in actis ut sequitur.

Debita, quibus idem monasterium singulis obligatur :

Item Kontzgin im feehois 6 mark coli. (= colonien.).

Item Lambrecht 12 alb.

Item Gretgin uff der trappen 6 alb.

Item Buyßchen van Sijberg 16 alb.

Item van Kacheien 25% alb.

Item Swaben Men van Eitdorpt 50 mark kl.. (= köln.), dar vur he 3 morgen lantz hait zo pande.

Item dem murer van Sijberg 3 mark kl.

Item Elsen unßer alden frauwen mait 3 mark kl.

Item her Pauels 99 mark kl.

Item Hermans huysfrauwen von Lügenscheit 7% alb. 3 hll.

Item 20 mark Amt Fijßcher van Hoppengarten, dar vur he eyn wese zu pande hait.

Item Thylgin Spechheuger 5 mark kl.

Item Hen Dreischer 7 alb.

Item dem moilner Mont 10 mark kl.

Item Trinen der mait 6 mark kl.

Item Leven 4 mark kl.

Item her Johans vader 509 mark 2 hll.

Summa omnium debitorum ut prescribitur 727 mark kl. 2% alb. 5. hll.

Item habent pro manibus in recompensam illorum debitorum:

In siligine duodecim maldra in promptis in debitis 66 maldra in avena in debitis 40 maldra, in straminibus 24 maldra secundum estimacionem.

Item de censibus restancijs a festo Martini proxime preteritum (!) sex flor. Renenß.

Item carnes octo boum et vacarum simul.

Item carnes 14 porcorum.

Item in vaccis tarn parve quam magne sedecim frusta.

Item decem et octo porcos et porcellos.

Item in utensilibus domus: 4 groiße schuttelen. — 6 nuwer Fleisch schuttelen; 2 alden. — 16 nuwer moeß schuttelen. — 9 mostertschutte-len; 2 alden. —• 4 zenen luchter und eynen messing und 2 alden zenen.

Item 3 quart kannen, — 5 halffskannen. — 2 kannen, der eyn drey pint helt — 2 pint kenger.

Item 7 pannen. — 2 isen leffel. — 7 kessel, kleyn und groyß. — 3 saltzfaßer. — 6 zenen teilen

Item 13 par slaefflachen. — 7 federbette. — aen fluckenbette.

Item 11 dyschtwelen. — 2 nuwe vurtwelen; 2 alden. — 10 hant- twelen. — drue pert waen, karre, ploich mit gezauwen dar zo.

Item de kirche mit redelicher zeraten nemlich: drey sylberen overgulte kelche. — 2 missail. — 12 kaselen, guet und boese, mit al­ben und andrem gezauche. — drey cruce mit heiltum. — veir kleyn monstrancien mit erem heiltum. — 2 par luchter und eltertwelen.

Inventar von 1475.

Eingehender als das erste lautet das zweite Inventar vom 28. Juni 1475 und insofern verdient es eine größere Beachtung:

Item 6 groisse platelen myt rynggen.

Item 12 breidder fleychs schottelen soe alt soe nuwe.

Item 16 moyss schottelen.

Item 8 kumpger.

Item 15 moster schottelen, alt ind nuwe.

Item 9 zeynen telner ind 4 alden.

Item eyn halve verdeltz kanne.

Item 4 quart kannen.

Item tzwa dry pyntz kannen.

Item . . halffs kannen1).

Item 6 kleynre kenger van pynten ind mynre.

Item eynnen luichter myt tzwen pyffen.

Item eynnen kufferen luichter myt tzwen pyffen.

Item 5 sleichter luichter; 2 alden.

Item 6 groisser duyppen.

Item eyn ysernen duyppen.

Item 15 maislicher duypen.

Item 7 kessel, soe cleyn soe grois.

Item 12 yseren leffel.

Item 7 pannen.

Item 5 saltzvasser.

Item 6 becken.

Item 3 kufferen hantfass.

Item 2 brait pannen.

Item 3 roisten.

Item 16 stoyl küssen.

Item pluym kuyssen 37.

Item 30 par slayflacher.

Item tzwe par myt gestrickden offen naidde, die sunderlichen su-

verlieh synt.

 

 Quellenverzeichnis